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Beitrag #1, verfasst am 09.07.2009 - 20:31
Die Namensdiskussion im Fantasy Teil des Forums hat mich auf einen Gedanken gebracht. Ich habe schon bei mehreren Autoren den Eindruck gewonnen, dass sie lieber das Schöne beschreiben, als sich auf das Hässliche, Banale zu konzentrieren. Da war zum Beispiel die Autorin, die bevorzugt schöne Protagonisten beschreibt. Oder ein geschätzter Kritiker von mir, der die Metapher des "aufs Klo gehen" in einer dramatischen Situation für unpassend empfand. Oder die ebengenannte Diskussion, in der die Autoren nach möglichst schönen Namen suchen.

Ist das bei euch auch so? Das soll keine Beurteilung oder so etwas sein, mich interessiert nur, wie das gehandhabt wird.

Ich persönlich fand diese Beobachtung überraschend, weil ich liebend gerne Hässliches oder Banales beschreibe, auch bei meinen Protagonisten.
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Beitrag #2, verfasst am 09.07.2009 - 20:35
Das deckt nicht alles ab, was du jetzt wissen wolltest, aber ich mag es gerne, wenn meine Protagonisten irgendetwas haben, dass man vielleicht nicht unbedingt als typisch schön ansehen würde. In einer KG sagt der Ich-Erzähler sogar explizit (und das, obwohl er "sie" mag): "Sie sieht nicht hübsch aus." - Ich mag so was. Es gibt Personen Ecken und Kanten; nicht nur denen, die diese "Ecken" im Aussehen haben, sondern auch den beobachtenden, weil man sieht, wie sie darauf reagieren.

Sich auf das Schöne zu beschränken, ist in meinen Augen genauso langweilig wie unrealistisch. Es gibt nicht nur schöne Dinge und Menschen auf dieser Welt, gerade das macht sie aus und gerade das gibt allem einen Charakter.
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Beitrag #3, verfasst am 10.07.2009 - 04:06
Hm. Hängt das nicht ein bißchen davon ab, welche Wirkung du erreichen willst?

Daß ein "klassischer" Held in einer Geschichte (oder seine weibliche Form) normalerweise als attraktiv geschildert wird, finde ich nicht ungewöhnlich oder unlogisch. Mit diesem Protagonisten soll sich der Leser ja identifizieren und den soll er normalerweise lieb gewinnen. Also spricht man ihm positive Eigenschaften zu (den gelegentlichen Fehler natürlich auch), und weil der Mensch sein Gegenüber nun mal zu einem sehr großen Teil über die Augen beurteilt, ist es natürlich von Vorteil, wenn dieser "neue Bekannte", den man ihm da vorstellt, hübsch ist. Schöne Menschen haben's im RL auch leichter; dazu gibt's ja genügend Studien ^^. Ob der Held jetzt übers Aussehen oder übers Wesen positiv charakterisiert wird, ist letztlich gleichgültig, das erstere ist aber einfacher.

Und was das "Banale" betrifft - das hat bestimmt auch seine Funktion. Aber einen Helden, nachdem man mühsam einen Spannungsbogen zum dramatischen Höhepunkt geschlagen hat, "aufs Klo zu schicken" (um das Bild mal beizubehalten), finde ich auch - merkwürdig. Damit machst du ja die ganze Arbeit der vorhergehenden Seiten wieder zunichte. Oder benutzt du so etwas dann als "retardierendes Moment".

Es sei denn natürlich, dir ging es von Anfang an nicht wirklich darum, ein dramatisches Finale herauszuarbeiten, sondern genau das zu konterkarieren. So ähnlich, wie wenn im Brecht'schen Theater bei den Liebesszenen Schilder Richtung Publikum gehalten werden, auf denen steht "Glotzt nicht so romantisch." Dann ist das natürlich genau die richtige Vorgehensweise. Was aus meiner Sicht nicht geht, ist beides gleichzeitig. Wenn der Held vor dem großen, dramatisch angekündigten Showdown oder dem Heiratsantrag bei der Angebeteten erst mal auf dem Thron sitzt, ist die Stimmung, die man vorher aufgebaut hat, sehr wahrscheinlich erst mal weg.

