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Beitrag #51, verfasst am 22.05.2009 - 16:40
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zuletzt bearbeitet am 22.05.2009 - 16:51
MrsAnthony schrieb:
Rune schrieb:



Eben nicht!
Eben genau da sehe ich einen der bedeutenden Unterschiede zum Christentum. Im Christentum wird gesagt: "Glaube was in der Bibel steht, denn das ist Gottes Wort, lebe moralisch, bescheiden, demütig und gottgefällig und dann ist Er dir vielleicht gnädig und erlöst dich.






Nö, genau das steht nicht in Neuen Testament! Da steht, das Gott selbst, in seinem Sohn Jesus Christus, meine Schuld bezahlt hat! Nicht mein moralisches Leben läßt mich vor Gott bestehen, sondern einzig und allein Christi Tod und Auferstehung.

Wobei es natürlich nicht verkehrt ist, moralisch zu leben, aber das sind eher die Früchte, nicht der Samen, eines Lebens mit Gott.


Ganz ehrlich, das ist immer der Punkt, den ich nicht so ganz verstehe. Ist das nicht eigentlich dann ein Freifahrtsschein?
Man kann im Leben der schlimmste Verbrecher sein, andere schädigen bis zum geht nicht mehr, macht alles nichts.
Letztlich steht man genauso da wie jemand, der, wie beispielsweise Mutter Theresa, den Menschen immer helfen wollte und ein gutes, friedliches Leben geführt hat?

Eigener Glaube: Römisch Katholisch getauft, Kommunion, Firmung, kirchliche Trauung, alles mitgemacht. Als Kind recht gläubig. Wurde von der Familie zum Teil auch so vorgelebt, allerdings nie mit Druck oder Angstmacherei.

Allerdings mittlerweile nicht streng gläubig, sondern vielen Dingen eher skeptisch gegenüberstehend.


Lieblingsvorstellung vom Leben nach dem Tod: Wiedergeburt. Finde die Vorstellung, noch mal neu anfangen und viele schöne Dinge noch einmal erleben zu können sehr schön. Dann allerdings nicht die buddistische Version, wo die Leben dazu genutzt werden sollen, um weiter zu kommen oder manchmal sogar als Strafe empfunden werden. Wenn man im letzten Leben sehr schlecht war, hat man es beim nächsten Mal schwerer.

Sondern da sagt mir die keltische Vorstellung mehr zu. Ich las einmal, dass man dort die Widergeburt nicht als Strafe oder dergleichen, sondern einfach als einen Teil des natürlichen Kreislaufes zwischen Leben und Tod ansah. So wie im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen und im Frühling neue wachsen sterben alle Menschen und kommen wieder....

Wobei es zuviel gesagt wäre, das ich an Reinkarnation (in welchem Sinne auch immer) glaube. Aber von  allen möglichen Vorstellungen gefällt mir diese am besten. Man erfährt es letztlich ja sowieso erst am Schluss.

Woran ich allerdings irgendwie auch glaube: Man bekommt im Leben alles irgendwie einmal zurück....
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Beitrag #52, verfasst am 22.05.2009 - 17:06
Deira schrieb:
Ganz ehrlich, das ist immer der Punkt, den ich nicht so ganz verstehe. Ist das nicht eigentlich dann ein Freifahrtsschein?
Man kann im Leben der schlimmste Verbrecher sein, andere schädigen bis zum geht nicht mehr, macht alles nichts.
Letztlich steht man genauso da wie jemand, der, wie beispielsweise Mutter Theresa, den Menschen immer helfen wollte und ein gutes, friedliches Leben geführt hat?



Wenn es dieser Verbrecher denn ehrlich meint mit Christus, und sei es in den letzten Minuten seines Lebens, so wie der Verbrecher, der an der Seite Jesu gekreuzigt wurde, steht er genauso da wie Mutter Theresa, und ich glaube, die wird's freuen...
Meine Waffe ist das Wort, und ich scheue auch nicht davor zurück, es zu benutzen!

Mick Brisgau-der letzte Bulle
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Beitrag #53, verfasst am 22.05.2009 - 17:34
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zuletzt bearbeitet am 22.05.2009 - 17:38
Auf der anderen Seite könnte man auch sagen, dass jemand, dem seine christilich Religion wirklich wichtig ist sich vielleicht von vornherein bemüht, andere möglichst gut zu behandeln und niemandem zu schaden. Vielleicht hat so jemand ein höhrers Unrechtsbewusstsein....

@Mrs. Anthony:
Und wie ist das umgekehrt?
Man nehme mal einen herzensguten Menschen, der aber in keinster Weise gläubig ist...

Ein interessantes Thema. Ich glaub, darüber philospohieren die Leute schon seit Jahrhunderten (oder so lange es überhaupt Menschen gibt, die sich mit Themen dieser Art beschäftigen. Vielleicht haben sich sogar schon die Steinzeitmenschen Gedanken darüber gemacht, ob sie sich, wenn es ihnen nach ihrem Tod gut gehen soll, gut gegenüber ihren Mitmenschen verhalten sollten....)
Klesst
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Beitrag #54, verfasst am 22.05.2009 - 17:36
suede schrieb:

Was anderes: Ich frage mich, wo die Moral an sich herkommt.
Ist es eine Weiterentwicklung tierischer Instinkte oder ein menschliches Gewissen?
Wenn es ein gewissen ist: Wo kommt es her? Und wie kommt es, dass es fast auf der ganzen Welt die gleichen Moralvorstellungen gibt... (Wenn wir mal die Inkas außen vor lassen, die es als Ehre empfanden bei lebendigem Leib das Herz herausgerissen zu bekommen... Aber Mord war dort bestimmt auch strafbar...).
Wo kommt das Phänomen "Mitleid" her?
Wie kommt es, dass Mensch überall auf der Welt Religionen erfunden haben? Es gibt keinen einzigen Menschenstamm, deren Kultur sich auf Atheismus begründete...


