Rune schrieb:
Entweder detailiert von Anfang bis Ende, oder wage von Anfang bis Ende.
Da stimme ich dir prinzipiell zu. Allerdings: Natürlich kann man als Autor den Grad der Detailliertheit auch innerhalb einer Geschichte variieren, also mal genauer, mal vager beschreiben. Aber das muss dann natürlich bewusst geplant sein und darf nicht wie ein Versehen oder Schlamperei wirken.
Rune schrieb:
Ist auch machbar (wenn ich trotzdem immer noch im Kopf hätte, bäh, die habe sich seit Tagen nicht gewaschen. )
Da kann ich mir doch nicht versagen, dir hier eine kurze Stelle aus einem eher anspruchsvollen historischen Roman aus dem Jahre 1990 zu zitieren:
Dieter Kuehn schrieb:
Während sie die Polonaise wiederholen [vierhändig am Klavier, Anm. v. Ombra l.]: leichter Schweißgeruch aus ihrer Achselhöhle - den saugt er ein, verstohlen. Sein Arm rechts, ihr Arm links berühren sich schon mal. Nach dem Schlußakkord würde er diese Frau am liebsten auf den Hals küssen, zwischen Schulter und Ohr, aber Beethoven würde eifersüchtig reagieren, käme er in diesem Moment herein. So hebt er ihre linke Hand von den Tasten, küßt sie. Congratulations ...
Dieter Kühn, Beethoven und der schwarze Geiger, S. 222Die Szene spielt in Afrika, Anfang des 19. Jahrhunderts, "sie" ist eine vornehme Dame, "er" ein europäisierter Mulatte, ursprünglich aus einfachen Verhältnissen, als Geiger aber bis in Adelskreise vorgedrungen. Das Haus, in dem sie sich befinden, gehört auch zur gehobenen Gesellschaft, es wird durchaus gebadet, dies wird im Roman auch angesprochen, aber in Afrika ist es nun mal heiß, da schwitzt man dauernd, und Deos gab es damals noch nicht ...
Ich bin beim ersten Lesen auch ein wenig über diese Stelle gestolpert, finde sie aber bei näherem Nachdenken so in Ordnung. Man muss nur über seinen eingebildeten Schatten springen. Dass Schweißgeruch sexuell stimulierend wirkt, ist wissenschaftlich nachgewiesen; es ist allerdings eine sehr individuelle Angelegenheit. Erstens kommt es auf die Geschlechtszugehörigkeit an, d. h. auf heterosexuelle Männer wirkt nur weiblicher Schweiß anregend, auf heterosexuelle Frauen dagegen männlicher, wobei auch noch der Zeitpunkt des weiblichen Zyklus eine Rolle spielt. Außerdem funktioniert es nicht bei jeder Person, sondern eben nur bei denen, die man individuell "riechen" kann. Wir sind da alle ziemlich abgestumpft, weil wir ja dauernd versuchen, jede Art von Körpergeruch strikt zu vermeiden. Daher sind wir daran nicht gewöhnt und nehmen ihn generell erstmal als unangenehm wahr. Es kann in Ausnahmefällen aber schon mal passieren, dass man bei einer Person merkt, dass es eigentlich nicht unangenehm ist ... Ich gebe aber zu, die Regel ist das nicht.
Literarisch gesehen finde ich so einen Text aber viel aussagekräftiger, als sich generell darüber auszulassen, entweder wie toll der andere riecht, oder wie sehr die Leute mangels Waschgelegenheit stinken. Das sind beides im Grunde zeitbedingte Allgemeinplätze, völlig austauschbar, die nichts über ein bestimmtes Paar in einer bestimmten Geschichte aussagen.