Autor
Beitrag
Beiträge: 450
Rang: Annoncenschreiber
•  
Beitrag #1, verfasst am 20.11.2011 - 16:17
Hallo,
mir ist eben mal aufgefallen, dass ich häufig das Bedürfnis habe, in meine Stories "Sichtwechsel" mit einzubauen.

Das kann darin bestehen, dass ich aus der Ich-Perspektive schreibe und alle 2 Kapitel oder so zwischen den Protagonisten schwanke, oder auch darin, dass ich aus der Sicht eines neutralen Erzählers schreibe und nur abwechsle, auf wen ich mich konzentriere. (z.B. bei einer Romanze: ein Kapitel berücksichtigt die Gefühle des Manns und führt in eine Situation, in der die beiden getrennt sind -> Das nächste Kapitel befasst sich damit, was die Frau in der Zeit tut, und endet in einer gemeinsamen Situation, usw.)

Jetzt wäre meine Frage: Welche Form von Sichtwechsel mögt ihr am liebsten? Baut ihr selbst häufig Sichtwechsel ein?`Und was haltet ihr als Leser eigentlich davon? :)
"Vielleicht gibt es nur wenige Menschen, die ihre Umgebung schön genug finden, um sie richtig anzusehen." (Rose Tremain in "Wie ich sie fand")
Beiträge: 1438
Rang: Sensationsreporter
•  
Beitrag #2, verfasst am 20.11.2011 - 16:20
Ich mache das in meiner aktuellen FF so, das ich zwei Protagonisten habe, die sehr lange Zeit voneinander getrennt sind. In einem oder mehreren Kapiteln beschreibe ich die sichtweise des einen protas, in einem oder mehreren anderen die des anderen, bis sich die wege der beiden ganz zum Schluss wieder kreuzen.
"You're mad!"
"Well that depends on who you're asking..."
~ www.anomaly.forumieren.com
- Lia -
Anonymer Benutzer
•  
Beitrag #3, verfasst am 20.11.2011 - 16:36
  •  
zuletzt bearbeitet am 20.11.2011 - 16:36
Ich habe oft Sichtwechsel zwischen zwei oder drei Charakteren (mehr wäre dann doch zu unübersichtlich) und gehe dabei auch sogar so weit, dass aus der Sicht des einen Charakters in der Ich-Frm, aus der des Anderen in der Er-Form schreibe (selbst wenn der "Ich-Charakter" in der Szene mitspielt) Ich mag es, verschiedene Blickwinkel einzubauen und den lesern zu zeigen, wie die verschiedene Charaktere ein und die selbe Situation empfinden. Und je mehr ich aus ihrer Perspektive schreibe, det mehr entwickeln sich mein Charaktere (meine Babies )
Beiträge: 450
Rang: Annoncenschreiber
•  
Beitrag #4, verfasst am 20.11.2011 - 16:45
- Lia - schrieb:
Ich habe oft Sichtwechsel zwischen zwei oder drei Charakteren (mehr wäre dann doch zu unübersichtlich) und gehe dabei auch sogar so weit, dass aus der Sicht des einen Charakters in der Ich-Frm, aus der des Anderen in der Er-Form schreibe (selbst wenn der "Ich-Charakter" in der Szene mitspielt) Ich mag es, verschiedene Blickwinkel einzubauen und den lesern zu zeigen, wie die verschiedene Charaktere ein und die selbe Situation empfinden. Und je mehr ich aus ihrer Perspektive schreibe, det mehr entwickeln sich mein Charaktere (meine Babies )


Okay, das finde ich jetzt auch mal interessant. :) Dass man zwischen Charakteren und auch zwischen der Er- und der Ich-Perspektive wechselt, habe ich noch nie gesehen, aber ich stelle es mir sehr aufregend vor, so zu schreiben und alles aus jedem erdenklichen Blickwinkel zu betrachten. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass man dadurch, wie du schon sagtest, seine Charaktere viel besser kennenlernt, wodurch sie sich natürlich weiterentwickeln ... Eine interessante Idee, auf jeden Fall.