Bei Büchern hab ich schon etliches in der Hand gehabt, bei dem viel Wert auf die Beschreibung des Häßlichen und Banalen gelegt wurde (Klappentext so ungefähr: Die Antike lebt, sie schwitzt, sie pfurzt, sie schei*t...), und ich fand sie auf Dauer sehr mühsam zu lesen, zumal leider über den vielen äußerlichen Banalitäten häufig die inneren vergessen wurden.
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Beitrag #4, verfasst am 10.07.2009 - 06:27
@Darth Pevra

Warum eigentlich? Stört dich das "Schöne" so sehr oder weil das scheinbar jeder bevorzugt?

Bei mir kommt es immer drauf an.
Manchmal sind Banalitäten oder Hässlichkeiten einfach nicht zweckmäßig, dann sollte man sie auch einfach ignorieren.
Andererseits ... ich liebe alles, womit man aufschrecken, ekeln, aus der heilen Welt reißen oder einfach nur verstören kann.
Aber - dosiert.
Hihi, bei meiner HdR-FF setze ich ja meine Protagonistin in Mittelerdes Wildnis aus - da ist von Dünnpfiff und Wurmbefall bis hin zu vergammeltem Essen oder kleine, aber saulästige Verletzungen alles mit bei.
Auch später kommen immer wieder gern irgendwelche Schocker.

Allerdings hat das Schöne, sofern als solches wahrnehmbar, auch seinen Platz.
Manche Bilder, die im Text gezeichnet werden, sind einfach schön.
Manchmal sind verstörende oder hässliche Dateils sehr wichtig dafür, um eine "Schönheit" überhaupt wahrnehmen zu können.
Oder um etwas als Schön wahrnehmen zu können, das man ohne diesen Kontrast überhaupt nicht beachtet hätte.

Nur Hässlichkeiten oder Banalitäten sind auf Dauer genauso langweilig wie nur Himmel auf Erden.

Und zu den Namen - ein Name muss nicht "schön" klingen, er muss etwas rüberbringen.
Klangbilder können ja sowohl hell und positiv wie auch duster und negativ sein, sie können "unrund" sein oder eben fließend, kurz und pragmatisch oder gedehnt und verspielt ...
Was ist hier hässlich?
Gibt es einen hässlichen Namen?
Ein Name kann eine hässliche Bedeutung haben oder mit einer hässlichen Sache assoziert werden, aber ist er deswegen wirklich nicht schön - wenn er aber da ist, wo er hingehört?


Grüße,
Vargr
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Beitrag #5, verfasst am 10.07.2009 - 10:24
Scholastika empfinde ich jetzt zum Beispiel als nicht schön. Oder die Form der Aussprache von Melanie oder Stefanie, die die alten Weiber in meinem Heimatdorf hatten. "Melaneee, Stefaneee."

Aber ja, auch ich tu mich schwer das Banale, Hässliche des Alltags in meinen Storys einzubringen. Ganz einfach, weil ich selbst nich lesen will, wie jemand auf's Klo geht. Wahrscheinlich bin ich zu verklemmt, oder was weiß ich. Aber Süskinds "Die Taube" habe ich nach dem Satz "Er pisste ins Waschbecken." weggelegt und nie wieder irgendwas von Süskind angefasst.
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Beitrag #6, verfasst am 10.07.2009 - 10:59
Vargr schrieb:
@Darth Pevra

Warum eigentlich? Stört dich das "Schöne" so sehr oder weil das scheinbar jeder bevorzugt?


Öh, nein. Ich wechsle liebend gerne hin und her. Je nach dem, wie mir danach ist eben. Ich wundere mich nur darüber, dass anscheinend so eine Präferenz auf das Schöne gelegt wird. Den umgekehrten Fall, die typische "alles ist Scheiße" Welt finde ich meistens auch nicht besonders spannend.

