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Beitrag #1, verfasst am 10.02.2012 - 15:02
Wer kennt es nicht? Entweder spuken neue, oft unerwünschte Protas am Rande des Bewusstseins herum, geben sich aber nicht wirklich zu erkennen und verhalten sich scheu, wann immer man sie "festnageln" will, und/oder man hat vage, unbestimmte, zusammenhanglose Sequenzen einer möglichen neuen Geschichte im Kopf, die sich aber nicht wirklich fassen lassen.

Da im Aufreg - und im WTF-Thread immer wieder Postings auftauchen, die sich mit diesem leidigen Thema beschäftigen, dachte ich, ich mache doch mal einen speziellen Thread dafür auf

Derzeit habe ich das Phänomen wieder. Blasse, unbestimmte Eingebungen bezüglich eines Plots, begleitet von Landschaftsbildern, unterlegt mit düsterer Musik von Berlioz, garniert mit einigen noch weitgehend stummen Protas, die immerhin schon mal so gütig waren, mir ihre Namen zu verraten, auch wenn sie sonst störrisch schweigen. Wenigstens der Mörder hat sich mir gegenüber bereits geoutet und versucht mir zu verklickern, warum er das alles veranstaltet. Mit wenig Erfolg, denn ich verstehe bisher nur Bahnhof Es ist wie eine extrem schlechte Telefonleitung. Man bekommt vielleicht 30% mit und muss sich den Rest zusammenreimen.

Und das alles passiert sowieso dann, wenn man eigentlich keine Zeit hat, noch was Neues anzufangen. (Werde ich auch nicht tun. So.)

Wer hat ähnliche Erlebnisse vorzuweisen?
Alles, was du über mich gehört hast, stimmt: Arrogant, stinkfaul, kleinkariert, von Geburt an schon borniert, fies, hundsgemein, dekadent, ordinär, banal, ohne jegliche Moral...
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Beitrag #2, verfasst am 10.02.2012 - 15:40
Mich besuchen fertige Plots leider nicht von sich aus. Ich sehe höchstens eine flüchtige Inspiration, die ich jagen und erlegen muss, um sie zu einem Plot zu verarbeiten.

Im Moment habe ich gerade die frische Fährte einer Plotverbesserung für eine meiner existierenden Geschichten gesichtet. Aber immer wenn ich denke, ich hätte sie, entwischt sie mir wieder.
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Beitrag #3, verfasst am 10.02.2012 - 15:48
Sionon Klingensang schrieb:
Mich besuchen fertige Plots leider nicht von sich aus. Ich sehe höchstens eine flüchtige Inspiration, die ich jagen und erlegen muss, um sie zu einem Plot zu verarbeiten.
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Mich ja leider auch nicht. Es sind ungeordnete, halbgare Fetzen eines (möglichen) Plots, die ich erwischen, zusammennähen und die Löcher mit passendem Stoff stopfen muss. Ärgerlich ist vor allem, dass es überhaupt nichts bringt, mich hinzusetzen und zu versuchen, die Personen und die bisherigen Bruchstücke zu notieren, um vielleicht einen roten Faden zu erkennen oder zu entwickeln. Sobald ich mich nämlich bewusst drauf konzentriere, ist alles wie zugenagelt...
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Beitrag #4, verfasst am 10.02.2012 - 17:48
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zuletzt bearbeitet am 10.02.2012 - 17:54
Immer. Meine Geschichten benötigen vorneweg 2 Jahre, bis sie sich soweit hinauskristallisiert haben, dass ich sie aufschreiben kann. Es kommt immer mehr hinzu. Mal ein Charakter, mal eine weitere Idee für den Plot, eine Szene oder ein Dialog.
Charaktere entwickeln sich ohnehin gerne mal beim Schreiben,  der Plot meist auch.
Geschichten, die fertig, oder fast fertig aus dem Kopf direkt in den Laptop fließen habe ich kaum, wenn, dann sind es OS.

Meine Lösung ist, dass ich mir keinen Stress mache. Ich gebe den Dingen die Zeit, die sie brauchen. Frei nach dem Motto: Gut Ding will Weile haben. Meine Geschichten brauchen Zeit, um sich mir selbst zu erzählen. Mir hat es geholfen, dass ich aufgehört habe mich selbst unter den Druck zu setzen sofort Perfektion bzw. Veröffentlichbares zu produzieren.

Mir hilft auch die Einfälle festzuhalten, auch wenn ich kein neues Projekt anfangen möchte. Aber so habe ich die Ideen fixiert und kann sie reifen lassen. Dabei denke ich nicht darüber nach, wie es denn weiter gehen könnte. Ich suche nicht nach einem roten Faden, ich schreibe auf, was ich bis jetzt habe. Nach und nach kommt immer etwas dazu und bis jetzt habe ich den roten Faden am Ende immer gefunden. Es dauert eben nur.  

