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Beitrag #1, verfasst am 07.11.2008 - 16:38
Hi!

Ich finde es immer ziemlich schwer, einen glaubhaften Antagonisten zu schreiben, und finde die Bösewichte in den meisten Geschichten und Filmen auch nicht sonderlich gelungen. (Vielleicht liegt meine Schwierigkeit darin, dass ich einfach keine Vorbilder habe.)

Wie geht euch das?

Meine wichtigste Frage: Wer ist euer Lieblingsbösewicht (Bücher, Film, ect.) - und vor allem WARUM?

Was macht einen "guten" Bösen aus?

Stören euch Stereotype oder vermisst ihr die sogar, wenn es die nicht gibt?

Welcher Bösewicht lässt euch gähnen oder die Augen verdrehen - auch hier WARUM?


Wie steht ihr zu den bösen Helden, die eindeutlig die Bösen sind, moralisch verkommen, Mörder, Kinderschänder, herzlos, psychopatisch, aber trotzdem Helden, weil sie cool, intelligent oder sonst was sind, womit man sich identifizieren kann?

Haltet ihr es für geschickt, den Bösen gar nicht in Erscheinung treten zu lassen, also gar keinen Charakter zu geben?

Und warum denke ich eigentlich automatisch an DEN Bösewicht und nicht an eine Schurkin? Wie sieht es mit weiblichen Bösen für euch aus? Sind die weniger glaubwürdiger für euch? Haben die andere Eigenschaften oder Motive als die männlichen?

In Hoffnung auf spannende Beiträge,
Rune
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Beitrag #2, verfasst am 07.11.2008 - 17:52
Ich will keineswegs sagen, dass ich es für falsch halte, Bösewichte einzubringen, es ist nur so, dass ich persönlich keine Aufteilung in die "Guten" und "Bösen" mag. In der Realität gibt es sowas ja auch nicht. Ich selbst bemühe mich je nach dem, ob der Plot es ermöglicht (also wenn nicht die Gefahr besteht, vom roten Faden abzuschweifen), das "Gute" in den "Bösen" zu zeigen oder wenigstens einen Grund anzugeben, wieso ein Gegner so ist wie er ist. In meinem Weltbild gibt es nun mal kein "Gut" und "Böse". Und ein guter "Bösewicht" in einer Geschichte ist für mich jemand, für den man auch Sympathie empfinden kann, wenn man ihn näher kennengelernt hat. Ein Idealfall tritt für mich dann ein, wenn es keine "Guten" und "Bösen" gibt, sondern einfach nur Menschen.
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Beitrag #3, verfasst am 07.11.2008 - 17:59
Rune schrieb:
Wer ist euer Lieblingsbösewicht (Bücher, Film, ect.) - und vor allem WARUM?

Zur Zeit? Heath Ledgers Joker, weil er einfach nicht Klischee ist, zumindest was meine Bösewicht-Sozialisation anbelangt. Er hat kein Motiv (außer Spaß) und ist einfach nur komplett irre. Trotzdem hat er Sinn für Humor und ist charismatisch - die Mischung machts.

Rune schrieb:
Was macht einen "guten" Bösen aus?

Motivation und Vielschichtigkeit. Mir ist es einfach wichtig, dass der Bösewicht nicht pur Bösewicht ist, sondern eben auch liebevoller Familienvater oder sowas. Kein realer Mensch ist 24 Stunden am Tag professioneller Bösewicht, und auch Sadisten sind meistens ganz normale Menschen. Und wenn das fehlt, dann brauche ich einfach eine Kompensation eben durch die Motivation. Die meisten Leute sind nicht böse, weil sie es sein wollen, sondern weil sie glauben, das richtige zu tun. Ich würde sagen, dieses Argument könnte man sogar auf den Joker beziehen, aber das ist nur meine Interpretation des Charakters (und er ist ja nun wirklich ein Enigma).

Rune schrieb:
Stören euch Stereotype oder vermisst ihr die sogar, wenn es die nicht gibt?

Mich stören sie.

Rune schrieb:
Welcher Bösewicht lässt euch gähnen oder die Augen verdrehen - auch hier WARUM?

Lord Voldemort. Er ist einfach nur langweilig.


Rune schrieb:
Wie steht ihr zu den bösen Helden, die eindeutlig die Bösen sind, moralisch verkommen, Mörder, Kinderschänder, herzlos, psychopatisch, aber trotzdem Helden, weil sie cool, intelligent oder sonst was sind, womit man sich identifizieren kann?

Neil Gaiman kann das ganz klasse, und ich liebe diese Geschichten. Der schreibt schon mal Kurzgeschichten über Kinderschänder, der seine Familie umgebracht hat, oder einen Nazi, der meint, dass er einen wichtigen und moralisch gerechtfertigten Job hat, bei dem er die Juden in den "Duschen" beruhigt.

Rune schrieb:
Haltet ihr es für geschickt, den Bösen gar nicht in Erscheinung treten zu lassen, also gar keinen Charakter zu geben?