Vagr schrieb:
Und zu den Namen - ein Name muss nicht "schön" klingen, er muss etwas rüberbringen.
Klangbilder können ja sowohl hell und positiv wie auch duster und negativ sein, sie können "unrund" sein oder eben fließend, kurz und pragmatisch oder gedehnt und verspielt ...
Was ist hier hässlich?
Gibt es einen hässlichen Namen?
Ein Name kann eine hässliche Bedeutung haben oder mit einer hässlichen Sache assoziert werden, aber ist er deswegen wirklich nicht schön - wenn er aber da ist, wo er hingehört?


Grüße,
Vargr


Na selbstverständlich kann ein Name hässlich sein. Hässlich und schön sind subjektiv. Wenn ich sage, Name X ist hässlich, dann ist er das für _mich_ auch.

SnowWh1te schrieb:
Daß ein "klassischer" Held in einer Geschichte (oder seine weibliche Form) normalerweise als attraktiv geschildert wird, finde ich nicht ungewöhnlich oder unlogisch. Mit diesem Protagonisten soll sich der Leser ja identifizieren und den soll er normalerweise lieb gewinnen. Also spricht man ihm positive Eigenschaften zu (den gelegentlichen Fehler natürlich auch), und weil der Mensch sein Gegenüber nun mal zu einem sehr großen Teil über die Augen beurteilt, ist es natürlich von Vorteil, wenn dieser "neue Bekannte", den man ihm da vorstellt, hübsch ist. Schöne Menschen haben's im RL auch leichter; dazu gibt's ja genügend Studien ^^. Ob der Held jetzt übers Aussehen oder übers Wesen positiv charakterisiert wird, ist letztlich gleichgültig, das erstere ist aber einfacher.


Aha, der Identifikationsschablone werden natürlich gute Eigenschaften zugeschrieben, klar. Aber andererseits ist ein guter Charakter ja keine Schablone. Er hat Ecken und Kanten und sollte letztendlich dem Leser auch wie ein fremder Mensch anmuten, nicht wie der Leser selbst. Und dieses "lieb gewinnen" sollte doch eigentlich nicht auf Äußerlichkeiten beruhen, oder?

@ Schöne Menschen im RL
Ja, wenn sie jemanden manipulieren wollen vielleicht. Aber wie ich dir mit Körbchengröße D und recht hübschen Gesicht sagen kann, denken manche Menschen, dass die Körbchengröße umgekehrt proportional zur Intelligenz ist.

SnowWh1te schrieb:
Und was das "Banale" betrifft - das hat bestimmt auch seine Funktion. Aber einen Helden, nachdem man mühsam einen Spannungsbogen zum dramatischen Höhepunkt geschlagen hat, "aufs Klo zu schicken" (um das Bild mal beizubehalten), finde ich auch - merkwürdig. Damit machst du ja die ganze Arbeit der vorhergehenden Seiten wieder zunichte. Oder benutzt du so etwas dann als "retardierendes Moment".

Es sei denn natürlich, dir ging es von Anfang an nicht wirklich darum, ein dramatisches Finale herauszuarbeiten, sondern genau das zu konterkarieren. So ähnlich, wie wenn im Brecht'schen Theater bei den Liebesszenen Schilder Richtung Publikum gehalten werden, auf denen steht "Glotzt nicht so romantisch." Dann ist das natürlich genau die richtige Vorgehensweise. Was aus meiner Sicht nicht geht, ist beides gleichzeitig. Wenn der Held vor dem großen, dramatisch angekündigten Showdown oder dem Heiratsantrag bei der Angebeteten erst mal auf dem Thron sitzt, ist die Stimmung, die man vorher aufgebaut hat, sehr wahrscheinlich erst mal weg.

Bei Büchern hab ich schon etliches in der Hand gehabt, bei dem viel Wert auf die Beschreibung des Häßlichen und Banalen gelegt wurde (Klappentext so ungefähr: Die Antike lebt, sie schwitzt, sie pfurzt, sie schei*t...), und ich fand sie auf Dauer sehr mühsam zu lesen, zumal leider über den vielen äußerlichen Banalitäten häufig die inneren vergessen wurden.


