Vargr schrieb:
@Darth Pevra
Warum eigentlich? Stört dich das "Schöne" so sehr oder weil das scheinbar jeder bevorzugt?
Öh, nein. Ich wechsle liebend gerne hin und her. Je nach dem, wie mir danach ist eben. Ich wundere mich nur darüber, dass anscheinend so eine Präferenz auf das Schöne gelegt wird. Den umgekehrten Fall, die typische "alles ist Scheiße" Welt finde ich meistens auch nicht besonders spannend.
Vagr schrieb:
Und zu den Namen - ein Name muss nicht "schön" klingen, er muss etwas rüberbringen.
Klangbilder können ja sowohl hell und positiv wie auch duster und negativ sein, sie können "unrund" sein oder eben fließend, kurz und pragmatisch oder gedehnt und verspielt ...
Was ist hier hässlich?
Gibt es einen hässlichen Namen?
Ein Name kann eine hässliche Bedeutung haben oder mit einer hässlichen Sache assoziert werden, aber ist er deswegen wirklich nicht schön - wenn er aber da ist, wo er hingehört?
Grüße,
Vargr
Na selbstverständlich kann ein Name hässlich sein. Hässlich und schön sind subjektiv. Wenn ich sage, Name X ist hässlich, dann ist er das für _mich_ auch.
SnowWh1te schrieb:
Daß ein "klassischer" Held in einer Geschichte (oder seine weibliche Form) normalerweise als attraktiv geschildert wird, finde ich nicht ungewöhnlich oder unlogisch. Mit diesem Protagonisten soll sich der Leser ja identifizieren und den soll er normalerweise lieb gewinnen. Also spricht man ihm positive Eigenschaften zu (den gelegentlichen Fehler natürlich auch), und weil der Mensch sein Gegenüber nun mal zu einem sehr großen Teil über die Augen beurteilt, ist es natürlich von Vorteil, wenn dieser "neue Bekannte", den man ihm da vorstellt, hübsch ist. Schöne Menschen haben's im RL auch leichter; dazu gibt's ja genügend Studien ^^. Ob der Held jetzt übers Aussehen oder übers Wesen positiv charakterisiert wird, ist letztlich gleichgültig, das erstere ist aber einfacher.
Aha, der Identifikationsschablone werden natürlich gute Eigenschaften zugeschrieben, klar. Aber andererseits ist ein guter Charakter ja keine Schablone. Er hat Ecken und Kanten und sollte letztendlich dem Leser auch wie ein fremder Mensch anmuten, nicht wie der Leser selbst. Und dieses "lieb gewinnen" sollte doch eigentlich nicht auf Äußerlichkeiten beruhen, oder?
@ Schöne Menschen im RL
Ja, wenn sie jemanden manipulieren wollen vielleicht. Aber wie ich dir mit Körbchengröße D und recht hübschen Gesicht sagen kann, denken manche Menschen, dass die Körbchengröße umgekehrt proportional zur Intelligenz ist.
SnowWh1te schrieb:
Und was das "Banale" betrifft - das hat bestimmt auch seine Funktion. Aber einen Helden, nachdem man mühsam einen Spannungsbogen zum dramatischen Höhepunkt geschlagen hat, "aufs Klo zu schicken" (um das Bild mal beizubehalten), finde ich auch - merkwürdig. Damit machst du ja die ganze Arbeit der vorhergehenden Seiten wieder zunichte. Oder benutzt du so etwas dann als "retardierendes Moment".
Es sei denn natürlich, dir ging es von Anfang an nicht wirklich darum, ein dramatisches Finale herauszuarbeiten, sondern genau das zu konterkarieren. So ähnlich, wie wenn im Brecht'schen Theater bei den Liebesszenen Schilder Richtung Publikum gehalten werden, auf denen steht "Glotzt nicht so romantisch." Dann ist das natürlich genau die richtige Vorgehensweise. Was aus meiner Sicht nicht geht, ist beides gleichzeitig. Wenn der Held vor dem großen, dramatisch angekündigten Showdown oder dem Heiratsantrag bei der Angebeteten erst mal auf dem Thron sitzt, ist die Stimmung, die man vorher aufgebaut hat, sehr wahrscheinlich erst mal weg.
Bei Büchern hab ich schon etliches in der Hand gehabt, bei dem viel Wert auf die Beschreibung des Häßlichen und Banalen gelegt wurde (Klappentext so ungefähr: Die Antike lebt, sie schwitzt, sie pfurzt, sie schei*t...), und ich fand sie auf Dauer sehr mühsam zu lesen, zumal leider über den vielen äußerlichen Banalitäten häufig die inneren vergessen wurden.
Ich würze meine Dramen gerne mit einer Prise Realismus, das macht sie glaubwürdiger und irgendwie echter, denke ich jedenfalls. Denn wenn alles und jedes hochstilisiert wird, kann das meiner Meinung nach zu viel werden, und in die Seifenoper abrutschen. Und da ich in der Geschichte so schon äußerst schwere Geschütze aufgefahren habe, musste ich entsprechend mehr "normales" auch bringen.
Und diese aristokratische und unheilbar romantische Antagonistin wollte ich sowieso entzaubern. Nachdem die Leser sie die ganze Zeit als furchterregendes Monster betrachtet haben, habe ich absichtlich versucht dieses Bild am Schluss zu zerschmettern, indem ich das Gesicht hinter ihrer Maske zeige. Letztendlich wollte ich nämlich am Schluss die Grenzen zwischen den Bösen und den Guten verwischen, und dafür brauchte ich eine menschlichere Antagonistin.
Und außerdem war diese Metapher die treffendste. Dieser angespannte, verkniffene Gesichtsausdruck lässt sich schwerlich anders beschreiben.