Ich mag, um ehrlich zu sein, die Geschichten am liebsten, in denen es keinen klaren Bösewicht gibt, sondern nur verschiedene Weltbilder, Moralvorstellungen und Ziele. Das ist für mich sowohl als Leser wie auch als Autor wesentlich spannender, als flache Charaktere ohne menschliche Tiefe.
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Beitrag #4, verfasst am 07.11.2008 - 17:59
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zuletzt bearbeitet am 07.11.2008 - 18:00
Also, mir fällt schon ein weiblicher Bösewicht ein. Cruella =P

Ich mag eigentlich garkeine Bösewichte. Man _soll_ sie ja hassen =)
Aber diese Cooly-cool- Bösewichte, die zwar Kinderschänder oder Massenmörder aber intelligent und cooler als ein Eiswürfel sind und von den Weibern angebetet werden, finde ich zum Kotzen. Bestes Beispiel: Lestat von "Interview mit einem Vampir" (wobei ich sagen muss, dass ich diesen Film sowieso nicht mag).

Gesichtslose Bösewichte finde ich langweilig und klischeehaft. Sie sind einfach böse, ohne Sinn und ohne Motiv. Aber wenn eine Geschichte in der Ich- Form geschrieben ist (oder auch nur strikt aus der Sichtweise des Protagonisten), erfährt man nicht mehr, als die Hauptperson selbst, und in solchen Fällen könnte es natürlich realistisch sein, wenn der Bösling gesichtslos bleibt. Bestes Beispiel: Sauron aus HdR.

Am Liebsten erfinde/lese ich über/sehe ich im Fernsehen "besessene" Bösewichte. Fanatiker. Leute, die nachvollziehbar sind. Bei denen man sich denken könnte, dass man selbst möglicherweise nicht anders wäre, wäre man sein Leben lang so behandelt worden bzw. wäre man einer solchen Gehirnwäsche unterzogen worden, etc.
Und was ich eigentlich auch mag, ist, wenn Bösewichte nicht durch und durch böse sind, denn das ist einfach unrealistisch. Auch Bösewichte können z.B. lieben.
Und ich mag es auch, wenn Bösewichte sich möglicherweise überzeugen lassen bzw. ändern können. Schließlich sind sie auch nur Menschen (oder auch nicht, in manchen Fällen =P). Bestes Beispiel (für mich zumindest): Sylar aus Heroes (ist übrigens mit Abstand mein Lieblings- Bösewicht).
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Beitrag #5, verfasst am 07.11.2008 - 18:47
Hm...ich mag die antagonisten meist mehr als die Protagonisten : D irgendwie spechen sie mich eher ein, auch wenns meistens gescheiterte Perrsönlichkeiten sind. ich finde sie interessant. Wenn ihre Motive nachvollziehbar sind, dann mag ich sie. Egal welche es sind, ich finde, man kann den leser echt in die bredouille bringen, wenn er nicht weiß, für wen er halten soll, den Protagonisten oder Antagonisten.

Gute Antagonisten...hm...
allen voran: Ramirez aus Skies of Aracdia legends: Ich finde seine Gründe nachvollziehbar und man merkt, dass er wahrscheinlich nie auf so bescheurte Ideen gekommen wäre, wäre er von anfang an einfach anderen Menschen begegnet.

Den Joker würd ich auch reinbringen. XD Einfach abgedreht und grenzgenial dabei. Vorallem weil er Batman gut ergänzt. Stellt bei mir dei Ausnahme der regel dar, da es scheinbar zu ihm nichtmal ne einheitliche origingeschichte gibt, sondern viele verschiedene.

Hm...Walter Sullivan (Silent Hill 4) vll noch, auch wenn ich die Serienkiller mit ödipuskomplex langsam nimmer sehen kann. XD

schlechte Bösewichte....hm...ich mag diese alibibösen nicht, die einfach böse sind, damit der Held was zu tun hat.  :/  beispiele...omg...ich merk mir die nicht so fot, wenn ich sie nicht mochte...aber Voldemort z.b. fand ich schon was lahm. :/
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Beitrag #6, verfasst am 07.11.2008 - 18:57
Boah. Jeder mag den Joker so gerne... Ich weiß nicht. Mich persönlich hat der ganz schön genervt mit seinen ekelhaften Mundbewegungen (für die die Figur Joker wahrscheinlich nichts konnte).
Natürlich hat Heath Ledger ihn super verkörpert (wobei ich sagen muss, dass ich mich an den "originalen" Joker nicht mehr so gut erinnere), aber irgendwie geht das Motiv hinter seinen Taten schon enorm ab...
Andererseits haben viele reale Serienkiller bzw. Terroristen auch wenig Motiv...
Sympathie kann ich allerdings für ihn überhaupt keine empfinden, und das benötige ich sowohl bei Helden, als auch bei "Bösewichtern", um sie zu mögen...
Two Face, im Gegensatz zu Joker, hat mir wiederum besser gefallen (ich weiß, dass ich wahrscheinlich mit dieser Meinung fast alleine dastehe).
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Beitrag #7, verfasst am 07.11.2008 - 19:13
Die Qualität eines Bösewichts hängt nicht davon ab, wie böse er ist, sondern wie die Qualität jedes Charakters von der Authentizität, der Vielschichtigkeit und natürlich auch einem gewissen Coolness-Faktor. Ein kluger Big Bad Evil Guy, der in der Lage ist, die Charaktere echt herauszufordern, ist auf jeden Fall interessanter als ein inkompetenter Trottel, der eigentlich nur eine Gefahr darstellt, weil die Charaktere genauso doof sind.
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Beitrag #8, verfasst am 07.11.2008 - 21:50
Kennt hier noch jemand die britische Robin Hood-Serie aus den Achtzigern, in der der leider viel zu früh verstorbene Robert Addie den Guy of Gisbourne, glückloser Gegenspieler der Helden aus dem Sherwood Forest, gespielt hat? Diese Figur habe ich geradezu geliebt!
Meine Waffe ist das Wort, und ich scheue auch nicht davor zurück, es zu benutzen!