Ich würze meine Dramen gerne mit einer Prise Realismus, das macht sie glaubwürdiger und irgendwie echter, denke ich jedenfalls. Denn wenn alles und jedes hochstilisiert wird, kann das meiner Meinung nach zu viel werden, und in die Seifenoper abrutschen. Und da ich in der Geschichte so schon äußerst schwere Geschütze aufgefahren habe, musste ich entsprechend mehr "normales" auch bringen.
Und diese aristokratische und unheilbar romantische Antagonistin wollte ich sowieso entzaubern. Nachdem die Leser sie die ganze Zeit als furchterregendes Monster betrachtet haben, habe ich absichtlich versucht dieses Bild am Schluss zu zerschmettern, indem ich das Gesicht hinter ihrer Maske zeige. Letztendlich wollte ich nämlich am Schluss die Grenzen zwischen den Bösen und den Guten verwischen, und dafür brauchte ich eine menschlichere Antagonistin.

Und außerdem war diese Metapher die treffendste. Dieser angespannte, verkniffene Gesichtsausdruck lässt sich schwerlich anders beschreiben.
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Beitrag #7, verfasst am 10.07.2009 - 11:42
Ninniach schrieb:
Aber Süskinds "Die Taube" habe ich nach dem Satz "Er pisste ins Waschbecken." weggelegt und nie wieder irgendwas von Süskind angefasst.


*LOL* ...klingt wie ein Buch für mich! "Das Parfüm" fängt ja auch erstmal mit einer sehr unhübschen Schilderung des Pariser Fischmarkts an, in die ein Baby unter dem Tresen "gerotzt" wird - Wortlaut habe ich nicht mehr im Kopf und das Buch damals nur ausgeliehen, aber so nett war das ungefähr ausgedrückt.

Für alle, die es eklig mögen: von Nick Cave "And the ass saw the angel" - ein Knaller nur für harte Mägen. "Feuchtgebiete" und "Fucking Berlin" sollen auch nicht gerade ohne sein, habe ich aber angesichts meines "noch-zu-lesen"-Bücherstapels erstmal nach ganz hinten verschoben.

Ich persönlich mag es ja, wenn es meinen Protagonisten den Magen umkrempelt oder sie unter Kopfschmerzen leiden - Migräneerfahrung juche! Aber mitten im spannensten Teil mal kurz jemanden aufs Klo zu schicken habe ich noch nicht geschafft *ggg*, klingt wie eine Herausforderung!

"...so, und jetzt gehen noch mal alle aufs Klo und dann reiten wir los!" - Bully Herbig lässt grüßen *gnigger*
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Beitrag #8, verfasst am 10.07.2009 - 11:56
Ich versuche Menschen zu beschreiben, keine Puppen. Die dürfen sich bei besonderen Anlässen auch gern mal hübsch machen. Aber Überhyperschönheiten gibt es auch in der Realität nicht. (Kommt mir jetzt nicht von wegen Illustrierte und so, denn Photoshop ist eine Weltmacht!)  

Richtig hässlich ist an sich kein Mensch, höchstens markant.
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Beitrag #9, verfasst am 10.07.2009 - 13:21
Ich finde, dass beides seinen Platz hat: Schön und Hässlich. Genauso wie Besonders und Banal.
Man muss halt abwägen, ob und wie sehr man beschreibt und schildert.
Eine Banalität am falschen Platz kann einem die ganze Spannung versauen, aber wenn nicht ab und zu auch mal das "normale Leben" vorkommt, dann kann eine Geschichte mit Besonderheiten überfrachtet werden.
Und bei schön und hässlich: Kaum ein Mensch ist makellos. Also sollten das die Personen in Geschichten auch nicht sein. Aber muss man denn jeden Leberfleck im Gesicht erwähnen?
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Beitrag #10, verfasst am 10.07.2009 - 13:49
Nuindae schrieb:
Aber muss man denn jeden Leberfleck im Gesicht erwähnen?


Nein, aber genauso wenig sollte jeder Makel unerwähnt bleiben. Wie du auch sagtest: Die Balance macht es.

Eine Figur kann auch schön oder hässlich sein, unabhängig von ihrem Aussehen. Das alte Klischee der inneren Werte.