Ich habe grad mal in meinem etymologischen Wörterbuch nachgeschlagen:
Gewissen: "Vermögen des Menschen sein Verhalten sittlich einzuschätzen" Das Wort ist erst im 11.Jh. in dieser Weise verwendet worden und wohl ein Versuch lat. "conscientia"nachzubilden.
Seinen Ursprung hat das Konzept des "inneren Mitwissers" allerdings im antiken Griechenland (also vorchristlich), wurde später aber zu einem zentralen Begriff der christlichen Ethik.
Ich nehme mal an, es ist schon ein Zeichen, dass es kein althochdeutsches Wort dafür gibt und ich denke, christliche Moral hat erst nach und nach die alten Sippengesetze abgelöst, die auf ihre Art bemüht waren, das Zusammenlegen zu regeln.
Ich glaube nicht, dass auf der ganzen Welt die gleichen Moralvorstellungen herrschen. Nimm mal einen Hindi. Der glaubt fest an die Reinkarnation, also hat er auch ein anderen Zugang zum Tod. Zu seinem und zu dem anderer.
Und die Inkas sind doch mal ein passendes Beispiel. Da sieht man mal, das Moral ein Konstrukt ist.
Mit dem Mord ist es auch so eine Sache. Wieso kann es denn diese Ehrenmorde geben, von denen man immer wieder hört. Weil diese Art der Wiederherstellung von Ehre scheinbar in anderen Kulturen toleriert wird.
Mitleid ist für mich ganz klar anerzogen. Das ist zwar schade, aber ich denke, dass sich das Mitleid Fremden gegenüber außerhalb der christlichen Ethik ziemlich in Grenzen hält. Wenn man bedenkt, was Menschen sich so gegenseitig antun können, fragt man sich sowieso, wie dünn doch der Anstrich der Zivilisation über unserem eigentlichen Selbst ist.
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Beitrag #55, verfasst am 22.05.2009 - 17:39
suede schrieb:
Ich finde es eine gesunde Einstellung sich von dem Befreien zu wollen, was einem das Leben schwer macht... neben materiellen Dingen ist das vor allem das Streben danach...
Der Buddhismus gibt sogar eine sehr gute Idee davon, wie man glücklich sein Leben vor dem Tod verbringen sollte.
Buddhismus ist vor allem Freiheit, Losgelöst sein von weltlichem und vergänglichem Tand. Natürlich passt das nicht in die fortschreitende, westliche Gesellschaft, die wegen ihrer christlichen Prägung nach Gewinn und Reichtum strebt... (das ist Calvinismus, wenn ich mich recht erinnere)


Was ist, wenn man leidenschaftlich nach einem Heilmittel für Krebs sucht? Wunsch und Verlangen ist das, was uns hilft über uns hinauszuwachsen und etwas zu schaffen. Es muss nicht immer nur Reichtum sein. Manch einer strebt nach Dingen, die wirklich auch anderen zugute kommen.
Ich denke, du hast mich nicht recht verstanden. Der Buddhist möchte sich vonjederLeidenschaft lösen (generell gesprochen).

suede schrieb:
Materialismus hin oder her: Irgendetwas muss bewirkt haben, dass Quanten existieren, dass überhaupt etwas existiert und dass es sich bis heute bewegt.
Irgendwo müssen die Quanten hinführen, irgendeinen Sinn müssen sie haben...
Ich finde es traurig zu glauben, dass mein Leben einzig auf ein paar arbeitende Organe zurückzuführen sind...
Es steckt Geist hinter der Schöpfung. Der Materialist sieht nur die Schöpfung an sich... Schön und gut, ja, alles da... Aber es gibt eben auch Dinge, die man nicht empirisch wahrnehmen kann...

Das mit dem ewigen Leben hab ich nicht auf dich bezogen, sondern wollte nur einen Vergleich mit einer hier geläufigen Vorstellung herstellen, aber wenn du so willst: Es ist absurd an Wiedergeburt zu glauben. Genau so absurd ist es an ein Ende nach dem Tod zu glauben... Es gibt keine Beweise und wenige Erfahrungsberichte, also kann man sich ewig und ohne Erfolg darüber streiten... Ich wollte nur aufzeigen, dass die Vorstellung, was nach dem Tod passieren soll mit der kulturellen Prägung zusammenängt und es sinnlos ist, da irgendwelche Plausibilitäten zu erforschen...
Für mich liegt die Vorstellung nahe, dass es sein könnte, dass nach dem Tod meine Beziehung mit dem Leben noch nicht abgeschlossen ist... Ich meine, sonst wäre das Leben absolut sinnlos...
Jeder andere Mensch darf sich gerne eigene Gedanken machen!

@Rune:
Ob nun Gott mich erlöst, oder ich mich selbst... Für mich macht das keinen großen Unterschied, wenn ich danach erlöst bin... und ich dafür moralisch und alles leben muss...
Im Christentum ist da einfach nur ein Gott zwischen geschaltet... Und hey, vielleicht ist ja ein göttlicher Funke in jedem von uns...


Mit der Frage, warum überhaupt etwas existiert, kämpfe ich auch. Aber keine Philosophie beantwortet alle Fragen, und der Materialismus tut es ebenfalls nicht.

Und was hast du gegen arbeitende Organe? Was ist denn daran schlecht? Im Gegenteil, es ist unglaublich faszinierend, komplex und auf seine Weise genial.

Und ein Leben ist meiner Meinung nach nicht sinnlos, weil es begrenzt ist. Während der Lebenszeit selbst enthält es den Sinn, den man ihm selbst verleiht, fertig. Zu Leben ist ja durchaus etwas schönes. Das ist meine Ansicht, jedenfalls.
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Beitrag #56, verfasst am 22.05.2009 - 17:41
Deira schrieb:
Und wie ist das umgekehrt?
Man nehme mal einen herzensguten Menschen, der aber in keinster Weise gläubig ist...



Ja, das ist in der Tat ein Problem, aber ich vertraue darauf, das Gott gnädig und gerecht ist und über die, wie Paulus sagt, Zeit unserer Unwissenheit hinwegsehen wird.
Meine Waffe ist das Wort, und ich scheue auch nicht davor zurück, es zu benutzen!

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Beitrag #57, verfasst am 22.05.2009 - 17:58
Darth Pevra schrieb:

Und was hast du gegen arbeitende Organe? Was ist denn daran schlecht? Im Gegenteil, es ist unglaublich faszinierend, komplex und auf seine Weise genial.

Und ein Leben ist meiner Meinung nach nicht sinnlos, weil es begrenzt ist. Während der Lebenszeit selbst enthält es den Sinn, den man ihm selbst verleiht, fertig. Zu Leben ist ja durchaus etwas schönes. Das ist meine Ansicht, jedenfalls.


Es ist nur dann genial, wenn JEMAND es geschaffen hat, wenn jemand verantwortlich ist... und auf die Gefahr hin, dass es keinen klassischen "Schöpfergott" gibt, möchte ich bitte selbst in der Lage sein, mein Selbst zu... hmm... definierten, sodass es nicht rein mechanisch ist... glauben, mich selbst belügen, mich selbst froh machen... im Grunde ist es kein Unterscheid, aber man fühlt sich besser...