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Beitrag #9, verfasst am 08.11.2008 - 00:04
Oh yeah - 80er Robin? Ganz, ganz schwach. Da war ich noch richtig lütt. Aber ich hab den Soundtrack von Clannad (naja, eigentlich hat den meine Freundin aber was ihrs ist, ist auch meins - oder so), erinnere mich an Herne, die Frisuren und ich glaube, eine Beerdigungsszene.  Brennende Pfeile und so? Coole Serie.

Mein Lieblingsbösewicht? Snowball aus Pinky und Brain. Was? Ich bin halt einfach zu amüsieren.
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Beitrag #10, verfasst am 08.11.2008 - 01:26
Feael schrieb:
In der Realität gibt es sowas ja auch nicht.


Das kann ich so nicht stehen lassen. Die Welt ist zwar nicht klar in  Schwarz und Weiß aufgeteilt, aber das es Grautöne gibt heißt ja noch lange nicht, dass Schwarz und Weiß nicht existieren.



Bösewichter, bzw. Antagonisten sind für mich essentieller Bestandteil einer guten Geschichte - Konflikt ist nunmal das, was einen Plot vorantreibt. Dennoch sind Antagonisten die nur tumb "böse" sind (am besten noch mit speziellen Szenen, die dem Leser klar machen sollen, dass der wirklich, wirklich böse ist) für mich ein Graus. Ein Antagonist sollte sich dadurch definieren, dass sein Ziel dem des Helden/Protagonisten entgegensteht - und sein Motiv sollte den Leser zum Nachdenken bringen, ob das Motiv des Protagonisten wirklich so nobel/richtig/gut ist.
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Beitrag #11, verfasst am 08.11.2008 - 04:26
Ich find diese ich-bin-böse-und-will-deshalb-die-Welt-zerstören Bösen schlecht. Niemand entscheidet schließlich einfach, böse zu werden. Es sind halt konträre Moralvorstellungen und Ziele, die den Antagonisten vom Protagonisten unterscheiden. Mir gefällt es, wenn man eine Innensicht der Beweggründe des Bösewichts bekommt. Bei darth Vader z. B. fand ich die Veränderung vom Padawan zum Sith nachvollziehbar und in sich stimmig.
Andererseits kann auch ein absolut verdorbener, grausamer Vergewaltiger/Mörder/etc. ein guter Bösewicht sein, schließlich gab und gibt es solche Männer ja auch in Wirklichkeit. Und deren Beweggründe versteht man ja auch nicht.

Ganz schlimm find ich allerdings diese Clichée-Szenen, in denen der Bösewicht den Guten gefangen hat, ihm seine Pläne verrät und damit weertvolle Zeit vergeudet bzw. den Guten vermeindlich zum Sterben zurück lässt.

Ich denke, es sind häufiger Männer, weil 1. Filme und Bücher früher zumindest mehrheitlich/ausschließlich von Männern gemacht wurden und die hatten halt das Bild des harmlosen Frauchens im Kopf und konnten sich nichts anderes vorstellen. (Und selbst heutzutage ist die Böse höchstens die Geliebte des Oberbösewichts) und 2. die Geschichte halt mehr von grausamen Herrschern/Kriegern/Männern allgemein berichtet. Männer gelten im Vergleich als eher gewalttätig, während Frauen ja immer soziale Wesen sind und nur Friedefreudeeierkuchen wollen. Frauen bleiben zuhause bei den Kindern, während der Mann als Manager/Bösewicht das GEld verdient. Und da Männer stärker sind als Frauen, fällt es ihnen physisch auch vielleichter, Gewalt anzuwenden.
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Beitrag #12, verfasst am 08.11.2008 - 11:04
Ich stimme einfach mal mit einer ausschweifenden Winkbewegung den meisten Posts hier zu...

Man kann das Konzept eines "grauen" Antagonisten noch ausweiten und eine ganze Cast von grauen Charakteren erschaffen. Niemand ist böse, niemand ist gut. Inzwischen hab ich aber die Erfahrung gemacht, dass soetwas Vor- und Nachteile hat. Es ist zwar realistischer, aber für den Leser ist es natürlich auch schwieriger, die Charaktere einzuordnen.