Ich würde mir da nur Sorgen machen, wie der Leser damit zurecht kommt. Natürlich kann man vermerken, was aus wessen Sicht geschrieben ist, aber sind das nicht irgendwie die meisten Leute irritiert oder genervt von dem ständigen Hin und Her? :O
"Vielleicht gibt es nur wenige Menschen, die ihre Umgebung schön genug finden, um sie richtig anzusehen." (Rose Tremain in "Wie ich sie fand")
- Lia -
Anonymer Benutzer
•  
Beitrag #5, verfasst am 20.11.2011 - 16:53
Antiheldin schrieb:
[...]
Ich würde mir da nur Sorgen machen, wie der Leser damit zurecht kommt. Natürlich kann man vermerken, was aus wessen Sicht geschrieben ist, aber sind das nicht irgendwie die meisten Leute irritiert oder genervt von dem ständigen Hin und Her? :O


Da hast du natürlich recht. Ich achte auch einigermaßen darauf, dass ich es damit nicht übertreibe (das würde ich sonst nämlich): also nicht mehr als zwei oder drei Perspektiven und pro Kapitel möglichst in einer bleiben.
Ich weiß nicht, wie andere Leser dazu stehen, ich finde es als Leserin nicht so schlimm. Das Einizge, was nerven kann, ist, wenn ich einen Lieblingscharakter hab und dann gewechselt wird - ich will natürlich schnell wssen, was mit meinem Favoriten passiert ;)
Wie bestimmst du eigentlich, wann ein Sichtwechsel angebracht ist? Ich mache das nach Gefühl, irgendwie fühlt es sich halt "richtig" an und dann hab ich den Wechsel.
Beiträge: 334
Rang: Aktenwälzer
•  
Beitrag #6, verfasst am 20.11.2011 - 17:06
In meiner Geschichte schreibe ich auch aus der Sicht von zwei Protagonisten. Dabei wechlse ich die Sichtweise mehrmals innerhalb eines Kapitels, da sich ja beide Protas zu einer Sache etwas denken. (Zur Info: Ich schreibe alles in der Form der dritten Person) Meine Sorge war natürlich auch, dass es nicht gut bei den Lesern ankommt, aber bisher haben meine Leser nichts zu meinem ständigen Sichtwechsel bemängelt. Im Gegenteil. Einige von ihnen loben es sogar, dass man die Gedanken von beiden erfährt.
Dabei habe ich die Sichtwechsel nicht einmal besonders herausgehoben. Ich schreibe im Fließtext und wenn die Perspektive wechselt, dann beginne ich einfach eine neue Zeile. Ich weiß noch nicht, ob ich es dabei belasse, aber bisher gabs noch keine Beschwerden deswegen.
Phantasie ist keine Ausflucht. Sondern eine andere Perspektive des Lebens.
Beiträge: 2439
Rang: Schriftsteller
•  
Beitrag #7, verfasst am 20.11.2011 - 17:16
Haine-chan schrieb:
In meiner Geschichte schreibe ich auch aus der Sicht von zwei Protagonisten. Dabei wechlse ich die Sichtweise mehrmals innerhalb eines Kapitels, da sich ja beide Protas zu einer Sache etwas denken. (Zur Info: Ich schreibe alles in der Form der dritten Person) Meine Sorge war natürlich auch, dass es nicht gut bei den Lesern ankommt, aber bisher haben meine Leser nichts zu meinem ständigen Sichtwechsel bemängelt. Im Gegenteil. Einige von ihnen loben es sogar, dass man die Gedanken von beiden erfährt.
Dabei habe ich die Sichtwechsel nicht einmal besonders herausgehoben. Ich schreibe im Fließtext und wenn die Perspektive wechselt, dann beginne ich einfach eine neue Zeile. Ich weiß noch nicht, ob ich es dabei belasse, aber bisher gabs noch keine Beschwerden deswegen.


Ich Machs genauso. Immerhin haben beide Charaktere Gedanken zu einer Sache und manchmal sind die total unterschiedlich. Ich finde nicht, dass man das unterschlagen sollte.
"Die Welt ist eine Bühne, und die Menschen spielen ihre Rollen, ohne es zu merken. Jack Williams kennt ihre Drehbücher, bevor sie selbst wissen, dass sie nichts als Schauspieler sind." - Der Büchersammler
Beiträge: 450
Rang: Annoncenschreiber
•  
Beitrag #8, verfasst am 20.11.2011 - 17:23
- Lia - schrieb:
Wie bestimmst du eigentlich, wann ein Sichtwechsel angebracht ist? Ich mache das nach Gefühl, irgendwie fühlt es sich halt "richtig" an und dann hab ich den Wechsel.


