Autor
Beitrag
Beiträge: 6399
Rang: Literaturgott
•  
Beitrag #601, verfasst am 26.09.2011 - 22:44
  •  
zuletzt bearbeitet am 26.09.2011 - 22:52
Nachtfeuer schrieb:
Altais schrieb:
Erstens sind das nicht viele, die das pauschal ablehnen. Wie kommst du darauf? Die Mehrheit liest es. Vielleicht nicht ausschließlich, aber die Mehrheit lehnt Slash nicht kategorisch ab.


Ich berufe mich auf meine Erfahrungen, und ich kenne einen ganzen verdammten Haufen Leute, die alles lesen, bloß keinen Slash (die gibt es im echten Leben und hier auf ff.de, und auf beiden nicht zu knapp). Und "viele" sagt gar nichts, aber auch rein überhaupt nichts darüber aus, was die Mehrheit liest.
Ich will niemanden dazu zwingen, Slash zu lesen, um Himmels Willen, nachher zwingen mich Leute, Hetero zu lesen (Moment, das war Ironie). Ich finde bloß, dass man, wenn man etwas pauschal ablehnt, auch Gefahr läuft, dass einem etwas entgeht. Ein guter Text zum Beispiel. So was.


Du findest also, dass die vielen (die nicht zur Mehrheit gehören) auch alle Slash lesen sollten, damit ihnen nichts entgeht? Finde ich nicht. Wenn ich ein Plotelement nicht mag, es aber eine geringe Chance gibt, dass ich irgendwo in den Untiefen des Internets (bzw. des Buchmarkts) etwas mit dieser Zutat finde, das mich trotzdem anspricht, werde ich das wohl nie erfahren, denn ich finde nicht, dass man so viel Zeit im Leben hat, sich in seiner Freizeit mit Dingen zu beschäftigen, die einen grundsätzlich nicht interessieren. Wenn ich nicht auf Fantasy stehe, dann werde ich nicht zigtausend Geschichten durchforsten, um die eine zu finden, die mir doch gefällt. Nicht wenn ich eine Auswahl von zigtausenden Geschichten mit Plotelementen, die ich mag zur Verfügung habe. Wenn ich Spinat nicht mag, werde ich doch auch nicht jedes Gericht mit Spinat probieren, nur um irgendeines zu finden, bei dem mir dieser Spinatgeschmack nichts ausmacht.
Und wenn in deinen ironisch gemeinten Worten ein Körnchen Wahrheit steckt (was ja sein könnte, wenn man deine Favo-Liste anguckt), dann widersprichst du dir ja selber. Du liest Het-Romanzen nicht (ist nur ein Beispiel, du musst dich nicht angesprochen fühlen, wenn es auf dich doch nicht zutrifft, es gibt aber genügend Leute, auch hier auf FF.de, auf die das zutrifft), aber von den Het-Romanzen gibt es erheblich mehr als von den Slash-Romanzen, und die Auswahl an tollen, anspruchsvollen, schönen Romanzen, die dir da entgeht, ist immens. Du liest es aber nicht, weil es dich nicht interessiert. Das ist nicht "schade", das ist einfach nur Geschmackssache.
Destiny comes to those who listen and fate finds the rest.
Beiträge: 219
Rang: Zeitungskonsument
•  
Beitrag #602, verfasst am 27.09.2011 - 00:34
Es stimmt schon, es gibt wirklich Leute, die ausschließlich kein Hetero lesen, aus Gründen wie "Hetero kann ja jeder". Es ist wirklich erschreckend.

Ich traue mich durch diesen ganzen Slashhype nicht einmal mehr, einen Charakter einzubauen, der schwul ist, weils schon zum Klischee geworden ist.
Beiträge: 3064
Rang: Literaturnobelpreisträger
Schreibwerkstättler
•  
Beitrag #603, verfasst am 27.09.2011 - 00:41
  •  
zuletzt bearbeitet am 27.09.2011 - 00:50
Der schwule Charakter an sich macht ja überhaupt nichts... erst, wenn eine anfangs halb widerwillige Romanze mit viel Sex hinzukommt, ist das Klische erfüllt
Alles, was du über mich gehört hast, stimmt: Arrogant, stinkfaul, kleinkariert, von Geburt an schon borniert, fies, hundsgemein, dekadent, ordinär, banal, ohne jegliche Moral...
Beiträge: 55
Rang: Bildzeitungsleser
•  
Beitrag #604, verfasst am 27.09.2011 - 01:49
Ich habe an sich, nichts gegen Slash. Das Problem ist nur eben, dass in vielen Fandoms 80% der Geschichten Slash sind, weil es eben (ich wage es mal einfach zu behaupten) auch ein Hype ist und man angeblich da "total fett viele reviews kriegt", wenn man slash schreibt.