Auf die Gefahr hin abzuschweifen: Die Realität ist grau. Aber wir nehmen sie ja nicht als grau wahr, wir teilen sie ja durchaus in Freunde, "Feinde" und Neutrale auf. Wir brauchen einfach irgendetwas, an dem wir uns festhalten können.

Deshalb bin ich beim Schreiben inzwischen dazu übergegangen, zwar nach wie vor ausschließlich graue Charaktere zu verwenden, diese jedoch nach ihrer Einführung immer für eine Weile als Gut oder Böse zu tarnen. Das hat zwei Vorteile: Erstens hat der Leser eine zwar trügerische aber dennoch beruhigende Sicherheit zum Einstieg. Und zweitens kann man als Autor ganz gute Effekte erzielen, wenn man stückweise mehr über die Charaktere rausrückt und ihre "graue" Natur offenlegt.
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- Neil Gaiman
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Beitrag #13, verfasst am 08.11.2008 - 11:57
Viele Fragen auf einmal.
Nun dann wollen wir mal versuchen, sie zu beantworten.

Meine wichtigste Frage: Wer ist euer Lieblingsbösewicht (Bücher, Film, ect.) - und vor allem WARUM?
- in den HP-Büchern waren es ganz klar: Lucius Malfoy und Severus Snape.
Beide sind auf ihre Weise fies, gemein, intrigant und nicht zu durchschauen.
- in Filmen ist es ähnlich: Es sind meist die Typen die ebenso fies und niederträchtig sind und doch immer noch etwas verbergen

Was macht einen "guten" Bösen aus?
- sein Handeln. Wenn er noch Überraschungen vorweist und plötzlich etwas tut, was man nicht von ihm erwartet - weil ja BÖSE!
Bsp.: Wie Darth Vader am Ende doch noch seinem Sohn Luke das Leben rettet
Bsp.: Wie Snape in HP seinem jungen Widersacher Potter doch hinterm Rücken hilft

Für mich muss der Bösewicht von allem Etwas haben. Er muss wie erwähnt fies und gemein sein, behält sich aber vor, auch etwas völlig Unvorbereitetes zu tun (sprich plötzlich sich für einen kurzen Moment auf die Gute Seite zu schlagen und dann wieder nicht)
Eine gewisse Arroganz und Charisma sind für mich wichtig.
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Beitrag #14, verfasst am 08.11.2008 - 12:05
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zuletzt bearbeitet am 08.11.2008 - 12:09
Snape ist jetzt nicht in dem Sinne ein Bösewicht, aber ein ausgezeichnetes Beispiel, wie man seine Leser rätseln lassen und hinters Licht führen kann. Snape ist als Charakter ja auch tausendmal interessanter als Voldemort, der außer Gier nach unbedingter Macht und widersprüchlichem Rassismus keine besonderen Merkmale aufweisen konnte.

Was Schwarz, Weiß und Grau angeht - es gibt unterschiedliche Graustufen, nicht wahr? Viele Bösewichte sind Schwarz mit einem leichten Graustich, die meisten Helden sind Weiß mit gelegentlichen Graustichen. Aber das Hauptkriterium für die Qualität JEDES Charakters, ob Protagonist oder Antagonist, ist ob der Charakter an sich interessant ist und funktioniert, nicht welche Graustufen er hat.
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Beitrag #15, verfasst am 08.11.2008 - 12:18
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zuletzt bearbeitet am 08.11.2008 - 12:18
Vielen Dank Silfir.
Das Beispiel Snape habe ich aus diesem Grunde gewählt. Er zeigt sich z.Bsp. im ersten Buch/Film als derjenige, der Schaden zufügen will (so wird es dem Leser/Zuschauer) vermittelt. Und doch tut er dann etwas, was man nicht von ihm erwartet hätte.
Es gibt garantiert viel mehr Beispiele (die mir natürlich gerade nicht einfallen) aber das macht für mich eine Person erst interessant.
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Beitrag #16, verfasst am 08.11.2008 - 15:01
Ergänzend vielleicht: viele meinen, dass ein Held sowieso nur so gut ist, wie sein Gegenspieler. Ich finde, das stimmt schon. Wenn da kein Gleichgewicht herrscht, ist vieles bis alles für die Katz.
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Beitrag #17, verfasst am 08.11.2008 - 15:17
Ich habe das Buch "Das Parfüm" so geliebt, weil eigentlich keine Person in dem Buch nur gut oder nur böse war. Man konnte zwar die Handlungsweisen der Leute nachvollziehen, fand sie aber dann doch moralisch bedenklich.
Man hatte Verständnis für Grenouille, weil er nie von jemandem geliebt wurde und auch eigentlich keine Sozialisation erfahren hat. Für ihn gibt es halt nur eins was in seinem Leben zählt, die Gerüche. Ich mochte ihn nicht wirklich als Person, aber ich fand ihn total faszinierend.

Alle Personen denen er im Laufe seines Lebens begegnet haben ihn mehr oder weniger versucht auszunutzen und bekamen dafür auch immer in irgendeiner Form ihre gerechte Strafe und man dachte sich so beim Lesen, das geschieht dir gerade recht.