Gut, wenn das ja so klappt, dann ist die Variante bestimmt tatsächlich eine gute Lösung. :)

Also, ich habe öfters versucht, in jedem Kapitel zu wechseln, insbesondere in FFs, bei denen ich drei Sichtpunkte habe, was ja schon relativ viele sind. Allerdings variiert dann immer die Länge des Kapitels stark, da natürlich nicht immer jedem Protagonisten gleich viel widerfährt, und das hat mich persönlich sehr gestört. Auch war es dann häufig ein wenig kompliziert, Lücken zu füllen, die dadurch entstehen, dass einer der Hauptcharakter gerade nicht viel zu tun hat - da ist natürlich die Gefahr groß, dass man Widersprüche in den Plot einbaut oder irgendwelche vollkommen überflüssigen Ereignisse mit einbaut.

Deshalb habe ich für mich entschieden, dass es das beste ist, auf die Situation zu achten. Ich wechsle meistens die Sicht, wenn sich eine gemeinsame Situation zweier Charaktere ihrem Ende zuneigt, sodass man im nächsten Kapitel erfährt, was einer der Charaktere danach tut, und im übernächsten wieder der andere entweder eine folgende gemeinsame Lage beschreibt und sein zwischenzeitliches Tun dabei aufgreift, oder auch die Zeit dazwischen beschreibt, wobei letzteres ziemlich langweilig sein kann, da man ja zwei Kapitel lesen muss, um ein und dieselbe Zeitspanne erklärt zu bekommen. Damit fühlt sich nicht jeder wohl, aber ich komme mit beiden Varianten gut klar. :) Das ist mir jedenfalls lieber, als wenn ich ein 300-Wörter-Kapitel ohne Sinn hab' und darauf dann ein 10000-Wörter-Kapitel mit viel zu viel Information folgt. :)


Haine-chan schrieb:
Ich schreibe im Fließtext und wenn die Perspektive wechselt, dann beginne ich einfach eine neue Zeile. Ich weiß noch nicht, ob ich es dabei belasse, aber bisher gabs noch keine Beschwerden deswegen.


Diese Variante habe ich auch schon ausprobiert, das finde ich auch angenehm zu schreiben. :) Als Leserin hätte ich je nach Länge der Abschnitte vielleicht zu bemängeln, dass ich entweder irritiert über die Sicht/den Fokus bin, oder dass mir zu oft gewechselt wird, was den Lesefluss natürlich stört. Wenn man aber ein gutes Gefühl dafür hat, wie lang die Abschnitte sein müssen, damit es angenehm zu lesen (und zu schreiben) ist, finde ich diese Art von Sichtwechseln ziemlich gut, bzw. kann ich definitiv damit leben. :D
"Vielleicht gibt es nur wenige Menschen, die ihre Umgebung schön genug finden, um sie richtig anzusehen." (Rose Tremain in "Wie ich sie fand")
Nonexistent
Anonymer Benutzer
•  
Beitrag #9, verfasst am 20.11.2011 - 17:25
  •  
zuletzt bearbeitet am 20.11.2011 - 17:27
Haine-chan schrieb:

Dabei habe ich die Sichtwechsel nicht einmal besonders herausgehoben. Ich schreibe im Fließtext und wenn die Perspektive wechselt, dann beginne ich einfach eine neue Zeile. Ich weiß noch nicht, ob ich es dabei belasse, aber bisher gabs noch keine Beschwerden deswegen.


Das ist beispielsweise etwas, womit ich überhaupt nicht klarkommen würde. Ich fänd's hochgradig verwirrend...

Ich bemühe mich generell, nicht allzu oft die Perspektive zu wechseln und beschränke mich meist auf ein, zwei, oder - bei komplexen, langen Geschichten, wie meinem NaNo-Projekt - drei, vier Charaktere.
Hängt sicherlich auch damit zusammen, dass ich in der Ich-Perspektive schreibe, was sich für andauernde (und eigentlich überhaupt) Sichtwechsel mMn ziemlich schlecht macht.

Am schlimmsten finde ich PoV-Wechsel innerhalb einer einzigen Szene, wenn der Autor meint, alle zwei Zeilen zwischen den Perspektiven umherspringen zu müssen und somit die Hälfte des Textes aus Wiederholungen des gerade gesagten besteht. Nicht nur, dass dies verwirrend ist, es nimmt imo auch jegliche Spannung, gerade bei Romanzen, wo man abseits der Beziehung der beiden Charaktere oft wenig andere Handlungsstränge hat.
Beiträge: 450
Rang: Annoncenschreiber
•  
Beitrag #10, verfasst am 20.11.2011 - 17:27
Yephire schrieb:
Am schlimmsten finde ich PoV-Wechsel innerhalb einer Szene, wenn der Autor meint, alle zwei Zeilen zwischen den Perspektiven umherspringen zu müssen und somit die Hälfte des Textes aus Wiederholungen des gerade gesagten besteht. Nicht nur, dass dies verwirrend ist, es nimmt imo auch jegliche Spannung, gerade bei Romanzen, wo man abseits der Beziehung der beiden Charaktere oft wenig andere Handlungsstränge hat.