Diese vermeintlichen "Review-Magneten" strotzen nur von Klischees und haben den Ruf von Slashstories unwiederruflich in den Dreck gezogen. Punkt.
"Eine Stadt schießt ihre Lichter in die Nacht
Doch die Nacht ist stärker
groß ist ihre Macht."
 -Zoi
Tristesse Grotesk
Anonymer Benutzer
•  
Beitrag #605, verfasst am 27.09.2011 - 09:34
Ich finde Slash nicht nur super, ich gehe sogar so weit, dass ich nur wegen der großen Auswahl an Geschichten, die das thematisieren, überhaupt hier angemeldet bin.

Und Het lese ich auch nicht, wieso sollte ich?
Beiträge: 137
Rang: Datentypist
•  
Beitrag #606, verfasst am 27.09.2011 - 09:39
  •  
zuletzt bearbeitet am 27.09.2011 - 09:40
Nachtfeuer schrieb:
Vielleicht hat es aber auch einen Grund, weshalb viele Leute Slash peinlich finden (das gilt jetzt gerade alles besonders für Prosa, also eine Originale!).
Viele Autoren schustern totalen Blödsinn zusammen, sobald sie die Beziehung zweier Männer schildern sollen, vor allem, wenn es junge Mädchen sind (wie immer und alles mit rühmlichen Ausnahmen). Da sind dann alle süß und schnuckelig und erröten und hauchen und geben Küsschen und sind zierlich und haben mädchenhafte Kulleraugen (denn der eine Schwule muss immer etwas Mädchenhaftes an sich haben und klein und fragil und blond sein).
Kein Wunder, wenn man sich für so einen Mist schämt und nicht will, dass Leute es lesen.

Dass du es als peinlich ansiehst, wenn die Jungs wie kleine Kinder erröten, etc..., verstehe ich - zumindest, wenn es zu viel wird.
Aber wenn jemand einen feminineren Jungen schreiben will, soll er das tun, jetzt egal ob er schwul ist oder nicht.
Zum Glück gibt es ja auch in der Wirklichkeit verschiedene "Typen" von Menschen. Ich will mir nicht nehmen lassen auch mal feminine Jungs und burschikose Mädchen zu schreiben ;D
Tristesse Grotesk
Anonymer Benutzer
•  
Beitrag #607, verfasst am 27.09.2011 - 10:30
@Neko no megami-sama : Ich muss dir da Recht geben, verschiedene Typen gibt es, aber ich muss einwerfen, dass hier das Gleichgewicht leider zu Ungunsten der Wirklichkeit ausschlägt.

Es gibt nämlich weit weniger Schwule, bei denen man's merkt, als man glaubt. Die fallen einfach nur verstärkt auf. Nur habe ich leider noch nie soviele Tunten erlebt wie hier in den Geschichten.

Bevor man schwul ist, ist man ein Junge/Mann. Ob und wie man damit lebt, entscheidet sich später und es ist keine zwanghafte Entwicklung, tuntig zu sein.
Beiträge: 1692
Rang: Journalist
Schreibwerkstättler
•  
Beitrag #608, verfasst am 27.09.2011 - 10:46
  •  
zuletzt bearbeitet am 27.09.2011 - 10:58
Bryanna schrieb:
Der schwule Charakter an sich macht ja überhaupt nichts... erst, wenn eine anfangs halb widerwillige Romanze mit viel Sex hinzukommt, ist das Klische erfüllt


"halb widerwillig"? Ist das Bedingung? Na, dann ist mir jetzt ja alles klar. Das also habe ich immer falsch gemacht!

Da ist es dann ja beileibe kein Wunder, dass die "fett vielen Reviews" bisher ausblieben...meine Hauptpersonen sind einfach zu willig!