Ich habe trotzdem das Gefühl, dass etwas sinnlos ist, wenn es nicht vorhält... Tut mir leid... Aber so wird das Leben zu einer Aneinanderreihung von Situationen und Erlebnissen und das ist doch eher lahm... Ich möchte selbst etwas schaffen, erschaffen, das von Bedeutung ist und andere vielleicht mitreißt und die Zunkunft beeinflusst und so...
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Beitrag #58, verfasst am 22.05.2009 - 18:13
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zuletzt bearbeitet am 22.05.2009 - 18:33
Deira schrieb:

Nö, genau das steht nicht in Neuen Testament! Da steht, das Gott selbst, in seinem Sohn Jesus Christus, meine Schuld bezahlt hat! Nicht mein moralisches Leben läßt mich vor Gott bestehen, sondern einzig und allein Christi Tod und Auferstehung.


Das habe ich ja sagen wollen. Es wird gefordert moralisch und so weiter zu leben, aber selbst wenn du der allerliebste und selbstloseste Mensch und so weiter ist, bist du immer noch von Gottes Gnade abhängig. Du selbst kannst letztendlich nichts dazu tun, um erlöst zu werden.

@ Darth Pevra:

>>> Ich hoffe, dir ist klar, dass "was du sagst, stimmt nicht" keinerlei sachliches Argument darstellt. Was meine Unwissenheit angeht: ja, ich weiß nicht sehr viel. Ich weiß auch nicht sehr viel über das Christentum und viele andere Religionen. Aber ich weiß genug, um den Schnabel aufreissen zu dürfen. Man braucht keinen Doktortitel in Religionswissenschaften, nur um mal seine Meinung kundtun zu dürfen.<<<

Ich bin mir bewußt, keine Argumente gebracht zu habe. Das Thema ist so umfangreich, dass man nicht mal mit ein paar Sätzen erklären kann, wie der Buddhismus denn nun wirklich aussieht.
Jeder der daran interessiert ist  tatsächlich Faktenwissen zu haben, anstatt einfach nur eine Meinung zu vertreten, dem steht es frei sich zu informieren.

>>>Übrigens fällt mir auf, dass ich noch nie was von weiblichen buddhistischen Mönchen gehört habe? Warum?<<<

Höchstwahrscheinlich, weil du dich nicht genügend informiert hast. Selbstverständlich gibt es im Buddhismus Nonnen.

@ Morrighan:

Tatsachen sind für dich geschichtliche Fakten? Du hast geschrieben das es eine Tatsache sei, dass Maria Magdalena die Frau von Jesus und Mutter seiner Kinder sei. Sorry, aber warum sind das geschichtliches Fakten?

@ Suede:

>>>Ob nun Gott mich erlöst, oder ich mich selbst... Für mich macht das keinen großen Unterschied, wenn ich danach erlöst bin... und ich dafür moralisch und alles leben muss...<<<

Es macht für mich schon einen großen Unterschied. Wenn der Christ ein besseres Leben im Jenseits haben möchte, braucht er in diesem Leben nicht großartig da etwas für zu tun. Für den Buddhisten hat hingegen jeder Gedanke, jede Handlung und jedes Unterlassen Konsequenzen.
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Beitrag #59, verfasst am 22.05.2009 - 18:21
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zuletzt bearbeitet am 22.05.2009 - 18:22
Rune schrieb:
Deira schrieb:

Nö, genau das steht nicht in Neuen Testament! Da steht, das Gott selbst, in seinem Sohn Jesus Christus, meine Schuld bezahlt hat! Nicht mein moralisches Leben läßt mich vor Gott bestehen, sondern einzig und allein Christi Tod und Auferstehung.


Das habe ich ja sagen wollen. Es wird gefordert moralisch und so weiter zu leben, aber selbst wenn du der allerliebste und selbstloseste Mensch und so weiter ist, bist du immer noch von Gottes Gnade abhängig. Du selbst kannst letztendlich nichts dazu tun, um erlöst zu werden.


Mal abgesehen davon, das ich den oberen Satz " verbrochen" habe, den Deira ja durchaus nicht widerspruchslos hingenommen hat: Ja, genau! Du kannst dich letztlich nicht selbst erlösen! Ja, Du bist immer noch auf die Gnade Gottes angewiesen! Und ja, damit kann ich leben, sehr gut sogar!
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Beitrag #60, verfasst am 22.05.2009 - 18:29
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zuletzt bearbeitet am 22.05.2009 - 18:29
MrsAnthony schrieb:

Mal abgesehen davon, das ich den oberen Satz " verbrochen" habe, den Deira ja durchaus nicht widerspruchslos hingenommen hat: Ja, genau! Du kannst dich letztlich nicht selbst erlösen! Ja, Du bist immer noch auf die Gnade Gottes angewiesen! Und ja, damit kann ich leben, sehr gut sogar!


Oh, sorry, ich habe immer Probleme, wenn ich mehr als einen zitieren will...  
Sicher mag man damit gut leben können, mir ging es nur darum dass da einer der großen Unterschiede zwischen Buddhismus und Christentum liegen - und zwar nicht nur im Hinblick auf das, was sie nach dem Tod erwarten, sondern ganz konkret im Leben hier und jetzt.
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Beitrag #61, verfasst am 22.05.2009 - 18:42
suede schrieb:
Darth Pevra schrieb:

Und was hast du gegen arbeitende Organe? Was ist denn daran schlecht? Im Gegenteil, es ist unglaublich faszinierend, komplex und auf seine Weise genial.

Und ein Leben ist meiner Meinung nach nicht sinnlos, weil es begrenzt ist. Während der Lebenszeit selbst enthält es den Sinn, den man ihm selbst verleiht, fertig. Zu Leben ist ja durchaus etwas schönes. Das ist meine Ansicht, jedenfalls.


Es ist nur dann genial, wenn JEMAND es geschaffen hat, wenn jemand verantwortlich ist... und auf die Gefahr hin, dass es keinen klassischen "Schöpfergott" gibt, möchte ich bitte selbst in der Lage sein, mein Selbst zu... hmm... definierten, sodass es nicht rein mechanisch ist... glauben, mich selbst belügen, mich selbst froh machen... im Grunde ist es kein Unterscheid, aber man fühlt sich besser...