Ich sehe es wie EvilSeverus: Menschen sind Menschen, mit Fehlern, Ecken und Kanten, auch was das Aussehen betrifft.
Abgrundtiefe Hässlichkeit ist genau so unrealistisch wie überragende Schönheit. Für mich macht beides die Figur irgendwie glatt, ungreifbar. Es hat zu sehr den Beigeschmack einer Schablone.
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Beitrag #11, verfasst am 10.07.2009 - 14:10
silverbullet27 schrieb:

*LOL* ...klingt wie ein Buch für mich! "Das Parfüm" fängt ja auch erstmal mit einer sehr unhübschen Schilderung des Pariser Fischmarkts an, in die ein Baby unter dem Tresen "gerotzt" wird - Wortlaut habe ich nicht mehr im Kopf und das Buch damals nur ausgeliehen, aber so nett war das ungefähr ausgedrückt.


Diesen Einstieg fand ich ungeheuerlich gut! Kann mich noch genau daran erinnern. Allerdings konnte ich mit diesem "zum Bösen vorbestimmt" blabla nichts anfangen.

silverbullet27 schrieb:

Ich persönlich mag es ja, wenn es meinen Protagonisten den Magen umkrempelt oder sie unter Kopfschmerzen leiden - Migräneerfahrung juche! Aber mitten im spannensten Teil mal kurz jemanden aufs Klo zu schicken habe ich noch nicht geschafft *ggg*, klingt wie eine Herausforderung!

"...so, und jetzt gehen noch mal alle aufs Klo und dann reiten wir los!" - Bully Herbig lässt grüßen *gnigger*


Hehe, das stille Örtchen wird in Geschichten allzu oft vernachlässigt. Mir fällt auch auf: Wenn der Held mal schwer verletzt wird, werden seine sonstigen Leiden schön breit ausgewälzt, aber die demütigende Bettpfanne wird fast nirgends erwähnt.
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Beitrag #12, verfasst am 10.07.2009 - 14:50
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zuletzt bearbeitet am 10.07.2009 - 14:56
hihi, das ist ein thread für mich. x3

ich beschreibe liebend gerne schönes, ich würde sogar sagen, mein stil ist irgendwo in der romantik-epoche stecken geblieben.
sogar hässliches beschreibe ich so, dass es einen auf seine weise schönen beigeschmack behält - ein blutstropfen ist nicht einfach rot, sondern eine rote perle und die sonne keine helle scheibe sondern ein flammendes auge.
obwohl natürlich auch wahlweise banale ausdrücke in meinen stories sind, ich kann ja nicht immer wie aus dem schmuckkästchen schreiben. wo es passt kommt es vor, wo es nicht anders geht, dort eben nicht. eine fleischwunde kann selbst ich nicht nett beschreiben. xD"

@Darth Pevra

im prinzip ist es nichts besonderes, dass die meisten menschen das schöne bevorzugen.
es ist eine ureigene eigenschaft von uns, dass wir dinge perfektionieren wollen und uns viel lieber mit sachen beschäftigen, die eine gewisse ordnung aufweisen. ein hässlicher mensch - so gemein wie es ist - erzeugt leider keine besonderen wohlgefühle. und genau so ist es auch mit geschichten, die wir lesen oder schreiben. zumindest meistens, auch hier gibt es bekanntlich preferenzen.
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Beitrag #13, verfasst am 10.07.2009 - 15:10
  •  
zuletzt bearbeitet am 10.07.2009 - 15:11
Warum ist das Banale so negativ behaftet?

Das Leben besteht aus vielen Banalitäten und gerade daher macht die Schilderung von banale Dinge eine Geschichte lebendig. Für mich sind viele banale Dinge schön, oder gerade banale Dinge können schön sein. Oder auch hässlich, je nachdem.

Im übrigen resultiert für mich aus der Vermeidung von eben jenen Banalitäten das Mary-Sue Phänomen. Eine Mary-Sue ist so gestaltet, dass sie alles andere als gewöhnlich sein soll.

Mary-Sues sind mittlerweile gewöhnlich geworden.