Aber im Ernst: Niemand wird je die Zeit haben, alle Geschichten dieser Welt zu lesen. Dass man irgendetwas verpassen könnte, ist also wirklich kein Argument dafür, Slash zu lesen. Oder Het zu lesen. Oder überhaupt irgendetwas, das man nicht besonders mag.

Ich lese nur selten Het, aber um ehrlich zu sein habe ich bei oberflächlichem Drüberschauen nicht den Eindruck, dass da das Niveau so viel höher ist.
Vermutlich sind ein paar Liebhaberinnen des Plots: "Sexuell erfahrener, muskulöser Kerl vergewaltigt zarte (aber widerspenstige!) Unschuld vom Lande, ihr gefällt es und nach vielen Umwegen werden sie ein Paar" zum Slash abgewandert, weil man ihnen da keinen Sexismus vorwerfen kann. Was im Het-Bereich das Niveau gehoben haben dürfte - aber von diesem leichten Ungleichgewicht abgesehen...es gibt auch im Het-Bereich Kurzbeschreibungen, die mir die Haare zu Berge stehen lassen.
Foren-Operator
Story-Operator
•  
Beitrag #609, verfasst am 27.09.2011 - 10:53
  •  
zuletzt bearbeitet am 27.09.2011 - 10:54
Sionon Klingensang schrieb:

"halb widerwillig"? Ist das Bedingung? Na, dann ist mir jetzt ja alles klar. Das also habe ich immer falsch gemacht!


Es könnte auch an den fehlenden expliziten Sexszenen liegen. Die sind für fett viele Reviews auch Voraussetzung...
Man sollte dem Anderen die Wahrheit hinhalten, dass er wie in einen offenen Mantel hineinschlüpfen kann, und sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren hauen.

Max Frisch
Beiträge: 144
Rang: Datentypist
•  
Beitrag #610, verfasst am 27.09.2011 - 11:12
  •  
zuletzt bearbeitet am 27.09.2011 - 11:18
Altais schrieb:
Du findest also, dass die vielen (die nicht zur Mehrheit gehören) auch alle Slash lesen sollten, damit ihnen nichts entgeht? Finde ich nicht. Wenn ich ein Plotelement nicht mag, es aber eine geringe Chance gibt, dass ich irgendwo in den Untiefen des Internets (bzw. des Buchmarkts) etwas mit dieser Zutat finde, das mich trotzdem anspricht, werde ich das wohl nie erfahren, denn ich finde nicht, dass man so viel Zeit im Leben hat, sich in seiner Freizeit mit Dingen zu beschäftigen, die einen grundsätzlich nicht interessieren. Wenn ich nicht auf Fantasy stehe, dann werde ich nicht zigtausend Geschichten durchforsten, um die eine zu finden, die mir doch gefällt. Nicht wenn ich eine Auswahl von zigtausenden Geschichten mit Plotelementen, die ich mag zur Verfügung habe. Wenn ich Spinat nicht mag, werde ich doch auch nicht jedes Gericht mit Spinat probieren, nur um irgendeines zu finden, bei dem mir dieser Spinatgeschmack nichts ausmacht.
Und wenn in deinen ironisch gemeinten Worten ein Körnchen Wahrheit steckt (was ja sein könnte, wenn man deine Favo-Liste anguckt), dann widersprichst du dir ja selber. Du liest Het-Romanzen nicht (ist nur ein Beispiel, du musst dich nicht angesprochen fühlen, wenn es auf dich doch nicht zutrifft, es gibt aber genügend Leute, auch hier auf FF.de, auf die das zutrifft), aber von den Het-Romanzen gibt es erheblich mehr als von den Slash-Romanzen, und die Auswahl an tollen, anspruchsvollen, schönen Romanzen, die dir da entgeht, ist immens. Du liest es aber nicht, weil es dich nicht interessiert. Das ist nicht "schade", das ist einfach nur Geschmackssache.