Ich habe trotzdem das Gefühl, dass etwas sinnlos ist, wenn es nicht vorhält... Tut mir leid... Aber so wird das Leben zu einer Aneinanderreihung von Situationen und Erlebnissen und das ist doch eher lahm... Ich möchte selbst etwas schaffen, erschaffen, das von Bedeutung ist und andere vielleicht mitreißt und die Zunkunft beeinflusst und so...
Einfach nur so vor mich hin vegetieren mit dem Hintergedanken: "Nach mir die Sintflut!" ist etwas, womit ich mich nicht anfreunden kann... Vielleicht ein persönliches Ding...


Nun, genau genommen ist es natürlich nicht "genial". Und ja, du kannst natürlich glauben, woran du willst.
Ich selbst habe es auch schwierig gefunden, mich mit dem Materialismus zu arrangieren.

Einmal den Sonnenuntergang betrachten ist sinnlos, weil es nicht anhält?
Das kannst du ja auch. Mit gehörigem Aufwand kannst du vielleicht etwas schaffen, von dem die nächsten Generationen auch profitieren. Du wirst halt nicht mehr da sein, um es selbst zu genießen. Aber wenn es dir darum geht, dann ist sowieso eher Eitelkeit dein Motiv (nicht wertend gemeint!).

Rune schrieb:
Ich bin mir bewußt, keine Argumente gebracht zu habe. Das Thema ist so umfangreich, dass man nicht mal mit ein paar Sätzen erklären kann, wie der Buddhismus denn nun wirklich aussieht.
Jeder der das tatsächlich Fakten wissen will, anstatt einfach nur eine Meinung zu haben. dem steht es frei sich zu informieren.


Okay, wie du meinst.
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Beitrag #62, verfasst am 22.05.2009 - 19:10
Bin bis zu meinem 12.ten Lebensjahr "Zeugen Jehova" gewesen...dann haben sich meine Eltern scheiden lassen und zumindest meine Mutter, von der die Scheidung ausging war fortan "ausgeschlossen"!
Fand ich persönlich nicht vereinbar mit dem was ich zuvor in dieser Religion gelernt habe und gehe seitdem auch nicht mehr hin!
Allerdings glaube ich trrotzdem an Gott und zum Teil auch an die Bibel! Denke ich habe mir das was ich glaube relativ zusammengeschustert, aber damit bin ich zufrieden und das ist ja das Wchtigste;)
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Beitrag #63, verfasst am 22.05.2009 - 19:34
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zuletzt bearbeitet am 22.05.2009 - 19:35
Rune schrieb:

Ninniach schrieb:

Ach ja und von wegen "Kein Sex vor der Ehe". "So zog auch Josef... hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt, zusammen mit seiner VERLOBTEN, die ein Kind erwartete."


Ähm, dir ist klar, dass diese Stelle kein Beispiel für Sex vor der Ehe ist, da man im christlichen Glauben davon ausgeht (das sogar der Kern der christlichen Lehre ist) das dieses Kind nicht von Josef gezeugt war, sondern von Gott...?



Das ganze ist noch komplizierter: Eigentlich war mit der Verlobung die Eheschließung nur noch Formsache. Die waren im Prinzip schon verheiratet. Es fehlte nur noch der Vollzug der Ehe. Dass Maria in diesem Text als Josefs "Verlobte" bezeichnet wird, bedeutet nichts anderes, als dass die Ehe offiziell noch nicht vollzogen war (was Josef so beschlossen hatte).

Eine Frau, die während der Verlobungszeit schwanger wurde, konnte von ihrem Eigentlich-schon-Ehemann verstoßen werden. Was Josef hier tut, indem er sie zu sich nimmt, ist nichts anderes als dass er der ganzen Welt verkündet, dass er dieses Kind als sein eigenes, leibliches Kind betrachtet (obwohl er selbst weiß, dass er nicht sein Vater ist) - insofern tatsächlich etwas besonderes..
Man sollte dem Anderen die Wahrheit hinhalten, dass er wie in einen offenen Mantel hineinschlüpfen kann, und sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren hauen.

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Beitrag #64, verfasst am 22.05.2009 - 19:38
Darth Pevra schrieb:

Einmal den Sonnenuntergang betrachten ist sinnlos, weil es nicht anhält?
Das kannst du ja auch. Mit gehörigem Aufwand kannst du vielleicht etwas schaffen, von dem die nächsten Generationen auch profitieren. Du wirst halt nicht mehr da sein, um es selbst zu genießen. Aber wenn es dir darum geht, dann ist sowieso eher Eitelkeit dein Motiv (nicht wertend gemeint!).


Nein, du hast vollkommen recht!
Es ist ein persönlicher Fehler von mir, vergängliche Schönheit nicht wertschätzen zu können... Ich kann mich einfach nicht auf präsentes Glück einlassen, wenn ich weiß, dass alles irgendwann vorbei ist... und dieser Zeitpunkt kommt einfach immer zu schnell...
Und Eitelkeit ist es definitiv... Aber es hat auch ein bisschen mit Selbstwertgefühl zu tun...
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Beitrag #65, verfasst am 22.05.2009 - 20:57
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zuletzt bearbeitet am 22.05.2009 - 20:59
Ich bin ohne Bekenntnis, und ich glaube nicht an Gott. Obwohl mir die christlichen Lehren der Nächstenliebe eigentlich schon zusagen... aber ansonsten kann ich dem Christentum auch nicht viel abgewinnen - die schlimmsten Kriege wurden von Christen angezettelt... da ich persönlich ein ziemlich friedliebender Mensch bin (auch wenn ich ein ziemlich aufbrausendes Temperament besitze *hust*) ist mir der Buddhismus von allen Religionen am sympathischsten...
Ich finde die christliche Kirche, besonders den Katholismus, teilweise auch ziemlich heuchlerisch und der Papst ist, ohne hier jemanden beleidigen zu wollen, ein seniler alter Schwachkopf... "verhütet ja nicht, gebt Aids eine Chance...!" ehrlich, das ist doch... oberdämlich.
Was FSK Aussagen bedeuten:

FSK 12 bedeutet: Der Gute bekommt das Mädchen.
FSK 16 bedeutet: Der Böse bekommt das Mädchen.
FSK 18 bedeutet: Jeder bekommt das Mädchen.
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Beitrag #66, verfasst am 22.05.2009 - 21:13
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zuletzt bearbeitet am 22.05.2009 - 21:15
@Andauril: Ich stimme dir in so ziemlich allen Punkten zu.

Wenn ich sehe, was in der Welt alles so an Ungerechtigkeiten geschieht, kann und will ich nicht an einen Gott, wie er in der Bibel beschrieben wird, glauben. Da kann mir jeder Christ 100 Mal erklären, dass es die Schuld der Menschen ist, weil wir den freien Willen haben und Gott die, welche an ihn glauben, nach dem Tod belohnen wird ... auch wenn das so wäre, so wäre das für mich dennoch ein grausamer Gott.