Aber es ist dem Autor wirklich gelungen, das man die Motive der einzelnen Personen gut nachvollziehen konnte, auch wenn man das moralisch falsch fand.

Ein guter Bösewicht ist für mich jemand mit Tiefe, jemand der Facettenreich ist. Niemand wird gut oder böse geboren, viel mehr sind es oft die Lebensumstände die einen dazu machen.
Wobei ich zb Dr Hannibal Lector aus Schweigen der Lämmer toll fand, weil er so unglaublich intelligent war und mit der Polizei Katz und Maus gespielt hat. Er hatte zudem Charme, was man von "dem Bösewicht" sonst nicht so erwartet.
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Beitrag #18, verfasst am 08.11.2008 - 15:29
daisy schrieb:
Ich habe das Buch "Das Parfüm" so geliebt, weil eigentlich keine Person in dem Buch nur gut oder nur böse war. Man konnte zwar die Handlungsweisen der Leute nachvollziehen, fand sie aber dann doch moralisch bedenklich.

Ich habe nur den Film gesehen, kann dir aber zustimmen. Und wer meint dass Serienkiller keine Helden sein können: Dexter. Da sind die Bösewichte zwar auch Serienkiller, aber mit ihnen hat der Hauptcharakter eigentlich viel mehr gemeinsam als mit den Guten. Ich kann mich mir ihm auch ziemlich gut identifizieren, nicht etwa, weil ich das Bedürfnis habe Leute zu killen, sondern weil er mit der Gesellschaft eben so seine Probleme hat.

daisy schrieb:
Ein guter Bösewicht ist für mich jemand mit Tiefe, jemand der Facettenreich ist. Niemand wird gut oder böse geboren, viel mehr sind es oft die Lebensumstände die einen dazu machen.

Das war der Grund, aus dem ich mich mit Voldemort nach dem sechsten Band nicht mehr anfreunden konnte. Davor mochte ich ihn als Bösewicht eigentlich. Aber dass es so dargestellt wurde, als sei er eben einfach böse geboren worden ... nein danke. Ich glaube aber auch nicht an das Böse. Vielleicht habe ich deswegen solche Probleme mit "bösen" Bösewichten.
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Beitrag #19, verfasst am 08.11.2008 - 16:57
Ich denke, kein Mensch ist von Natur aus schlecht. Daher liebe ich es bei Bösewichten aber auch bei den Guten, wenn sie nicht bloß dem Schwarz-Weißschema folgen sondern nachvollziehbar handeln. Ich liebe es bei ihnen gute Seiten zu entdecken und vielleicht auch bei den Protagonisten schlechte Seiten zu sehen.

Was Frauen anbelangt: Ich arbeite zwar auch vor allem mit Männern, das muss ich zugeben, wenn es um die Gegenspieler geht, aber zuminderst eine Frau ist dabei, die ihnen mit Leichtigkeit das Wasser reichen kann und vielleicht noch schlimmer ist. Und meine Hauptcharakterin würde ich weder als gut noch als böse einstufen. Für mich als Mädchen ist es toll Frauen zu erfinden, die nicht dem stereotypischen Vorurteil des netten, vielleicht auch noch hilfsbedürftigen, Mädchens zu folgen.

Langweilig finde ich die Bösewichte wie Voldemord. Hingegen dazu liebe ich diese leicht verrückten Genies. ^^
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Beitrag #20, verfasst am 08.11.2008 - 18:37
Puh, schwieriges, aber sehr interessantes Thema. Ich muss sagen, ich finde bei vielen Storys die "Bösen" am interessantesten. Es wird ja auf Dauer langweilig dauernd nur von lieben und normalen Leuten zu lesen und da ich mich sowieso sehr für Psychologie interessiere, reizen mich die Bösewichte am meisten.

Wirkliche Lieblinge habe ich da aber nicht. Dazu sind die einzelnen Charaktere viel zu verschieden und das muss ja auch so sein. Im wahren Leben kann man ja auch nicht alle Mörder in eine Schublade stecken und sagen, dass sie alle gleich ticken.

Ob und wie ich in meinen Storys Bösewichte auftreten lasse, entscheidet sich nach der Handlung. Ich hab meistens, bevor ich anfange zu schreiben, zumindest ein grobes Bild vor Augen, wie die Story verläuft. Erst dann überlege ich mir mehr zu den einzelnen Charakteren, aber das Meiste, das Herausragende kommt erst mit dem Schreiben an sich. Das ist bei mir sowieso eher so, dass ich mich von meiner Stimmung leiten lasse beim Schreiben. Deswegen habe ich da auch keine Vorbilder, sondern das Ganze entwickelt sich praktisch von selbst.

Man sollte sich aber vorher immer überlegen, ob man überhaupt in der Lage dazu ist, so etwas zu schreiben. Das Ganze muss natürlich auch glaubhaft wirken. Direkt gesagt: Ich glaube, man muss selbst ein bisschen "krank" im Hirn sein, um den Charakter eines Bösewichtes glaubhaft ausarbeiten zu können.