Kinnas, verdreht mir doch nicht die Worte im Mund. Ich habe mich keiner Silbe gesagt, dass irgendwer irgendwas tun oder lassen sollte. Ich finde es schade, weiter nichts. Ich finde es auch schade, dass viele Leute pauschal Klassiker ablehnen oder das Nobelpreiskomitee nur über die eigenen Leichen einen Krimi auszeichnen würde.
Schade, weiter nichts.
Das mit meinen Favos ist wirklich extrem lustig. Ich habe mir angewöhnt, drei Favolisten zu führen, davon allerdings nur eine öffentlich, weil dafür noch Reviews auf meiner Festplatte liegen, und aus irgendeinem Grund liegen da nun mal nur Slash-Geschichten (was mir auch gerade erst aufgefallen ist). Ich kann dir meine zwei geheimen zeigen, da lauert überall P-12 und P-16 :D. Slashfrei und so. Und meine Lesetipps schlagen mir kaum Slash vor. (Ich stelle jetzt übrigens alle meine Listen mal auf "geheim", damit so was nicht noch mal passiert, und überarbeite sie mal, bevor ich sie wieder öffentlich mache. Besser über mich urteilen könntest du übrigens anhand meiner Texte. Oder fallen dir die zu Het-lastig aus? UPS.)
Es geht hier auch nicht darum, was ich lese. Es geht darum, dass ich es generell schade finde, wenn Leute etwas rigoros ablehnen. Ich lese noch immer sehr ungern Horror, habe mir von einer Freundin aber mal ein Buch aufschwatzen lassen und es gelesen. Es beschert mir heute noch Albträume, war aber definitiv gut. Ich habe Stephen King eine Chance gegeben, obwohl auch der in meinen Augen Horror schreibt (und ich bin sensibel und zart besaitet). Großartig.
Ja, natürlich ist das Geschmackssache. Und nein, natürlich sollte man niemanden zwingen. Das Leben ist zu kurz. Aber es gibt immer angenehme Überraschungen.
JUST SAYING, ne.

Und was die femininen Jungen betrifft: nein, sorry, die Slash-Wirklichkeit ist leider eine ganz andere als die Wirklich-Wirklichkeit. Wenn hier jemand Glee guckt: ich mag Kurt tierisch gern. Obwohl er mir immer wieder auf die Nerven geht. Er ist herzallerliebst und manchmal ein echtes Mädchen, aber er ist dabei nicht "tuntig" oder "affektiert". Er geht seine Probleme vielleicht emotionaler an, als beispielsweise Finn das macht, aber er geht sie genauso entschlossen und wütend an. Er ist kein zitternder unterwürfiger Jüngling, der seinen großen, starken, dominanten Liebhaber sucht. Er ist (wenn man ihn mit Blaine oder David vergleicht) ein sich eher "weiblich" verhaltender Schwuler, obwohl ich mit solchen Ausdrücken vorsichtig wäre, aber er ist trotzdem ein ganzer Kerl.

So was lese ich gern.
Aber so was kriegt man kaum. ;)
“If writers wrote as carelessly as some people talk, then adhasdh asdglaseuyt[bn[ pasdlgkhasdfasdf.”
– Lemony Snicket
Beiträge: 1692
Rang: Journalist
Schreibwerkstättler
•  
Beitrag #611, verfasst am 27.09.2011 - 11:14
Lapislazuli67 schrieb:
Sionon Klingensang schrieb:

"halb widerwillig"? Ist das Bedingung? Na, dann ist mir jetzt ja alles klar. Das also habe ich immer falsch gemacht!


Es könnte auch an den fehlenden expliziten Sexszenen liegen. Die sind für fett viele Reviews auch Voraussetzung...


Völlig unmöglich. Ich weise stets sehr explizit darauf hin, dass meine Charaktere Sex haben.

Wenn da steht: "Und dann [...] werde ich den Rest Eures Körpers plündern…und brandschatzen."  und man die Kleidung des so über sein weiteres Schicksal Informierten danach verstreut auf dem Boden herumliegend findet, dann ist das doch eine explizite Beschreibung in bester Tradition des Weltbestsellers "Twilight", oder?
Da kann ich doch gar nichts falsch gemacht haben!