Mit dem Papst kann ich ja auch überhaupt nichts anfangen - "Kondome verschlimmern das Aids-Problem". Ahja. Danke für die Info, jetzt wird's bestimmt besser. *kopfschüttel*
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Beitrag #67, verfasst am 23.05.2009 - 07:40
Uff, da ist man einen Tag nicht da und alle Diskutieren munter weiter.

@Brangquignole
Atheistisch, wusste ich gar nicht, dass man damit den Nichtglauben an Götter meint, ich dachte bisher immer, dass das generelle Nicht-Religiösität bedeutet... Wieder was gelernt.

Nun, wie bin ich dazu gekommen? Wie ich schon gesagt habe, ich musste ein schwere Zeit durchmachen und irgendwann erkannte ich, dass das eigentliche Problem in meiner Unfähigkeit bestand, loszulassen. Der Buddhismus half mir zu verstehen, dass man manchmal Dinge akzeptieren muss, die man nicht mehr ändern kann. (solange man sie ändern kann, versuche ich das trotzdem)

@Darth Pevra
"Übermenschen" ist das falsche Wort für den Dalai Lama und Buddha. Nach buddhistischer Auffassung haben sie quasi das Ziel des Weges eines jeden Buddhisten erreicht, nur dass sie am Ziel nochmal stehen bleiben und den Nachfolgenden den Weg zeigen. Der Dalai Lama kehrt, laut Glaubensauffassung einiger, sogar in die Welt zurück, um den Menschen bei ihrer Erleuchtung zu helfen.
Ich verstehe auch nicht, was du gegen einen autoritären Religionsstaat in Tibet hättest. Meines Wissens ging es den Menschen damals noch recht gut und ganz allgemein ist es nicht besonders vernünftig, die Demokratie als die ultimative Regierungsform zu betrachten. Ein guter Diktator ist für ein Volk tausendmal besser, als ein Parlament aus ein paar Idealisten und Genies und vielen Egoisten und Fähnchen-nach-dem-Wind-Dreher.
Was die Emotionen angeht, ich glaube jemand (suede?) hat es schon gesagt, man soll das Streben nach immer mehr aufgeben. Das mag für Unsereins völlig abstrus wirken, (Auch ich kann mich nicht wirklich mit dem Gedanken anfreunden, da ich in in der ewigen Verbesserung eine wichtige Existenzberechtigung sehe, sowohl für mich, als auch für die Menschheit als Ganzes.) dennoch ist dieser Gedankengang sehr logisch.
Nebenbei lässt der Buddhismus im Grunde für beide Seiten eine Tür offen. Für die, die gerne ihren inneren Frieden finden möchten, bietet sich die Möglichkeit des Loslassens und die spirituelle Möglichkeit des Eingangs ins Nirvana an, des Vergehens. Für jene, die noch am Leben hängen und gerne weiterleben würden, bietet sich die Möglichkeit nicht loszulassen und, in spiritueller Hinsicht, der Glaube an die Wiedergeburt.
Du verlangst stets empirische Beweise? Weißt du, ich glaube grundsätzlich daran, dass aus fast jedem Menschen ein guter Mensch werden kann und dass die Menschheit die nächsten 200 Jahre überstehen wird, obwohl die Beweise eindeutig dagegen sprechen. Es mag sein, dass absolut nichts spirituelles in der Welt existiert, aber die Frage ist doch auch, ob eine Religion nicht dennoch einen nutzen hat. Nach meiner Erfahrung haben (wirklich) religiöse Menschen tendenziell häufiger feste Moralvorstellungen, als Materialisten. (Womit ich dich jetzt nicht beleidigen will, aber ich gehe davon aus, dass die meisten unserer MEHR-MEHR-Manager strenggläubige Materialisten sind. So gesehen ist der Materialismus eine Weltanschauung, die immer mehr fordert, die meisten Religionen aber schlagen vor, mal kurz innezuhalten und über das nachzudenken, was so passiert und was man tut.

@suede
Du hast glaube ich die Frage nach dem Sinn des Lebens aufgestellt. (Vermutlich gab es darüber schon eigene Threads.) Wenn ich dich richtig verstanden habe, ist das was dich so stört, ist die Vergänglichkeit, der Gedanke, dass dein Leben sinnlos war, wenn du mal stirbst und tatsächlich nichts von dir übrig bleibt.
Nun, meiner Meinung nach zählt nach unserem Tod doch das, was wir im Verlauf unseres Lebens beeinflusst haben. (Darth Pevra, du wirst diese Gedankengänge kennen...) Wenn ich ein Heilmittel gegen Krebs erfinde, dann kann ich einen Tag später sterben, mein Leben war dann mit Sicherheit nicht sinnlos. Wenn ich Kinder zeuge und zu ihrer Erziehung nicht den Fernseher nutze, dann war mein Leben nicht sinnlos.

Eine kleine Metapher:
Eine Muskelzelle ist für sich allein nicht lebensfähig und selbst wenn sie es wäre, wäre sie alleine nutztlos. Irgendwann stirbt sie (soviel ich weiß erneuern sich die Zellen viele Male im Leben eines Menschen) und dann war ihre Existenz nutzlos, da sie alleine ja nichts zustandebringt. Aber andererseits hat der Mensch, zu dem sie gehört, in dieser Zeit den Mount Everest bestiegen und einen Ertrinkenden aus dem Fluss gehieft, wozu die kleine Muskelzelle ihren Beitrag geleistet hat.
Der Sinn der Zelle besteht also in dem, was er zur Leistung des gesamten Organismus hat beitragen können. Ebenso kann man den Sinn des Menschen darin suchen, was er zur Leistung und zum Fortbestehen der gesamten Menschheit beigetragen hat. Unter dieser Betrachtungsweise ist es auch schwachsinnig anzunehmen, dass es für alle von Vorteil wäre, wenn jeder mit dem Ellenbogen voranprescht und versucht, sich an die Spitze zu kämpfen. Wir sind ein Kollektiv, spätestens, seit wir Zivilisationen geschaffen haben und auch wenn ein Mensch mehr Individualität besitzt, als eine Muskelzelle, so bleibt er dennoch nichts weiter als ein Zahnrad im Getriebe.

@Artanis
Umformulierung: Der wissenschaftliche Teil meines Gehirns glaubt, aufgrund der vorliegenden Beweise, mit großer Wahrscheinlichkeit sagen zu können, dass nach meinem Tod nichts von mir übrig bleiben wird. So gesehen müsste man das Wort "wissen" aus dem Duden streichen.