Und dann muss man sich entscheiden, wo der Schwerpunkt der Story liegt. Manchmal ist es viel geheimnisvoller, wenn man nichts von dem Bösen verrät und nur die Taten sprechen lässt, um erst am Ende alles aufzuklären. Manchmal ist es auch nur eine Randfigur. Und manchmal ist es eben ein Hauptcharakter, bei dem man gerade seine Entwicklung hervorheben will.

Sicher ist aber auf jeden Fall, dass das Schreiben, je weiter man in die "Psyche" des Bösewichts eindringt, immer schwieriger wird. Man sollte da wirklich ehrlich zu sich selbst sein, ob man dem Schreiben solcher Szenen gewachsen ist. Es muss nicht immer sein. Man kann eine Story auch sehr gut anders schreiben. Irgendwie ist es zur Mode geworden Bösewichte mit in die Story reinzubringen, aber das kann auch leicht nach hinten losgehen. Anfängern würde ich auf jeden Fall davon abraten sofort mit so etwas Schwierigem anzufangen.

Ich arbeite meistens mit Männern. Wahrscheinlich, weil sie einfach stärker sind, angsteinflößender. Mir kommen die Ideen zum Schreiben einfach. Plötzlich habe ich eine Idee vor Augen und die Charaktere.
Frauen sind schwieriger. Die sind meist nicht so stark wie Männer, sondern müssen viel raffinierter sein. Und solche Ideen und das Talent, so etwas auszuformulieren, muss man erst mal haben. Davor habe ich großen Respekt. Mir ist das leider noch nie gelungen. ;)
Oh Verstand, steh' mir bei, wenn du noch kannst.
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Beitrag #21, verfasst am 08.11.2008 - 18:40
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zuletzt bearbeitet am 08.11.2008 - 18:42
Mir fällt nur ein Bespiel ein, bei dem das Gleichgewicht zwischen Antagonist und Protagonist perfekt war. In dem Film "Heat" von Thomas Mann, mit Robert de Niro und Al Pacino in den Hauptrollen. Die Spannung und Faszination dieses Gut-gegen-Böse Spiels der beiden Charaktere resultierte vor allem aus ihrer Ebenbürtigkeit.
Und das ich bis heute nicht genau sagen kann, wer nun Antagonist und wer Protagonist ist.
Der Polizist oder der Gangster. Dabei scheint die Frage so formuliert auf den ersten Blick beantwortet.
So viel zum Thema Graustufen.

Ein Bösewicht darf für mich nicht zu perfekt sein. Hannibal Lecter war fast ein wenig zu intelligent. Vielleicht wurde seine Ergreifung deswegen nie verfilmt, weil er m.E. nur durch einen Zufall gefasst wurde. In allen anderen Dingen ist es den meisten sonstigen Charakteren schlichtweg zu überlegen.

Psychopathen oder Soziopathen sind für mich auch keine klassischen Bösewichter. Solche Menschen sind einfach nur krank und über sie kann man nicht richten, ihnen kann man nur helfen oder andere Menschen vor ihnen schützen. Sie sollten einem Leid tun und nicht als cool glorifiziert werden. Paranoide Wahnvorstellungen und ähnliches sind in der Realität alles andere als cool oder gar witzig.

Voldemort fand ich ab dem sechsten Band auch langweilig. Und am Ende ließ er sich, trotz seiner angeblich so hohen Intelligenz, viel zu leicht überwältigen.
Der einzige Fall in dem die Begründung "ist einfach böse" vollkommen reicht, ist "Es" von Stephen King. Pennywise der Clown ist einfach böse. Unberechenbar, ohne jegliche Moralvorstellungen, ohne einen Hauch von Menschlichkeit.

Ein guter Bösewicht, allerdings auch ein Soziopath, ist Seishiro Sakurazuka aus Tokyo Babylon von CLAMP. Er wird dadurch interessant, dass man überhaupt erst ganz am Ende erfährt, dass er der Böse ist.

Bösewichter sollten im allgemeinen aber lieber noch etwas Menschlichkeit besitzen. Damit meine ich keine guten Taten zwischendurch, sondern nachvollziehbare, menschliche Gefühle. Sie sollten nicht zu perfekt sein und auf gar keinen Fall eine zu offensichtliche Schwäche haben, die einem sofort zeigt, dass sie nur erschaffen wurden um vom Helden am Ende platt gewalzt zu werden.

Warum es keine "bösen" Frauengestalten gibt liegt m.E. daran, dass männliche Bösewichter mehr Publikum anziehen. Männer können ihn cool finden und ihn als Vorbild nehmen. Sieht er dabei noch gut aus, wirkt cool und arrogant hat er sofort das weibliche Publikum auf seiner Seite. Ist er entsellt und hässlich hat er meistens Superkräfte und weckt kleine Jungs Phantasien bei Männern und Frauen können sich gruseln, die Superkräfte auch insgeheim toll finden oder einfach "typisch Mann" denken und den gut aussehenden, strahlenden Helden anhimmeln.