(Nur um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen: Die zitierte Passage ist tatsächlich von mir, stammt aber aus einem Beitrag zum Wettbewerb "grottigste Lovestories" - sonst bemühe ich mich stets, derartige ausgelutschte Metaphern zu vermeiden)

Da fällt mir eine Schwäche ein, die das Slash-Genre im Vergleich zum Het-Genre doch haben könnte: Wenn ehrgeizige junge Autorinnen Slash schreiben, dann recherchieren sie natürlich ordentlich. Leider fühlen sie sich dann auch versucht, diese Recherche auch zu zeigen. Und bedauerlicherweise kann das dann ähnlich abstoßend wirken, wie wenn in einem historischen Roman jedes noch so kleinste Fäktchen das der Autor recherchiert hat in der Handlung untergebracht werden muss - auch der Hygienezustand mittelalterlicher Toiletten, beispielsweise.
Beiträge: 144
Rang: Datentypist
•  
Beitrag #612, verfasst am 27.09.2011 - 11:20
Sofern sie Jungfrauen sind, recherchieren sie auch für Het. :P
“If writers wrote as carelessly as some people talk, then adhasdh asdglaseuyt[bn[ pasdlgkhasdfasdf.”
– Lemony Snicket
Beiträge: 137
Rang: Datentypist
•  
Beitrag #613, verfasst am 27.09.2011 - 11:24
  •  
zuletzt bearbeitet am 27.09.2011 - 11:26
Unearthly schrieb:
@Neko no megami-sama : Ich muss dir da Recht geben, verschiedene Typen gibt es, aber ich muss einwerfen, dass hier das Gleichgewicht leider zu Ungunsten der Wirklichkeit ausschlägt.

Es gibt nämlich weit weniger Schwule, bei denen man's merkt, als man glaubt. Die fallen einfach nur verstärkt auf. Nur habe ich leider noch nie soviele Tunten erlebt wie hier in den Geschichten.

Bevor man schwul ist, ist man ein Junge/Mann. Ob und wie man damit lebt, entscheidet sich später und es ist keine zwanghafte Entwicklung, tuntig zu sein.

Deswegen sagt ich ja: "Aber wenn jemand einen feminineren Jungen schreiben will, soll er das tun, jetzt egal ob er schwul ist oder nicht."


Außerdem ist für mich ein femininer Junge =/= Tunte.
Eine Tunte ist für mich wie eine weibliche, affektierte Tussi, mit übertriebenen Gestiken, etc ... also schon etwas Anderes. XD

Ich will mir nur keine Grenzen setzen lassen, nur weil ich im Slashbereich bin, dass ich mir denken müsste: "Mein Chara darf nicht eitel/sentimental/sensibel/sonstwas sein, weil dann alle Klischee schreien, obwohl ich ihn mir so vorgestellt habe."
Er muss sich ja trotzdem nicht wie ein zwölfjähriges Mädchen aufführen, das zum ersten Mal verliebt ist und die Beziehung muss auch nicht ins Uke-Seme-Schema abrutschen und er MUSS auch ohne Beziehung bestehen/durchs Leben kommen können lol.

Denn wenn man außerhalb des Slashbereichs einen feminineren Chara erstellt, macht das 1. entweder den Kritikern nichts aus oder 2. wird man noch dafür gelobt, dass man aus dem Klischee der gängigen Heterobeziehung (starker Mann beschützt seine Frau zB) ausbricht.

Ich meinte nur, wenn ich mir das für einen Jungen so denke, dann stell ich ihn auch so dar. ^^
Foren-Operator
Story-Operator
•  
Beitrag #614, verfasst am 27.09.2011 - 11:27
Nachtfeuer schrieb:

Wenn hier jemand Glee guckt: ich mag Kurt tierisch gern. Obwohl er mir immer wieder auf die Nerven geht. Er ist herzallerliebst und manchmal ein echtes Mädchen, aber er ist dabei nicht "tuntig" oder "affektiert". Er geht seine Probleme vielleicht emotionaler an, als beispielsweise Finn das macht, aber er geht sie genauso entschlossen und wütend an. Er ist kein zitternder unterwürfiger Jüngling, der seinen großen, starken, dominanten Liebhaber sucht. Er ist (wenn man ihn mit Blaine oder David vergleicht) ein sich eher "weiblich" verhaltender Schwuler, obwohl ich mit solchen Ausdrücken vorsichtig wäre, aber er ist trotzdem ein ganzer Kerl.


Naja, ich finde Kurt sehr wohl affektiert (wobei das in der Synchronisation schlimmer zu sein scheint als im Original). Und er nervt mich wirklich unendlich, obwohl ich ihn andererseits als Charakter mag.