Das ist genau das, wovor ich bei Sichtwechseln immer Angst habe, auch wenn ich während einzelner Szenen selten bis nie Wechsel einbaue, meistens kapitelweise oder alle 5 Kapitel oder so. Ich befürchte immer, es könnte entweder zu viel verraten, oder langweilig werden, oder beides.
"Vielleicht gibt es nur wenige Menschen, die ihre Umgebung schön genug finden, um sie richtig anzusehen." (Rose Tremain in "Wie ich sie fand")
- Lia -
Anonymer Benutzer
•  
Beitrag #11, verfasst am 20.11.2011 - 17:33
  •  
zuletzt bearbeitet am 20.11.2011 - 17:33
Yephire schrieb:
Haine-chan schrieb:

Dabei habe ich die Sichtwechsel nicht einmal besonders herausgehoben. Ich schreibe im Fließtext und wenn die Perspektive wechselt, dann beginne ich einfach eine neue Zeile. Ich weiß noch nicht, ob ich es dabei belasse, aber bisher gabs noch keine Beschwerden deswegen.


Das ist beispielsweise etwas, womit ich überhaupt nicht klarkommen würde. Ich fänd's hochgradig verwirrend...

Ich bemühe mich generell, nicht allzu oft die Perspektive zu wechseln und beschränke mich meist auf ein, zwei, oder - bei komplexen, langen Geschichten, wie meinem NaNo-Projekt - drei, vier Charaktere.
Hängt sicherlich auch damit zusammen, dass ich in der Ich-Perspektive schreibe, was sich für andauernde (und eigentlich überhaupt) Sichtwechsel mMn ziemlich schlecht macht.

Am schlimmsten finde ich PoV-Wechsel innerhalb einer einzigen Szene, wenn der Autor meint, alle zwei Zeilen zwischen den Perspektiven umherspringen zu müssen und somit die Hälfte des Textes aus Wiederholungen des gerade gesagten besteht. Nicht nur, dass dies verwirrend ist, es nimmt imo auch jegliche Spannung, gerade bei Romanzen, wo man abseits der Beziehung der beiden Charaktere oft wenig andere Handlungsstränge hat.


Gut, in einer Szene ist das echt lästig. Aber mit einem Szenenwechsel such einen Sichtwechsel einzubauen finde ich persönlich ok. So mache ich das jedenfalls immer, deshalb kann es bei mir auch nicht vorkommen dass in einer Szene zwischen Ich und Er gewechselt wird. Das wäre hochgradig verwirrend und lästig ;)
Übrigens, bei Szenenwechseln lasse ich immer eine Zeile frei, das trennt die Absätze auch klarer. Und bei "kleineren" Wechseln ohne Perspektivwechsel fane ich eine neue Zeile an ohne eine Zeile freizulassen
Beiträge: 206
Rang: Zeitungskonsument
•  
Beitrag #12, verfasst am 20.11.2011 - 20:30
@antiheldin: Ich finde Sichtwechsel auf gar keinen Fall langweilig! Im Gegenteil. Wenn der leser schon ahnt, was wahrscheinlich gleich kommen muss, weil er es aus einem früheren kapitel aus der Sicht einer anderen Person schon angedeutet bekommen hat, macht es das Ganze sogar spannender. Finde ich jedenfalls. Man fiebert regelrecht drauf hin.
Ich wechsel auch gern die Perspektiven in meinen Geschichten. und finde das ein klasse Stilmittel.
"Das Problem ist nicht, genug Ideen zu haben, sondern lange genug zu leben und schnell genug zu schreiben." - Andreas Eschbach.
Beiträge: 49
Rang: Bildzeitungsleser
•  
Beitrag #13, verfasst am 20.11.2011 - 21:58
Also was Sachen Sichtwechsel angeht hat's mir Tom Harris (Hannibal Lecter-Reihe) sehr angetan.
Ich probier wie er bei besonders Actionreichen-Szenen zwischen den handelnden fließend hin und her zu springen. Ich weiß bis jetzt noch nicht wie das andere empfinden da ich noch am Üben bin und noch nichts in der Art geschrieben hab.
Ich find die Methode wie auch das Ergebnis sehr cool ^^