Bei einer Antagonistin gibt es leider immer noch viele Männer, die keine starken Frauen sehen wollen. Außerdem werden Frauen, die sich durchsetzten wollen meistens sofort als "Zicken" abgestempelt und gelten als "nervig." Es sei denn sie schmeißt sich in ein hautenges Lack und Leder Kostüm und lässt sich (hier wieder fürs weibliche Publikum) vom Helden flach legen. Sex sells, auch hier.   Die einzige nicht gerade bildhübsche "Antagonistin" gab es bis jetzt doch nur in dem Film "Monster."
Alle anderen sahen vor allem supertoll aus und haben am Ende immer etwas mit dem Helden angefangen, was sie aus ihrer Bösewichtrolle hinauskatapultiert hat.
Einzige Ausnahme vielleicht noch Hexen in Märchenfiguren.
After Monday and Tuesday even the calender says: W T F ...
Nimm einem Durchschnittsmenschen seine Lebenslüge, so nimmst du ihm zugleich sein Glück - Ibsen
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Beitrag #22, verfasst am 08.11.2008 - 19:10
Hannibal Lecter und Artemis Fowl sind für mich die perfekten Antihelden.
Kühl, berechnend, Einzelkämpfer, absolut überzeugt von dem was sie tun und...glaubhaft, weil sie sich ihrer Boshaftigkeit bewusst sind, aber auf die Konsequenzen scheissen. Typische Psychopathen.
Auch schön sind Soziopathen wie William Foster (Michael Douglas in Falling Down). Oder die typischen Charaktere in Tarantino-Filmen. Diese wirken widerum dadurch, dass man solche verschrobenen Gestalten überall trifft.
Allgemein ist ein glaubhaftes Auftreten sehr wichtig für mich, wenn es um Antihelden geht.
Bösewichte wie Lord Voldemort oder Sauron kommen mir hingegen zu stereotyp und überzogen vor. Die 'sind einfach' böse. Und das dazu noch ziemlich platt. Ähnlich wie in James Bond-Filmen. Es gibt die Bösen und die Guten. Ohne Grund. Und dann auch noch völlig übertrieben. Nicht auf Triebbefriedigung (Lecter) ausgelegt, sondern es geht sofort um die Weltherrschaft.
Bis auf Hitler (und Co) gab es in der Sparte noch keine wirklich überzeugenden Bösewichte.

Psychopathen oder Soziopathen sind für mich auch keine klassischen Bösewichter. Solche Menschen sind einfach nur krank und über sie kann man nicht richten, ihnen kann man nur helfen oder andere Menschen vor ihnen schützen.

Sowohl Sozio- als auch Psychopathen sind sich ihrer Taten durchaus bewusst und könnten diese somit auch verhindern.
Es ist einfach zu sagen dass ihre Krankheit sie steuert. Doch dem ist nicht so. Dann könnte man auch Kinderschänder für unzurechnungsfähig erklären, nur weil sie evtl. ne unschöne Kindheit hatten. Dabei vergisst man aber wieviele Traumaopfer eben NICHT zum Mörder oder Vergewaltiger werden.

Warum es keine "bösen" Frauengestalten gibt liegt m.E. daran, dass männliche Bösewichter mehr Publikum anziehen.

Schonmal irgendwelche Daily Sopas angeschaut?
Da rennen massenweise 'fiese Fotzen' rum, die so durchaus auch in freier Wildbahn zu finden sind und absolut in ihrer Rolle überzeugen.
Oder was ist mit 'Faster Pussy Cat! Kill! Kill!' und 'Misery'?
'Part of me suspects that I'm a loser, and the other part of me thinks I'm God Almighty.'
John Lennon
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Beitrag #23, verfasst am 08.11.2008 - 19:33
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zuletzt bearbeitet am 08.11.2008 - 19:46
Archangel schrieb:
Feael schrieb:
In der Realität gibt es sowas ja auch nicht.


Das kann ich so nicht stehen lassen. Die Welt ist zwar nicht klar in  Schwarz und Weiß aufgeteilt, aber das es Grautöne gibt heißt ja noch lange nicht, dass Schwarz und Weiß nicht existieren.

Ich glaube in Sachen Gut-Böse weder an Schwarz-Weiß noch an Grautöne. Grautöne gibt es für mich nur in Sachen "Außergewöhnliche Menschen und 'Normalos'". In meiner Philosophie ist alles in sich neutral, es ist, wie es ist. Punkt. Schwarz, Weiß und Graustufen halte ich für pure Illusion. Nicht einmal Morgoth und Sauron halte ich für böse und erst recht keine Orks. Wir alle sind und mehr steckt nicht dahinter.
Das wäre jetzt meine Denkweise. :)


Übrigens gehöre ich auch zu den Leuten, die eher für Antagonisten Sympathie empfinden. Die Protagonisten kann ich oft nicht leiden und warte nur gespannt darauf, dass sie abkratzen (na ja, das ist jetzt sehr stark übertrieben... so weit gekommen ist es bei mir bis jetzt nur mit Harry Potter). Überhaupt mag ich Figuren mit schwierigem Charakter (kommt bei Antagonisten einfach öfter vor).