Ich hasse Horror. Und Stephen King.
Klar könnte mir dadurch was entgehen, aber ich sehe nicht ein, mir Albträume zuzumuten, nur weil ein Text toll sein könnte. Es gibt genug andere tolle Texte, die kann ich gar nicht alle lesen. Deshalb stimme ich in der Sache Altais durchaus zu. Wenn einem etwas über den Weg läuft, okay. Aber gezielt danach suchen, weil man sonst was verpassen könnte? Nein.
Man sollte dem Anderen die Wahrheit hinhalten, dass er wie in einen offenen Mantel hineinschlüpfen kann, und sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren hauen.

Max Frisch
Beiträge: 1692
Rang: Journalist
Schreibwerkstättler
•  
Beitrag #615, verfasst am 27.09.2011 - 11:37
  •  
zuletzt bearbeitet am 27.09.2011 - 11:42
Nachtfeuer schrieb:
Sofern sie Jungfrauen sind, recherchieren sie auch für Het. :P


Das ist allerdings wahr...nur scheinen sich die Damen da eher berechtigt zu fühlen, unästhetische Details einfach wegzulassen, wenn sie denn nicht gerade Charlotte Roche heißen.

Bei Slash hingegen scheint die Ansicht vorzuherrschen, man müsse schon zeigen, dass man sich informiert hat. Wobei ich zugegebenermaßen auch nicht genau sagen kann, ob der mir schon etwas zu große Detailreichtum nicht auch von männlichen Autoren praktiziert wird.

Ich stimme meiner Vorrednerin mit dem unaussprechlichen japanischen Namen darin zu, dass sich die abstoßende Wirkung zu "femininer" Männer hauptsächlich aus der Affektiertheit ihres Verhaltens ergeben dürfte. Immerhin sind wir hier doch alle tolerante, aufgeschlossene Menschen die nicht an den alten Rollenmustern kleben - und wie Geschichte der Menschheit zeigt, war zB öffentliches Weinen nicht immer und überall für Männer völlig inakzeptabel.

Für mich ergibt sich der abstoßende Effekt solcher Charaktere besonders in Kombination mit einem besonders "männlichen" Charakter und dem Machtungleichgewicht, das in solchen Beziehungen dann oft herrscht.
Die Kombination zweier sehr sensibler männlicher Charaktere ist mir, ehrlich gesagt, noch nie untergekommen. Wäre vielleicht mal interessant zu lesen.
Foren-Operator
Story-Operator
•  
Beitrag #616, verfasst am 27.09.2011 - 12:52
Sionon Klingensang schrieb:

Für mich ergibt sich der abstoßende Effekt solcher Charaktere besonders in Kombination mit einem besonders "männlichen" Charakter und dem Machtungleichgewicht, das in solchen Beziehungen dann oft herrscht.


Das stimmt allerdings. Damit kann man mich dermaßen jagen...
Man sollte dem Anderen die Wahrheit hinhalten, dass er wie in einen offenen Mantel hineinschlüpfen kann, und sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren hauen.

Max Frisch
Tristesse Grotesk
Anonymer Benutzer
•  
Beitrag #617, verfasst am 27.09.2011 - 13:05
Äääääh, mit 'tuntig' setze ich keinesfalls emotional gleich! Niemals! Dann könnte ich mir ja gleich einen Rock anziehen :p Also bitte nicht falsch verstehen.

Ich meinte damit nur die Klischeeschwulen und habe es nicht genug erklärt, was daran liegen mag, dass ich wieder eine ganz ganz furchtbare FF gefunden habe, die Hogwarts mit nur diesen Leuten besetzt, die allesamt gleich handeln und reden und total tussig sind. Die FF steht nicht unter 'Humor'...

Emotional heisst ja nicht nur, dass man immer herumheult, das kann genausogut sagen, dass man leicht in die Luft geht vor Wut. ^^ Ich will jetzt eigentlich auch gar nicht in die Klischeekiste greifen, egal, um welches Geschlecht es geht, sind doch eigentlich alle Leute total unterschiedlich, unabhängig vom Geschlecht. Meine herrische Mutter steckt mich in punkto Klischeemännlichkeit leicht in die Tasche, obwohl sie schnell heult (nur ein Beispiel).

Die Slashgeschichten hier sind insofern eben nicht mit der Realität gleichzusetzen, dass ich in meinem Freundeskreis noch nie dieses unsägliche Seme/Uke-Schema erfüllt gesehen habe. Das kann man wirklich in die Tonne kloppen, zumindest meiner RL-Erfahrung nach.