@nochmal Suede
Nichts anderes habe ich gemeint. Die Atome meines Körpers bleiben übrig und werden neu verbaut, was aber mit den elektrischen Impulsen in meinem Gehirn geschieht, die mein Bewusstsein, meine Persönlichkeit, meine Seele, eben MICH ausmachen, das ist eine andere Frage. Streng logisch gesehen muss ich wohl sagen, dass sie verschwinden, während die Maschine meines Körpers noch immer da bleibt und langsam verfällt.
Spirituell gesehen denke ich immer an die großartige Leistung meiner Seele vollbracht hat. Sie hat es geschafft einen Kohlenstoffsack voller Wasser über Jahrzehnte hinweg fortzubewegen. Sie hat es geschafft diesen Kohlenstoffsack immer wieder zu erneuern, so dass er auch weiterhin als Gefäß für sie, also meine Seele, zur Verfügung stand. Warum sollte dieses großartige und unglaublich machtvolle Gebilde einfach so ins Nichts verpuffen, wenn es das nicht selbst möchte?
Wie ich andernorts schon gesagt habe, ich "weiß", dass Ersteres stimmt und glaube dennoch auch, dass Letzteres stimmt. George Orwell wäre stolz auf mich.

@Alle
Ich würde hier gerne auf noch mehr eingehen, aber allein dieser Beitrag ist schon zu lang geworden.
Sheldon: "Ist dir bewusst, das Maschinen wie diese irgendwann einfache Servierkräfte wie dich ersetzen werden?"
Penny: "Wirklich, sie bauen einen Roboter der auf deinen Hamburger spuckt?"
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Beitrag #68, verfasst am 23.05.2009 - 08:01
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zuletzt bearbeitet am 23.05.2009 - 08:09
Vorian Atreides schrieb:
@Artanis
Umformulierung: Der wissenschaftliche Teil meines Gehirns glaubt, aufgrund der vorliegenden Beweise, mit großer Wahrscheinlichkeit sagen zu können, dass nach meinem Tod nichts von mir übrig bleiben wird. So gesehen müsste man das Wort "wissen" aus dem Duden streichen.


Diese "vorliegenden Beweise" musst du mir nennen, Vorian (dass wir "vom Affen" abstammen und nicht einfach aus der Erde entstanden sind, zählt nicht =P). Soweit ich das verstanden habe, hat bisher ein _Wissenschaftler_ noch nicht einmal _ernsthaft_ versucht, direkt Gott oder zumindest eine Seele zu widerlegen. _Wissenschaftlich_, nicht philosophisch. Ein _Beweis_ gegen die Existenz einer Seele bzw. ein Weiterleben nach dem Tode hätte wohl Einiges an Wirbel gemacht. Darum meinte ich, dass man nicht von Wissen sprechen kann, nicht weil ich internetforentypisch besserwisserisch sein wollte.



Was ich irgendwie traurig finde, ist, dass selbst die "Gläubigen" hier sich "bewusst" sind/sein wollen, dass sie sich selbst belügen. Ist es so eine Schande zuzugeben, dass die Wissenschaft bzw. das menschliche Auge eben nur einen Teil unserer Realität erfassen kann, während vielleicht der andere, wesentlich größere Teil verborgen bleibt? Möglicherweise bis in alle Ewigkeit?
Ich finde, einen Glauben zu haben, bedeutet nicht, sich selbst zu belügen. Man kann als intelligentes Lebewesen nunmal nur versuchen, sich das Unfassbare irgendwie zu erklären. Ich würde da nicht von Selbstbetrug sprechen, wenn man sich die "glaubwürdigste" Idee herausnimmt.
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Beitrag #69, verfasst am 23.05.2009 - 09:22
Artanis schrieb:

Was ich irgendwie traurig finde, ist, dass selbst die "Gläubigen" hier sich "bewusst" sind/sein wollen, dass sie sich selbst belügen. Ist es so eine Schande zuzugeben, dass die Wissenschaft bzw. das menschliche Auge eben nur einen Teil unserer Realität erfassen kann, während vielleicht der andere, wesentlich größere Teil verborgen bleibt? Möglicherweise bis in alle Ewigkeit?
Ich finde, einen Glauben zu haben, bedeutet nicht, sich selbst zu belügen. Man kann als intelligentes Lebewesen nunmal nur versuchen, sich das Unfassbare irgendwie zu erklären. Ich würde da nicht von Selbstbetrug sprechen, wenn man sich die "glaubwürdigste" Idee herausnimmt.


Ja, das finde ich auch traurig. Ich finde jedenfalls nicht von vornherein, dass ich mich selbst belüge und mir dessen bewusst sein sollte. Es könnte natürlich sein, aber die Wissenschaft kann das ganz sicher nicht beweisen, weil Wissenschaft und Glaube an eine höhere Macht (die dann schließlich über der Wissenschaft stünde) zwei verschiedene Paar Stiefel sind, die man unmögliche in einen Topf werfen und zusammenrühren kann.

Ansonsten bin ich ein bisschen angepisst über eine bestimmte Reaktion von Nichtchristen (die doch angeblich alle so tolerant sind), die mir immer wieder begegnet, die da ungefähr lautet "meinetwegen können Christen ja glauben, was sie wollen, wenn es ihnen hilft. Aber ich glaub nicht an so einen Quatsch!"

Yey!!! Fühle ich mich da in meinem Glauben nicht gleich ungeheuer ernst genommen? Und da wirft man Christen vor, sie wären intolerant....
Man sollte dem Anderen die Wahrheit hinhalten, dass er wie in einen offenen Mantel hineinschlüpfen kann, und sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren hauen.