Und als Konsequenz werden schöne Dinge, bzw in diesem Fall Menschen mit immer außergewöhnlicheren Merkmalen versehen.
Waren es irgendwann man zwei verschiedene Lichtreflexe in den Haaren, sind es heute durchschnittlich 5-6 und das ist noch eine Untertreibung, leider.^^

Ein kleiner Teufelskreis. Irgendwie stumpft man auch auch. Das geht mir zumindest so. Wenn ich ständig über all diese ach so besonderen Besonderheiten lese, dann rührt mich das gar nicht mehr. Immer diese aufgesetzte Schönheit und dann wird wieder mit irgend etwas nachgedrückt um sich ja von der Masse abzuheben und alles versinkt mehr und mehr im Einheitsbrei.

Ist denn wirklich nur das Außergewöhnliche schön?
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Beitrag #14, verfasst am 10.07.2009 - 16:47
Darth Pevra schrieb:
Ich habe schon bei mehreren Autoren den Eindruck gewonnen, dass sie lieber das Schöne beschreiben, als sich auf das Hässliche, Banale zu konzentrieren.


Warum sollten sie das denn? Zumal ich mit Lucie Sakurazukamori übereinstimme, daß "häßlich" und "banal" zwei völlig verschiedene Begriffe sind.
Wenn häßliche Eigenschaften (innen oder außen, da mache ich keinen Unterschied) an einem bestimmten Punkt der Geschichte wichtig sind, dann müssen sie natürlich erwähnt und beschrieben werden - so drastisch wie nötig. Aber sonst? Das Häßliche hat genauso wenig einen Wert an sich wie das Schöne. Wenn es an einem Punkt der Geschichte keine Funktion erfüllt, gehört es da nicht hin.

Das Banale ist ein anderer Punkt. Vielleicht verstehe ich den Begriff falsch und du meinst ihn ganz anders, aber "banal" bedeutet für mich "belanglos" oder "trivial". Wenn etwas tatsächlich für den Fortgang der Geschichte unwichtig ist - sollte man es dann überhaupt ausführlich beschreiben? Was bringt es, wenn ich in allen Details über zwei Seiten beschreibe, wie jemand ein Hemd flickt, wenn weder das Flicken noch die Gedanken und Gefühle dabei  irgendwie wichtig sind? Realismus, gut. Aber ist das schon ein Wert an sich?

Darth Pevra schrieb:
Aha, der Identifikationsschablone werden natürlich gute Eigenschaften zugeschrieben, klar. Aber andererseits ist ein guter Charakter ja keine Schablone.


Ich kann mich auch nicht erinnern, das verlangt zu haben ^^. Ich meine sogar gesagt zu haben, man müsse einem Charakter "den gelegentlichen Fehler natürlich auch" zusprechen. Das ist aber doch wirklich eine Selbstverständlichkeit. Aber ob der Charakter nun tendentiell eher von der sonnigen, "heldenhaften" Sorte ist, also überwiegend positive Eigenschaften hat (zu denen dann mit Sicherheit auch gutes Aussehen gehört - was auch immer man darunter versteht), oder ob eine Figur zunächst einmal eher düster erscheint und man ihre liebenswerten Seiten erst nach und nach entdeckt, hängt doch völlig von der Art der Geschichte und der Erzählweise des Autors ab und ist ja auch nichts, was für die restliche Story unabänderlich festgelegt wäre.

Darth Pevra schrieb:
Ich persönlich fand diese Beobachtung überraschend, weil ich liebend gerne Hässliches oder Banales beschreibe, auch bei meinen Protagonisten.


Nur Häßliches und nur Banales? Ich vermute mal, nicht. Denn das wäre ganz ebenso eine "Schablone" wie nur Schönes. Gibt ja genug blasse Bösewichter, die auf diese Art konstruiert sind.

Wenn du eigentlich nur darauf hinaus willst, daß es keine einseitige Überbetonung geben darf, stimme ich dir rundum und ohne Vorbehalte zu. Aber ich werde eine Geschichte nicht schon alleine deshalb für besser halten als eine andere, weil der Hauptheld einen Klumpfuß, einen Buckel und einen Wasserkopf hat und drei Seiten lang auf dem Klo sitzt und sich über seine Hämorrhoiden beklagt.
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Beitrag #15, verfasst am 10.07.2009 - 17:14
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zuletzt bearbeitet am 10.07.2009 - 17:17
SnowWh1te schrieb:

Warum sollten sie das denn? Zumal ich mit Lucie Sakurazukamori übereinstimme, daß "häßlich" und "banal" zwei völlig verschiedene Begriffe sind.
Wenn häßliche Eigenschaften (innen oder außen, da mache ich keinen Unterschied) an einem bestimmten Punkt der Geschichte wichtig sind, dann müssen sie natürlich erwähnt und beschrieben werden - so drastisch wie nötig. Aber sonst? Das Häßliche hat genauso wenig einen Wert an sich wie das Schöne. Wenn es an einem Punkt der Geschichte keine Funktion erfüllt, gehört es da nicht hin.


Konzentrieren habe ich ja auch nur so dahingesagt. Allerdings hat "hässlich" oder "schön" in einer Geschichte schon einen gewissen Wert an sich, weil sie ja eine Stimmung übermitteln.

Eine hässliches Sumpfloch vermittelt eine ganz andere Stimmung als eine hübsche Weide.

SnowWh1te schrieb:
Das Banale ist ein anderer Punkt. Vielleicht verstehe ich den Begriff falsch und du meinst ihn ganz anders, aber "banal" bedeutet für mich "belanglos" oder "trivial". Wenn etwas tatsächlich für den Fortgang der Geschichte unwichtig ist - sollte man es dann überhaupt ausführlich beschreiben? Was bringt es, wenn ich in allen Details über zwei Seiten beschreibe, wie jemand ein Hemd flickt, wenn weder das Flicken noch die Gedanken und Gefühle dabei  irgendwie wichtig sind? Realismus, gut. Aber ist das schon ein Wert an sich?


Banal ist alles, das auf den Leser unspektakulär wirkt. Deswegen muss es aber nicht für die Charaktere oder gar den Plot irrelevant sein.
Ich habe in einer Geschichte zum Beispiel einen Charakter, der einen nutzlosen alten Ball sein eigen nennt. Ist für den Leser vorerst irrelevant, ist ja nur ein dummer Ball. Für die Charakterisierung im Hintergrund aber nicht ganz unwesentlich.

Und das jedes Wort irgendeinen Wert in einer Geschichte haben sollte, ist sowieso selbsterklärend. Ich dachte eigentlich, dass das unter Autoren offensichtlich ist und nicht absichtlich erwähnt werden müsste.

SnowWh1te schrieb:
Ich kann mich auch nicht erinnern, das verlangt zu haben ^^. Ich meine sogar gesagt zu haben, man müsse einem Charakter "den gelegentlichen Fehler natürlich auch" zusprechen. Das ist aber doch wirklich eine Selbstverständlichkeit. Aber ob der Charakter nun tendentiell eher von der sonnigen, "heldenhaften" Sorte ist, also überwiegend positive Eigenschaften hat (zu denen dann mit Sicherheit auch gutes Aussehen gehört - was auch immer man darunter versteht), oder ob eine Figur zunächst einmal eher düster erscheint und man ihre liebenswerten Seiten erst nach und nach entdeckt, hängt doch völlig von der Art der Geschichte und der Erzählweise des Autors ab und ist ja auch nichts, was für die restliche Story unabänderlich festgelegt wäre.


Klar, wenn die Autoren das eine oder andere wollen hab ich ja nichts dagegen. Ich finde nur persönlich eine tendenziell zu "schöne" oder "hässliche" Geschichte nicht so interessant zu lesen, aber das ist Geschmackssache. Ein Sue oder "absoluter Loser" darf halt nicht dabei herauskommen, denn dann ist es zu viel in die eine oder andere Richtung.

Trotzdem finde ich es nicht allzu gut wenn Schönheit oder Gesundheit mit gut gekoppelt wird, so wie du es in deinem ersten Post durch die Blume angesprochen hast. Unsere Gesellschaft ist ja so schon oberflächlich genug, da muss man ja nicht auch noch dazu beitragen, oder?
Dann doch lieber die inneren Eigenschaften herausstreichen.

SnowWh1te schrieb:
Nur Häßliches und nur Banales? Ich vermute mal, nicht. Denn das wäre ganz ebenso eine "Schablone" wie nur Schönes. Gibt ja genug blasse Bösewichter, die auf diese Art konstruiert sind.