Aufbau: 1 Person-Neutral-2 Person-Neutral-1 Person etc.
An Artist only needs a few minutes to move a mountain with a few sheet's of paper...
Beiträge: 3751
Rang: Literaturgott
Schreibwerkstättler
Schreibwerkstatt-Autor
•  
Beitrag #14, verfasst am 21.11.2011 - 00:32
Ich verwende häufig Sichtwechsel. Oft funktionieren meine Protagonisten als ein Team und haben verschiedene Aufgaben zu erledigen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Dazu kommt dann noch, dass die Perspektivenfiguren alle eine individuelle Entwicklung durchmachen und die natürlich direkt gezeigt wird.
Logisch, dass es dann zu Perspektivenwechseln kommt.
Ich wechsle jedoch niemals innerhalb einer Szene die Perspektive, sondern suche mir für jede Szene eine Perspektive aus, aus deren Sicht ich sie schildere. Außerdem versuche ich, die Szenen nach Möglichkeit nicht zu kurz zu gestalten und auch nicht zu viele Perspektivenfiguren zu benutzen.
Hat keinen Genierer.
Beiträge: 450
Rang: Annoncenschreiber
•  
Beitrag #15, verfasst am 21.11.2011 - 01:13
Darth Pevra schrieb:
Ich wechsle jedoch niemals innerhalb einer Szene die Perspektive, sondern suche mir für jede Szene eine Perspektive aus, aus deren Sicht ich sie schildere. Außerdem versuche ich, die Szenen nach Möglichkeit nicht zu kurz zu gestalten und auch nicht zu viele Perspektivenfiguren zu benutzen.


Das ist auch eine gute Lösung, denke ich, und ich kenne die Situation, dass Sichtwechsel unvermeidlich sind. An solchen Stellen bin ich immer ein wenig im Zwiespalt darüber, ob ich meinen Leser nun damit quälen will, weil mir gewisse Teile der Story zu wichtig sind, oder ob die andere(n) Sichtweise(n) doch nicht so sehr von Relevanz ist(/sind), wie ich dachte, und ich es mir sparen kann, die Leute unnötig zu verwirren ... :'D
"Vielleicht gibt es nur wenige Menschen, die ihre Umgebung schön genug finden, um sie richtig anzusehen." (Rose Tremain in "Wie ich sie fand")
Beiträge: 464
Rang: Annoncenschreiber
•  
Beitrag #16, verfasst am 21.11.2011 - 06:31
Ich finde Sichtwechsel oft interessant, aber es hängt davon ab, wie es gemacht wird.
Wenn sich jemand für "Ich" entscheidet und dann ständig "XXX POV" drüber schreibt und dann "YYY POV", dann mag ich es gar nicht. Ich lese zwar ab und an solche Geschichten, finde das aber ganz schlechten Stil und vom Schreiber primitiv: Der entscheidet sich nämlich erst für Perspektive und will dann nicht mit den Konsequenzen leben. Und das geht gar nicht.

Wenn die Perspektive gewechselt wird, dann sollte es ohne so etwas funktionieren. Und wer unbedingt eine zweite Sicht braucht, soll halt nicht als "Ich" schreiben. Es ist gerade ausdruck der ICH-Form, dass es nun einmal keine zweite Sichht gibt. Ich bin schon mal auf eine Geschichte gestoßen, da gab es ein paar "Outtakes". Das waren Ich-Erzählungen anderer Charaktere in der Geschichte - aber nicht von der ganzen Geschichte, sondern andere Szenen und selten welche, bei denen der Original-Ich dabei war. Aber vor allem, war es deutlich weniger. Das war ok, da die Original-Geschichte ohne das auch funzte.

Es ist natürlich eine Kunst die Perspektive zu wechseln ohne das es den Lesefluss hemmt. Aber ich finde, Schreiben ist eben eine Kunst. ;)
Beiträge: 214
Rang: Zeitungskonsument
Schreibwerkstättler
•  
Beitrag #17, verfasst am 21.11.2011 - 10:47
Ich würde dazu raten, die Perspektive nur von einem Kapitel zum anderen zu wechseln, allenfalls von einer Szene zur nächsten. Alles andere ist zu viel. Kaum hat sich der Leser mit der einen Sicht angefreundet, schwups, huscht der Autor in den Kopf eines anderen Protas? Das machen die wenigsten Leser auf Dauer mit.  Es ist auch gar nicht notwendig. Die Leser müssen nicht alles wissen. Sie wollen eine Geschichte mit einem Protagonisten oder einer Protagonistin erleben. Nur mal als Beispiel:

'Sara ging wutentbrannt zur Tür, riss sie geräuschvoll auf und drehte sich noch einmal zu Max herum. Er stand da, die Hände lässig in den Hosentaschen und grinste. Sie hatte ihn gerade mit einer anderen im Bett erwischt, aber er schien daran gar keinen Anstoß zu nehmen.'