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Beitrag #70, verfasst am 23.05.2009 - 09:35
Das mit der Sinnlosigkeit wegen der Vergänglichkeit ist ein bisschen anderes zu verstehen, glaube ich...
Sagen wir, jemand entdeckt tatsächlich ein Mittel gegen Krebs. Natürlich ist sein Leben nicht sinnlos!
Warum nicht? Weil etwas geschaffen hat, durch das er weiterlebt. Ein Andenken an sich selbst. Etwas, das viele Menschen noch nach seinem Tod dankbar stimmt.
Oder nehmen wir Shakespeare. Er ist nicht tot. Er ist nicht vergessen.
Es gibt Philosophen, die behaupten, man ist er tot, wenn man vergessen wird...
Das ist eine sehr künstlerische Ansicht, aber sie gefällt mir einfach, weil man sich ein bisschen daran festklammern kann...
Es motiviert einen dazu etwas aus dem eigenen Leben zu machen, sich zu engagierten, kreativ zu sein, sich zu bilden etc.
Ich glaube, da finden wir sogar einen Konsens...
Ich sage nicht pauschal, dass alles Leben, alle Schönheit sinnlos ist, wenn sie nicht anhält.
Für mich ist die Vergänglichkeit jedoch deprimierend.
Nehmen wir den Sonnenaufgang oder eine blühende Blume oder ein Regenbogen. Alles schöne Dinge, an denen ich mich "live" nicht so sehr erfreuen kann...
Ich glaube Oscar Wilde hat mal ein Essay darüber geschrieben, dass die Natur erst durch die Kunst schön wird... wenn ihr Bild festgehalten wird...
Kein Ahnung, ob das stimmt. Irgendwie ist das nämlich auch deprimierend...
Ich glaube, ich wäre ein guter Buddhist... Alles ist deprimierend... haha

Der Unterschied zwischen Glauben und Wissen ist eine andere Sache, die mich an Religionen stört. Manche Funktionäre scheinen das zu verwechseln...
Glauben räumt immer eine gewisse Unsicherheit ein, was eigentlich dafür sorgen müsste, das Religionen sich gegenseitig tolerieren...
Wissen hingegen kann niemand etwas...
Vielleicht können Menschen einfach nicht "glauben". Sie erfinden etwas und beten ein Mantra so lange, bis sie sich anfangen selbst zu belügen, sie wüssten etwas...

Mir hat es damals im Religionsunterricht einen Knacks versetzt, als wir lernten, dass unser großer und eiziger Gott, Jahwe, einer mythologischen Entwicklung entsprungen ist. Offebar handelt sich bei unsere Gottesfigur um einen ehemaligen Vulkangott eines Hirtenvolkes.
Eine Erfindung des Menschen also, die sich verselbstständigt hat.
Seit dem glaube nicht nicht mehr an einen personales Gott, sondern viel mehr an eine... naja... ich glaube "Weltseele" passt man besten, wobei ich gerne einräume, dass andere Ansichten ebenso wahrscheinlich sind...
Aber da es keine Fakten gibt ist es im Grunde müßig über derartige Details zu streiten.
Die praktische Anwendung der modernen Religionen besteht darin das Leben in geordneten Bahnen zu halten...
Früher mochte es so gewesen sein, dass Götter nur Gebetsempfänger waren, von denen man ab und an ein Wunder erwartet hat, heute sind die Menschen selbst gefragt, etwas zu vollbringen... Meiner Meinung nach ist das nicht die schlechteste Entwicklung...
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Beitrag #71, verfasst am 23.05.2009 - 09:41
suede schrieb:

Der Unterschied zwischen Glauben und Wissen ist eine andere Sache, die mich an Religionen stört. Manche Funktionäre scheinen das zu verwechseln...
Glauben räumt immer eine gewisse Unsicherheit ein, was eigentlich dafür sorgen müsste, das Religionen sich gegenseitig tolerieren...


Du verwechselst da was. Glaube und Wissen sind keine Gegensätze. Wissen wie du es hier meinst ist für mich "wissenschaftliches" Wissen.
Glaube dagegen ist die innere Sicherheit, dass Gott da ist und sich um mich sorgt. Also eine ganz andere Art von Wissen.

suede schrieb:
heute sind die Menschen selbst gefragt, etwas zu vollbringen... Meiner Meinung nach ist das nicht die schlechteste Entwicklung...


Und gläubige Menschen sind immer noch der Meinung, dass Gott ihnen dabei hilft, etwas zu vollbringen...
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Beitrag #72, verfasst am 23.05.2009 - 10:00
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zuletzt bearbeitet am 23.05.2009 - 10:05
Vorian Atreides schrieb:

Spirituell gesehen denke ich immer an die großartige Leistung meiner Seele vollbracht hat. Sie hat es geschafft einen Kohlenstoffsack voller Wasser über Jahrzehnte hinweg fortzubewegen.


Das Bild mit dem Kohlenstoffsack, hauptsächlich mit Wasser gefüllt, ist aus Star Trek, Next generation, gelle?

Suede, ich würde "Glauben" nicht als Gegensatz zu "Wissen" sehen, sondern lieber mit "Vertrauen" übersetzen. Vertrauen kann man auch, wenn man nicht versteht. Ich verstehe Gott auch oft nicht, wie könnte ich, aber dennoch vertraue ich auf ihn.
Meine Waffe ist das Wort, und ich scheue auch nicht davor zurück, es zu benutzen!

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Beitrag #73, verfasst am 23.05.2009 - 10:22
Ich kann nicht vertrauen, wenn ich etwas nicht beweisen kann... Ich kann es einfach nicht! Das ist mir zu riskant.

Nun, ich sehe schon einen unterschied zwischen Wissen und Glauben/Vertrauen... Bei zweiterem gebe ich ein Stück meiner Verantwortung ab... Ich kann es einfach nicht und ich verstehe es auch nicht...
Es ist schön, wenn Leute darin Frieden und Glück finden, aber da es bei mir nicht funktioniert, zeigt mir, dass Glauben kein Universelles Heilsmittel ist.
Viel mehr ist es eine persönliche Haltung und deshalb passt es mir nicht, dass man versucht diese persönlichen Haltungen irgendwo auf einen Nenner zu bingen um Religionsgemeinschaften zu schaffen.
Lieber sollte man in Aufklärung und Bildung investieren, als in Mission.

Mir ist das alles zu unsicher.
Ich meine, die Bibel wurde auch nur von Menschen geschrieben, die sicherlich ihrer eigenen Vorstellungen und Codes und Bilder mit eingebracht haben.
Ich kann also nicht genau wissen, was Gott (so er als Personalie existiert) will.
Der einzige Anhaltspunkt, den ich habe ist mein eigenes Gewissen, vor dem ich meine Handlungen verantworten muss...
Sokrates hat daran "geglaubt", dass sein Gewissen das einzig Göttliche ist...
Es erscheint mir sinnig.

Und noch ein kleiner Nachtrag, zur Vergänglichkeit:
Das Vergänglichkeits-Sinnlosigkeitsgeflecht ist nur ein Ausgangspunkt. Ich habe nie gesagt, dass wir dazu verdammt sind... Natürlich kann man sich davon lösen. Aber man muss dafür arbeiten...
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Beitrag #74, verfasst am 23.05.2009 - 10:49
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zuletzt bearbeitet am 23.05.2009 - 10:51
suede schrieb:
Ich kann nicht vertrauen, wenn ich etwas nicht beweisen kann... Ich kann es einfach nicht! Das ist mir zu riskant.


