Lucie Sakurazukamori schrieb:
Worauf will man denn mit Stuhlgang auch literarisch hinaus?
Karl May thematisiert ihn - Winnetou Teil 1 weist er darauf hin, dass Old Shatterhand nach seiner langen Verletzung beim Kampf mit den Apachen lange gelegen hat und nich kräftig genug war, um sich um seine Hygiene zu kümmern. Er nimmt das Wort "Stuhlgang" zwar nicht in den Mund, aber jeder weiß, was gemeint ist.
Umberto Eco lässt in "Der Name der Rose" William von Baskerville seinen Schüler Adso auf selbige Örtlichkeit hinweisen.
Stuhlgang wird durchaus thematisiert, wenn er storyrelevant ist. Machen sogar Schiller, Shakespeare etc.
Recht muss ich geben, es gibt definitiv eine Grenze, die man nicht überschreiten sollte. Allzu ausführlich sind zu viele Infos.
Lucie Sakurazukamori schrieb:
Und Dialoge sind ein unglückliches Beispiel. Wenn es keine detailliert beschriebenen Dialoge geben, dann könnte man alle alten Theaterstücke heute vergessen.
Stimmt, gebe ich dir voll und ganz recht. Auch die Opern wären dann gegessen, doch sind das Genres, die eben vom Dialog und Monolog leben.
Wenn man in den Bereich der Prosa geht, dann Nonsens-Dialoge bitte nur, wenn es die Geschichte erfordert.
* Wenn Verlegenheit ausgedrückt werden soll.
* Wenn geistige Unterlegenheit thematisiert wird.
* Wenn Zeit überbrückt werden muss.
usw.
Es gibt immer Situationen, in die sich ein Autor hineinmanövrieren kann und auch will, in denen sowohl das eine als auch das andere Gegenstand werden.
Was Sexszenen nun angeht: Wenn Sex storyrelevant ist, warum denn nicht? Auch hier gilt, wenn es die Storyline erfordert, sollte der Autor ihr folgen. Natürlich gibt es von den Geschichten, in denen Sex als Untermalung und als Resultat dasteht, 95% wo es nicht relevant ist, dass es beschrieben wird. So reicht ein Abbruch davor aus, ein geschicktes Ausblenden und und und ... oder ein Gedankenspiel bzw. abschließendes Resümieren über die Gefühle oder oder oder ... man muss in 95% der Fälle nicht lesen, was alles konkret in der Nacht geschehen ist.
Zu viel bzw. zu ausführlich kann schlecht für die Qualität sein. Die Fantasie wird doch eher - in solchen Fällen - durch das angeregt, was nur angedeutet wird.
HINWEIS ZUM MITTELALTER
Also diese Welle des Nichtwaschens und strengen Duftens kam wirklich erst im 14. Jahrhundert richtig auf. Die Menschen wurden da mit der Pest konfrontiert und waren - geschürt durch Kirche und die medizinischen Ansichten der Zeit - der festen Überzeugung, dass die Krankheit im Wasser steckt. Einfach mal in der eigenen Stadt nach Straßennamen wie: Badstüberstraße oder Badenstraße suchen. Die meisten haben ihren Namen noch aus dem Mittelalter, weil sich in diesen Straßen Badestuben befanden und Bader ihren Standort hatten. Mit Auftauchen der Pest wurden diese Badestuben jedoch verpönt und geschlossen, weil sie als Teufelswerk und Ort der Herumhurerei angesehen wurden. Dass arme Menschen sich den Besuch einer Badestube nicht leisten konnten, ist klar, was nicht heißt, dass sie sich nicht gewaschen haben.
Also bitte diese Pauschalisierungen, dass der Mensch des Mittelalters stinkig und miefig war bitte lassen. Das allgemeine Bild von Mittelalter ist eher der Eindruck, den die Menschen von 14. Jahrhundert und der beginnenden Neuzeit hatten und haben. Natürlich auch mit durch die Menschen der Aufklärung forciert, die das Mittelalter als die "Dunkle Zeit" bzw. das "Dunkle Zeitalter" ansahen.