Edit: Bei all meinen philosophischen Überzeugungen habe ich auf jeden Fall einen Lieblingsbösewicht, der auch wirklich bööööööse ist, so böse, dass man kaum noch böser sein kann: Fiesoduck!!
"Man achte immer auf Qualität. Ein Sarg zum Beispiel muss fürs Leben halten."
Kurt Tucholsky
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Beitrag #24, verfasst am 08.11.2008 - 20:10
Len schrieb:

Sowohl Sozio- als auch Psychopathen sind sich ihrer Taten durchaus bewusst und könnten diese somit auch verhindern.
Es ist einfach zu sagen dass ihre Krankheit sie steuert. Doch dem ist nicht so. Dann könnte man auch Kinderschänder für unzurechnungsfähig erklären, nur weil sie evtl. ne unschöne Kindheit hatten. Dabei vergisst man aber wieviele Traumaopfer eben NICHT zum Mörder oder Vergewaltiger werden.


Schau dir mal den Film "the Woodsman" an, zum Thema "Treibtäter" und "steuern." Natürlich könnten sie es verhindern, natürlich geht es. Aber m.E. nicht ohne entsprechende professionelle Hilfe.
Zum Krankheitsbild eines Soziopathen zum Beispiel kann fehlende Emphatie gehören. Der Mensch weiß vielleicht, dass das was er tut falsch ist, da er die allgemein gültigen sozialen Regeln kennt, sie aber nicht wirklich versteht. Bei Psychopathen kommt es m.E. auf den Grad ihrer Erkrankung an. Jemandem mit totalen Realitätsverlust kannst du bestrafen wie du willst, er wird es nicht verstehen, weil er aus seiner Sicht richtig gehandelt hat.

Und natürlich gibt es Traumaopfer die nicht zu Mördern und Vergewaltigern werden, weil nicht jedes Traumaopfer zwangsweise irgendwann Verhaltensmuster aufzeigt, die man als Soziopath oder "Psychopath" klassifizieren könnte.
Dieses Opfer leidet unter einem Trauma, ist aber nicht krank. Sowie nicht jeder Kinderschänder ein Kinderschänder wird, weil er eine schwere Kindheit hatte, wenn wir schon beim Thema "es ist einfach zu sagen" sind.
Kinderschänder sind für mich zum großen Teil unzurechnungsfähig. Das heißt nicht sie sollten alle laufen gelassen werden, sonder dass m.E. eine (dauerhafte) Sicherheitsverwahrung mit Therapien und psychologischer Betreuung sinnvoller als "Bestrafung" ist, als einfach so weg sperren. Und dann womöglich noch wegen guter Führung früher entlassen. Aber das gehört nicht mehr  wirklich zum Thema.

Was ich meinte ist, dass solche Menschen oft glorifiziert werden. Als coole Psychopathen, die für alles eine Entschuldigung haben, weil es eben Psychopathen sind. So cool, das junge Mädchen solch einen (gut aussehenden) Psychopathen zum Freund haben wollen.  Vielleicht habe ich mich aber auch nicht deutlich genug ausgedrückt, dann tut es mir Leid.


Len schrieb:

Schonmal irgendwelche Daily Sopas angeschaut?
Da rennen massenweise 'fiese Fotzen' rum, die so durchaus auch in freier Wildbahn zu finden sind und absolut in ihrer Rolle überzeugen.
Oder was ist mit 'Faster Pussy Cat! Kill! Kill!' und 'Misery'?


Ich bezog meine Ausführungen auf die großen, bekannten Bösewichter aus der Literatur und beliebten Filmen, Publikumsmagneten. Weil es eben die Bösewichte sind, über die gesprochen wird. Diejenigen, die wirklich jeder kennt, wenn auch nicht alle. Darunter sind auffallend wenig Frauen.
Im Fernsehen, vor allem in Daily Soap gibt es "Bösewichte" wie Sand am Meer. Männlich und weiblich. Davon ist keine(r) so herausragend, dass man so darüber spricht, als wäre es ein Fauxpas sie nicht zu kennen. Wie zum Beispiel Lecter, oder Darth Vader.

Misery ist ein gutes Beispiel, da stimme ich dir voll und ganz zu. Habe ich nicht dran gedacht. ;)
Das andere kenne ich leider nicht.
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Beitrag #25, verfasst am 08.11.2008 - 20:24
Einigen von uns, die durchaus schon mal mit einem real existierenden Kinderschänder "Bekanntschaft" schließen mußten, mag da die Neutralität abgehen... die meisten Menschen können sehr wohl zwischen Gut und Böse unterscheiden, und wer mit seinem Opfer, das nichts, auch rein gar nichts für die "Krankheit" seines Peinigers kann, kein Mitleid empfindet, soll wenigstens hinterher nicht um Hilfe für sich selbst jammern. Und interressant ist er in aller Regel auch nicht, vieleicht auf eine dunkle Weise faszinierend, so wie man sich auch Bilder eines Verkehrsunfalls fasziniert betrachtet, aber Geschichten ,in denen "das Böse" negiert oder sogar verherrlicht wird, sind meines Erachtens ein ganz gefährliches Terrain.
Meine Waffe ist das Wort, und ich scheue auch nicht davor zurück, es zu benutzen!

Mick Brisgau-der letzte Bulle
 
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