Ich habe noch bei keiner meiner Handlungen oder der meiner Freunde nach männlichen oder weiblichen Eigenschaften gehandelt oder gesucht und wenn ich's jetzt so mache, muss ich sagen: Es hält sich bei Frauen und auch bei Männern schön die Waage, in beiden Richtungen.
Beiträge: 144
Rang: Datentypist
•  
Beitrag #618, verfasst am 27.09.2011 - 14:02
Lapislazuli67 schrieb:
Naja, ich finde Kurt sehr wohl affektiert (wobei das in der Synchronisation schlimmer zu sein scheint als im Original). Und er nervt mich wirklich unendlich, obwohl ich ihn andererseits als Charakter mag.


Na ja – ich nicht. Ich meine, natürlich hat er "tuntige" Züge, aber sie dominieren ihn nicht. Obwohl er sehr angreifbar ist (und das hat ja Gründe) und manchmal sehr weinerlich, kann er genauso "hart" und "männlich" agieren (als er sich David entgegenstellt, zum Beispiel). Und er nervt mich nicht (aber mich nervt andererseits nicht mal Rachel, und Kurt und Rachel haben ja doch eine Menge gemeinsam ;D). Er ist ja ein sehr vielseitiger Charakter, das macht ihn ja aus, das er alles auf einmal ist und sich nicht richtig entscheiden kann, wie er auftreten soll. Ich liebe diese Stimmungsschwankungen an ihm. Und wenn man seinen Stil als "affektiert" bezeichnen will, hm, dann kann man das sicher; vielleicht ist er auch einfach nur extrem exzentrisch. Und das finde ich total okay.

Lapislazuli67 schrieb:
Deshalb stimme ich in der Sache Altais durchaus zu. Wenn einem etwas über den Weg läuft, okay. Aber gezielt danach suchen, weil man sonst was verpassen könnte? Nein.


Oh Kinderkinder. Versteht ihr mich alle nicht oder spreche ich klingonisch?
Ich will niemanden zu irgendwas zwingen oder ihn auffordern, gezielt was zu suchen. Was ich sage, ist: "Hey, wenn es nicht dein Geschmack ist, kannst du natürlich pauschal Slash/Horror/Stephen King/Vampire ablehnen, aber es wäre schade, da entgeht dir einiges/etwas/ganz viel/einige Ausnahmen/tolle Texte/Bananen."
Und das hat nichts mit Zwang oder Überreden oder Aufzwingen zu tun. Gar nichts. Es geht doch gerade um dieses "wenn dir was über den Weg läuft, okay". Das wäre ja toll. Aber es gibt Leute, die handhaben das eben anders. Darum ging es mir.
“If writers wrote as carelessly as some people talk, then adhasdh asdglaseuyt[bn[ pasdlgkhasdfasdf.”
– Lemony Snicket
Beiträge: 84
Rang: Schreibkraft
•  
Beitrag #619, verfasst am 29.09.2011 - 06:39
Die Frage ist in meinen Augen aber immer: Wievile Schwule gibt es in der realen Welt tatsächlich? Und wieviele  (vorallem) kennt man davon?

Insofern, ich habe manchmal den Eindruck, dass es generell in manchen Geschichten nur darum geht, dass die Kerle ihre Probleme alle im Bett lösen sollten!
Tristesse Grotesk
Anonymer Benutzer
•  
Beitrag #620, verfasst am 29.09.2011 - 08:48
Loony Moon schrieb:
Die Frage ist in meinen Augen aber immer: Wievile Schwule gibt es in der realen Welt tatsächlich? Und wieviele  (vorallem) kennt man davon?

Insofern, ich habe manchmal den Eindruck, dass es generell in manchen Geschichten nur darum geht, dass die Kerle ihre Probleme alle im Bett lösen sollten!


Hey :)

Ich habe den Eindruck (durch meine Erfahrungen und meinen Freundeskreis), dass es mehr gibt, als man eigentlich annimmt. Man kann es nämlich nur den Wenigsten ansehen!

Und im Bett Probleme lösen? Genau wie bei euch Heteros fangen die Probleme da doch erst an
 
> Nutzungsbedingungen <   > Datenschutz <   > Impressum <          v3.5-6987