Und:

''Sara ging wutentbrannt zur Tür, riss sie geräuschvoll auf und drehte sich noch einmal zu Max herum. Er stand da, die Hände lässig in den Hosentaschen und grinste. Sie hatte ihn gerade mit einer anderen im Bett erwischt.
Max nahm daran keinen Anstoß.'

Der Unterschied zwischen den beiden Textstellen ist nicht so gravierend für den Leser. Das erste Beispiel ist jedoch perspektiventreu geschrieben, im zweiten wechselt die Sicht von Sara zu Max.

Möchte der Schreiber dem Leser Max' Gefühlswelt unbedingt näher bringen, wäre folgende Lösung am besten:

'Sara ging wutentbrannt zur Tür, riss sie geräuschvoll auf und drehte sich noch einmal zu Max herum. Er stand da, die Hände lässig in den Hosentaschen und grinste. Sie hatte ihn gerade mit einer anderen im Bett erwischt, aber er schien daran gar keinen Anstoß zu nehmen. Kopfschüttelnd wandte sie sich ab und verließ die Wohnung.'

Max sah noch eine Weile auf die Tür, hörte Saras Schritte im Treppenflur und fuhr sich seufzend mit der Hand durch die Haare. So einen Aufriss hätte sie auch nicht veranstalten müssen ... und so weiter und so fort.'

Hier muss nun jeder Autor selbst überlegen, was der Leser zwingend wissen muss und was nicht. Durch Max' Haltung und seinen Reaktionen kann man schon deutlich genug machen, wie er zu der Situation steht, das kann der Leser durch Sarah erkennen und sehen.

Bei zwei (oder mehr) tragenden Protagonisten ist es natürlich nicht zu umgehen, dass die Sicht wechselt. Aber hier reicht in der Regel, es kapitelweise zu tun.
Bewahre dir deine Träume. Wenn du sie verlierst, wirst du weiter existieren, aber aufhören zu leben.


http://buchreif.forumprofi.de/
Kein Forum für Anfänger, aber für alle, die sich ernsthaft mit dem Schreiben befassen.
Beiträge: 1468
Rang: Sensationsreporter
•  
Beitrag #18, verfasst am 12.03.2012 - 15:31
So, ich muss mal diesen Thread hier rauskramen...
Es gibt ja elend viele Threads zum Thema Perspektive...

Ich bräuchte Hilfe bei meinem aktuellen Projekt. Und zwar habe ich folgendes Problem: Die Handlung steht im großen und ganzen (also, quasi die Eckpunkte) und rankt sich mehr oder weniger um meine Protagonistin, soll heißen, sie steht nicht immer im Zentrum der Handlung, ist aber meistens anwesend, wenn was wichtiges passiert.
Jetzt gibt es zwei oder drei Stellen, die für die Handlung wichtig sind, an denen sie aber nicht anwesend ist. Das heißt, um sie zu schreiben, bräuchte ich einen Perspektivwechsel, da ich mich für einen personalen Erzähler in der dritten Person aus der Sicht der Protagonistin entschieden habe.
An sich hab ich mit ein paar Sichtwechseln kein Problem. Allerdings bräuchte ich die ja nur für so wenig Stellen und es kommt mir total ungeschickt vor, nur dafür die Perspektive zu wechseln.
Meint ihr, das sei störend oder ist das nur mein Eindruck als Autor?
Wäre es besser, die Handlung nicht zu schreiben und sie irgendwie durch Erzählungen einfließen zu lassen, wobei aber Spannung verloren ginge? (Es ist einfach nicht so spannend über lebensgefährliche Situationen zu schreiben, wenn die Person, die sie erlebt hat, quicklebendig vor einem steht)
Oder soll ich auf Teufel komm raus zwei oder drei Perspektiven öfter wechseln lassen (auch wenn der Augenmerkt noch auf der Protangonistin liegt), was von der Handlung her möglich aber nicht so geplant war?