Wenn ich etwas beweisen kann, brauch ich nicht mehr zu vertrauen. Irgendwie versteh ich dich da nicht.

suede schrieb:
Nun, ich sehe schon einen unterschied zwischen Wissen und Glauben/Vertrauen... Bei zweiterem gebe ich ein Stück meiner Verantwortung ab...


Ähm, inwiefern gebe ich Verantwortung ab, wenn ich glaube? Das versteh ich jetzt nicht. Ich hab doch trotzdem noch die Verantwortung dafür, mein Leben "gut" zu leben, ich habe Verantwortung für meine Familie, in meinem Beruf usw. Nur habe ich zusätzlich Gott, um mir durch Probleme durchzuhelfen. Das heißt doch keineswegs, dass ich mich zurücklehnen und die Hände in den Schoß legen kann.

suede schrieb:
Lieber sollte man in Aufklärung und Bildung investieren, als in Mission.


Du hast ein ganz schön schräges Bild von Mission.  1. klingt das, als ob nur ungebildete Menschen Grund hätten zu glauben (also doch wieder Wissen vs. Glauben) und 2. ist Mission nicht mehr wie vor 100 oder 200 Jahren. Missionare sind heutzutage häufig diejenigen, die Schulen eröffnen, Brunnen bauen, Entwicklungshilfe leisten. Und sie tun das, weil sie glauben, dass Gott sie dazu berufen hat. Und du findest das schlecht?
Man sollte dem Anderen die Wahrheit hinhalten, dass er wie in einen offenen Mantel hineinschlüpfen kann, und sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren hauen.

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Beitrag #75, verfasst am 23.05.2009 - 11:00
Vorian Atreides schrieb:

@Darth Pevra
"Übermenschen" ist das falsche Wort für den Dalai Lama und Buddha. Nach buddhistischer Auffassung haben sie quasi das Ziel des Weges eines jeden Buddhisten erreicht, nur dass sie am Ziel nochmal stehen bleiben und den Nachfolgenden den Weg zeigen. Der Dalai Lama kehrt, laut Glaubensauffassung einiger, sogar in die Welt zurück, um den Menschen bei ihrer Erleuchtung zu helfen.
Ich verstehe auch nicht, was du gegen einen autoritären Religionsstaat in Tibet hättest. Meines Wissens ging es den Menschen damals noch recht gut und ganz allgemein ist es nicht besonders vernünftig, die Demokratie als die ultimative Regierungsform zu betrachten. Ein guter Diktator ist für ein Volk tausendmal besser, als ein Parlament aus ein paar Idealisten und Genies und vielen Egoisten und Fähnchen-nach-dem-Wind-Dreher.
Was die Emotionen angeht, ich glaube jemand (suede?) hat es schon gesagt, man soll das Streben nach immer mehr aufgeben. Das mag für Unsereins völlig abstrus wirken, (Auch ich kann mich nicht wirklich mit dem Gedanken anfreunden, da ich in in der ewigen Verbesserung eine wichtige Existenzberechtigung sehe, sowohl für mich, als auch für die Menschheit als Ganzes.) dennoch ist dieser Gedankengang sehr logisch.
Nebenbei lässt der Buddhismus im Grunde für beide Seiten eine Tür offen. Für die, die gerne ihren inneren Frieden finden möchten, bietet sich die Möglichkeit des Loslassens und die spirituelle Möglichkeit des Eingangs ins Nirvana an, des Vergehens. Für jene, die noch am Leben hängen und gerne weiterleben würden, bietet sich die Möglichkeit nicht loszulassen und, in spiritueller Hinsicht, der Glaube an die Wiedergeburt.
Du verlangst stets empirische Beweise? Weißt du, ich glaube grundsätzlich daran, dass aus fast jedem Menschen ein guter Mensch werden kann und dass die Menschheit die nächsten 200 Jahre überstehen wird, obwohl die Beweise eindeutig dagegen sprechen. Es mag sein, dass absolut nichts spirituelles in der Welt existiert, aber die Frage ist doch auch, ob eine Religion nicht dennoch einen nutzen hat. Nach meiner Erfahrung haben (wirklich) religiöse Menschen tendenziell häufiger feste Moralvorstellungen, als Materialisten. (Womit ich dich jetzt nicht beleidigen will, aber ich gehe davon aus, dass die meisten unserer MEHR-MEHR-Manager strenggläubige Materialisten sind. So gesehen ist der Materialismus eine Weltanschauung, die immer mehr fordert, die meisten Religionen aber schlagen vor, mal kurz innezuhalten und über das nachzudenken, was so passiert und was man tut.


.) Und was genau ist da der Unterschied zwischen denen und einem barmherzigen Messias, der seinen Schäflein hilft?

.) Ich halte nicht viel von einer Kombination aus Religion und Staat. Dadurch entsteht inhärent ein System, das die Anhänger anderer Religionen benachteiligt, und zwar immer. Abgesehen davon verstehen die dort vermutlich auch nicht mehr viel vom Regieren, weil sie es schon so lange nicht mehr gemacht haben.
Zudem würde in diesem Fall ja nicht einmal Demokratie durch Diktatur ersetzt. Es würde Diktatur durch Diktatur ersetzt. Und zwar eine Diktatur, die zumindest etwas von Wirtschaft zu verstehen scheint (immerhin ist China aufstrebende Wirtschaftsmacht) durch Dalai Lama und Anhänger.

.) Logisch ja. Aber wo wäre das Individuum oder die Gesellschaft ohne Streben?

.) Sicher. Aber das Weiterleben wird ja nicht als positiv betrachtet, weil alles Leben ja Leid ist.

.) Nach unzähligen religiösen Kriegen muss ich diese Frage leider mit "nein" beantworten. Der Großteil der Religiösen ist natürlich harmlos, und da würde es mir ja auch gar nichts ausmachen, aber es gibt immer diese Wahnsinnigen...

Mja, setze Materialismus nicht mit Gier und Besitz gleich. Ich zum Beispiel interessiere mich viel mehr für Ideen und Wissen, statt sogenanntem weltlichen Besitz. Diese Ideen sind allerdings im Materialismus ebenfalls Materie - die Synapsen in meinem Gehirn. Man könnte sagen, ich hungere nach mehr Synapsenverbindungen. ;)

Inwiefern die Philosophie die "mehr fordert", musst du mir jetzt aber erklären. Das verstehe ich zugegeben nicht ganz.
Hat keinen Genierer.
 
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