Sind es aktuelle Projekte, schreibe ich gern irgendwas, setze mich da auch nicht unter Druck, dass das Geschriebene sofort veröffentlichbar  sein muss. Ich schreibe, was kommt und schalte den inneren Zensor mehr und mehr aus. Für mich eine gute Möglichkeit Schreibblockaden zu überwinden. Oder eben einen Plot zu entwickeln. Vielleicht schreibe ich drei Wochen an einer Szene und ende im totalen Chaos, aber durch das schreiben komme ich früher oder später auf den weiterführenden Einfall, der mich weiterbringt. Das ich davor drei Wochen Mist produziert habe ist der Preis, den ich gerne zahle. Wenn ich dadurch auf einen super Plot komme, war es ja nicht umsonst. ;)

Ich habe mir früher viel kaputt gemacht, indem ich von einer Idee wahnsinnig begeistert war, es mich in den Fingern gejuckt hatte, sie nutzen und zu schreiben ... und dann kam nichts. Weil bis auf diesen einen Ideenfunken eben noch nichts da war. Und dann habe ich mich geärgert, warum ich verdammichnocheins jetzt nicht jetzt gleich und sofort eine tolle Story daraus machen kann. Warum ich nicht sofort ein Dokument öffnen und sofort Kapitel für Kapitel sauber runterschreiben und gleich online stellen kann. Am Ende blieb nichts als Frustration, Schreiblockaden und das Gefühl völlig talentfrei zu sein. Und ich habe einige Ideen verworfen, weil ich mir eingeredet habe, es hätte keinen Sinn diese zu verfolgen. Jetzt habe ich für mich erkannt: Die Story kommt. Wenn ich sie kommen lasse.  

Also mein Umgang damit:
- Zeit lassen
- einfach mal der Nase nach schreiben, ohne zu bewerten
- mehr Zeit lassen
- uuuund ... noch mehr Zeit lassen ;)
After Monday and Tuesday even the calender says: W T F ...
Nimm einem Durchschnittsmenschen seine Lebenslüge, so nimmst du ihm zugleich sein Glück - Ibsen
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Beitrag #5, verfasst am 10.02.2012 - 21:17
Mich besucht auch nie ein fertiger Plot. Handlung, Charaktere, Verwicklungen, Nebengeschichten etc.pp. entstehen/entwickeln sich bei mir erst beim Schreiben.

Ich habe eine grobe, manchmal ziemlich vage Idee und aus dieser entsteht der finale Plot dann, wenn ich anfange mit Schreiben. Es nutzt bei mir auch nichts, jede Zeile im Vorraus zu planen und den Plot von A bis Z schon fertig im Kopf zu haben, denn wenn DAS tatsächlich einmal der Fall sein sollte, dann kommt 100%ig anders, wenn ich erst mal anfange mit schreiben ;)

Dasselbe mit den Charakteren. Meine OCs tauchen gerne mal aus dem Nichts auf, waren häufig nicht geplant und am Ende sind nie (fast) nicht mehr wegzudenken aus der Story. Noch schlimmer wird es da, wenn ich eine Story NUR mit OCs schreibe... >.< Ich habe die Namen, die Gesichter, eine ungefähre Ahnung ihres Wesens (zumindest auf ein oder zwei dieser Charaktere trifft das zu), aber sie widersetzen sich hartnäckig jedem Versuch, sie in die Richtung zu entwickeln, die ich gerne für sie hätte... sture, hartnäckige Biester! Und dann wollen sie, dass ich alles brav aufschreibe, was sie treiben >.<
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Beitrag #6, verfasst am 10.02.2012 - 22:26
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zuletzt bearbeitet am 10.02.2012 - 22:27
Ja, ich brauche auch eine Weile, um mir das alles zu überlegen, was Andauril schon aufgezählt hat. Bis ich mich an Raumstation Genesis herangewagt habe, mein ambitioniertestes Projekt, habe ich monatelang Ideen gesammelt. Dafür bin ich belohnt worden, indem sich das Ding wahnsinnig schnell und aufregend hat schreiben lassen. Fast zu schnell.

Es hat danach gedauert, bis ich mich endlich wieder auf andere Geschichten konzentrieren konnte.
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Beitrag #7, verfasst am 10.02.2012 - 22:37
Ich merke auch imemr merh, dass ich auch eher intuitiv schreibe. Ich habe wie auch schon Andaruil schrieb meist nur eine grobe Vorstellung von der Handlung und muss dann erstmal anfangen zu Schreiben.
Eskann gut sein, dass sich dannein eher witzgi gedachter Charakter sich auf einmal zu einem sehr nachdenklichen Entwickelt oder zum absoluten Trotzkopf.
Die Handlung schon bis ins detail zu planen erweist sich bei mir auhc imemr enorm schweirig, weil die Charaktere bich bisher immer in eine doch etwas andere Richtung gedrängt haben und ich immer wieder abstriche von einem "Masterplan" machen musste.

Aber ich muss sagen, dass ich das für mcih selbst auch enorm spannend finde. Wenn auch hin und wieder ein wenig anstrengend. Wenn ich dann wieder alle sumdenken muss.^^
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—Dame Cicely Saunders
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Beitrag #8, verfasst am 13.02.2012 - 15:55
So ähnlich geht es mir auch. Aber seit kurzem schreibe ich alles auf, was mir in den Sinn kommt. Jede Kleinigkeit wird als Notiz irgendwo hingekritzelt und dann hoffentlich wiedergefunden. (; Oder ich öffne einfach ein Worddokument mit Namen Ideen und schreibe da irgendetwas hin, was mir gerade einfällt, ob es markante Charakterzüge eines Protas sind oder doch eine grobe Idee für einen Plot, es wird alles aufgeschrieben. (;

Was mir bei meiner Charakterentwicklung auch sehr hilft ist, wenn ich Charakterfragebögen zu meinen Protas ausfülle. Um mir erst einmal ihrer Vergangenheit und ihrem Umfeld bewusst zu werden. Und wenn ich dann irgendwie doch nicht wieter komme, keine Lust mehr habe oder mir einfach die Inspiration fehlt, speicher ich es erstmal und entspanne, gehe eine Runde mit dem Hund, trinke einen Tee bevor ich mich wieder dransetze.
"Die Wahrheit liegt nicht in den tiefen Tälern, wo wir sie suchen, sie liegt auf der Höhe der Berge, wo wir sie finden."
Edgar Allan Poe - Der Doppelmord in der Rue Morgue
 
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