Ich bedanke mich im Voraus schon mal für Antworten, Anregungen und Ideen :)
“You’ve got one life; live it. Follow your dreams, quit your job, drop out of school, tell your boyfriend that he’s lousy, and walk out the door. This is your time. This is your life." - Jared Leto
Beiträge: 2234
Rang: Redaktionsleiter
Schreibwerkstättler
Schreibwerkstatt-Autor
•  
Beitrag #19, verfasst am 12.03.2012 - 16:00
  •  
zuletzt bearbeitet am 12.03.2012 - 16:02
Ylvi, mich persönlich würden vereinzelte Sichtwechsel nicht stören. Es klingt zwar erst mal seltsam - durchgehend eine Perspektive und dann zwischendurch doch eine andere -, und ich verstehe auch deine Angst, dass das unbeholfen wirken könnte.

Allerdings hab ich letztes Jahr ein Buch gelesen, in dem mich ganz genau das überzeugt hat; "Der Märchenerzähler" von Antonia Michaelis. Da gibt es auch immer wieder kurze Szenen aus anderen Perspektiven, obwohl eine feste Protagonistin immer im Zentrum der Handlung steht.

Selbst baue ich auch gerne Zwischenkapitel in meine Geschichten ein, die eine andere Sichtweise ermöglichen als durch die Augen der Protagonisten. Da hat das Ganze dann zwar eine Regelmäßigkeit (meist in jedem fünften bis sechsten Kapitel), aber unbedingt nötig wäre das nicht; es ergibt sich bei mir meist zufällig, dass in regelmäßigen Abständen solche Kapitel anfallen.

Ich würde es an deiner Stelle einfach mal versuchen - wenn es ohnehin nur wenige Szenen sind, hält sich der Überarbeitungsaufwand ja in Grenzen, wenn du zum Schluss doch nicht so zufrieden mit den Sichtwechseln bist.
Das Leben ist endlich. Sterben ist erblich.
Beiträge: 1468
Rang: Sensationsreporter
•  
Beitrag #20, verfasst am 12.03.2012 - 16:17
Danke für deine Antwort, Mimikry :)

Ich denke, ich werds dann einfach mal versuchen und wenns gar nicht passt, leidet eben die Spannung etwas darunter. Es kommt mir einfach so komisch vor, wobei es Leser womöglich nicht mal stören würde... :D
“You’ve got one life; live it. Follow your dreams, quit your job, drop out of school, tell your boyfriend that he’s lousy, and walk out the door. This is your time. This is your life." - Jared Leto
Beiträge: 2095
Rang: Lektor
Schreibwerkstättler
•  
Beitrag #21, verfasst am 13.03.2012 - 12:48
Ich spiele öfters mal mit Perspektiven und switsche dann Charakterabhängig von Ich-Perspektive zur 3. Person.

Sehr interessant ist auch der Wechsel der Erzählzeit von Präteritum zu Präsenz. Ich habe das im Buch zu "Die Rache der Sith" gelesen und es war wirklich ein sehr interessantes Stilmittel. Die wichtigsten Szenen wurden teilweise im Präsenz geschrieben was eine Intensitätssteigerung zur Folge hatte - jedenfalls hat es mich auf so gewirkt. Anfangs war es ungewohnt, aber es war wirklich ein schönes Stilmittel, weil es dadurch intensiver und unmittelbarer wurde.
Was FSK Aussagen bedeuten:

FSK 12 bedeutet: Der Gute bekommt das Mädchen.
FSK 16 bedeutet: Der Böse bekommt das Mädchen.
FSK 18 bedeutet: Jeder bekommt das Mädchen.
Beiträge: 1586
Rang: Blogger
•  
Beitrag #22, verfasst am 14.03.2012 - 18:15
Sichtwechsel kommen bei mir auch hin- und wieder vor. Und in meiner jetzigen Geschichte sogar ziemlich oft und auch mal mitten im Kapitel, allerdings achte ich schon darauf, meine Leser nicht zu verwirren und nicht mitten in einer Szene zu wechseln.

Ich arbeite wahnsinnig gerne mit unterschiedlichen Perspektiven. Abgesehen davon, dass man dadurch auch Sachen schildern kann, die der/die Protagonist/in nicht mitbekommt, ist es auch bezüglich Charakterisierung sehr interessant für mich.

Ich beschreibe Charaktere gerne durch die Augen von anderen Leuten. Person A sieht sich so und so, aber Person B sieht Person A ganz anders, und bekommt auch Sachen mit, die Person A macht und vielleicht gar nicht bewusst wahrnimmt (zum Beispiel Stirn runzeln u.ä.)  Finde ich immer sehr spannend, weil so etwas sowohl die Persönlichkeit einer Figur beschreibt wie auch die Beziehung zwischen Person A und Person B.
Wenn Person B Person A hasst wird sie diese ganz anders wahrnehmen als wenn sie sie liebt.

Mit unterschiedlichen Perspektiven kann man wirklich gut arbeiten und hat verdammt viele Möglichkeiten. ;)
"Have you ever heard the saying 'let sleeping abominations lie'? Now would be the time to consider it." ~ Zevran (Dragon Age:Origins)
Beiträge: 102
Rang: Bravoleser
•  
Beitrag #23, verfasst am 18.03.2012 - 00:37
Meist komme ich mir total unbeholfen vor, wenn ich plötzlich einen Sichtwechsel einführe.
Ich kann das irgendwie nicht, aus welchem Grund auch immer xD
"Vielleicht ist der Hass die einzige Liebe die mir gebührt..."
Beiträge: 62
Rang: Bildzeitungsleser
•  
Beitrag #24, verfasst am 18.03.2012 - 07:41
Ich oute mich mal hier als fast ausschließlicher Leser von Fanfictions. Ich habe wenige geschrieben und noch weniger veröffentlicht.

Perspektive ist für mich aber eine große Sache und für mich enorm wichtig, damit ich mich beim Lesen in eine Geschichte einfühlen kann.

Meine persönliche Lieblingsperspektive ist ein personaler Erzähler, also Er-Form und alles, was der Leser mitbekommt ist das, was auch die Figur weiß. Das tolle daran ist, dass ich als Leser dadurch voll in der Figur drin bin und mich ganz auf sie einlassen kann. Gleichzeitig stehe ich doch ein Stück über der Geschichte und dem Charakter, indem ich zum  Beispiel die Möglichkeit habe, einzelne Passagen noch einmal zu lesen.

Da mein Erzähler eine Figur mit einer eigenen Persönlichkeit ist, kann es dazu führen, dass ich als Leser Dinge bemerke oder das Verhalten anderer Figuren anders interpretiere als mein Erzähler. Ich kann dadurch eventuell weitblickender sein und mir die Haare raufen, weil "der Depp" immer noch nichts bemerkt!!!!

Am liebsten habe ich diese Erzählperspektive durchgehalten durch die ganze Geschichte.
Einige gute Beispiele dafür sind für mich:
"Captive Prince" von freece (und da gibt es so einiges, was der Hauptcharakter nicht durchschaut, wir Leser aber schon - großartig sowas)
"Invictus" von bootstrapbetti (und das, obwohl sie im Präsens geschrieben ist, was ich eigentlich nicht so mag)

Geschrieben von StrawberryCupcake (sorry, ich weiß nicht, wie man zitiert):
"Sichtwechsel kommen bei mir auch hin- und wieder vor. Und in meiner jetzigen Geschichte sogar ziemlich oft und auch mal mitten im Kapitel, allerdings achte ich schon darauf, meine Leser nicht zu verwirren und nicht mitten in einer Szene zu wechseln."

Ich kenne deine Geschichte nicht, aber ich möchte eine Sache zu bedenken geben. Sichtwechsel an sich finde ich gar nicht sonderlich schlimm. Für mich als Leser ist jedoch nicht nur wichtig, dass ich eindeutig erkennen kann, aus welcher Sicht gerade erzählt wird, also dass ich nicht verwirrt bin, sondern auch, dass die einzelnen Passagen, in denen die Perspektive nicht wechselt, lang genug sind. Wenn die Abschnitte zu kurz sind, kann ich mich innerlich nicht genug auf eine Person einlassen, sondern werde zu schnell wieder herausgerissen. Das erschwert mir die Identifikation und damit bin ich dann auch emotional nicht so dabei.

Zumindest geht es mir so.

Alles Liebe,
Wizz
Beiträge: 102
Rang: Bravoleser
•  
Beitrag #25, verfasst am 18.03.2012 - 14:10
Wizzard, dein Beitrag ist wirklich super, meiner Meinung nach.
Von einem Leser so etwas zu hören, ist wirklich nützlich für mich.
Bin ja selber Autor von zig Fanfictions, wobei ich einige veröffentlicht habe und andere wiederum nicht xD
"Vielleicht ist der Hass die einzige Liebe die mir gebührt..."
 
> Nutzungsbedingungen <   > Datenschutz <   > Impressum <          v3.5-6987