Wenn du eigentlich nur darauf hinaus willst, daß es keine einseitige Überbetonung geben darf, stimme ich dir rundum und ohne Vorbehalte zu. Aber ich werde eine Geschichte nicht schon alleine deshalb für besser halten als eine andere, weil der Hauptheld einen Klumpfuß, einen Buckel und einen Wasserkopf hat und drei Seiten lang auf dem Klo sitzt und sich über seine Hämorrhoiden beklagt.


Hab ich in den Posts davor ja ohnehin gesagt, dass ich beides mache und eine Balance optimal finde (für mein persönliches Lesevergnügen). Lies bitte meine Posts, bevor du mit mir zu argumentieren anfängst. Ich hasse es nämlich, mich zu wiederholen (nichts für ungut).
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Beitrag #16, verfasst am 10.07.2009 - 17:57
@ Darth Pevra: Dann bitte ich um Verzeihung. Liegt mit Sicherheit an mir, ich habe öfters mal Probleme, Dinge in allen Einzelheiten zu begreifen und zu kapieren, wovon die Rede ist. Deine Ausführungen weiter oben hatte ich durchaus gelesen, aber nicht mit meinen Einwänden in Verbindung gebracht - die du auch nicht recht zu verstehen scheinst, kommt mir vor? Ich habe sehr den Eindruck, wir reden gerade massiv aneinander vorbei.

Übrigens glaube ich nicht, daß du richtig liegst, wenn du die Kopplung von "Schönheit" und "Gutsein" auf unsere oberflächliche Gesellschaft zurückführst, so gern ich die auch für alle Sünden verantwortlich machen würde. Schau dir mal die Helden bei Homer an, die wackeren Streiter und holden Damen im Nibelungenlied (samt einäugigem Bösewicht Hagen von Tronje), mal ganz zu schweigen von den Held(inn)en im Roman des neunzehnten Jahrhunderts. Für die Antike gibt es ja sogar den Begriff "Kalokagathia" - das "Schöngutsein".
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Beitrag #17, verfasst am 10.07.2009 - 18:13
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zuletzt bearbeitet am 10.07.2009 - 18:17
SnowWh1te schrieb:
@ Darth Pevra: Dann bitte ich um Verzeihung. Liegt mit Sicherheit an mir, ich habe öfters mal Probleme, Dinge in allen Einzelheiten zu begreifen und zu kapieren, wovon die Rede ist. Deine Ausführungen weiter oben hatte ich durchaus gelesen, aber nicht mit meinen Einwänden in Verbindung gebracht - die du auch nicht recht zu verstehen scheinst, kommt mir vor? Ich habe sehr den Eindruck, wir reden gerade massiv aneinander vorbei.

Übrigens glaube ich nicht, daß du richtig liegst, wenn du die Kopplung von "Schönheit" und "Gutsein" auf unsere oberflächliche Gesellschaft zurückführst, so gern ich die auch für alle Sünden verantwortlich machen würde. Schau dir mal die Helden bei Homer an, die wackeren Streiter und holden Damen im Nibelungenlied (samt einäugigem Bösewicht Hagen von Tronje), mal ganz zu schweigen von den Held(inn)en im Roman des neunzehnten Jahrhunderts. Für die Antike gibt es ja sogar den Begriff "Kalokagathia" - das "Schöngutsein".


Ja, das Gefühl habe ich irgendwie auch. Ich bin seit jeher ein sehr ungeschickter Diplomat, was daran liegen kann, das ich fast immer nur bloße Meinung präsentiere, ohne erklärende Ausführungen. Tut mir leid, wenn ich den falschen Eindruck vermittle.

Was früher war ist irrelevant, auch wenn das früher ebenso dumm oder vielleicht sogar noch dümmer gehandhabt worden ist. Wichtig ist, was jetzt ist und in Zukunft sein wird. Und wenn ich mir die Medien so ansehe ist es momentan suboptimal.
Worauf es zurückzuführen ist? Keine Ahnung. Vielleicht ist es uns biologisch einprogrammiert, möglich wäre es. Aber wie gesagt, man muss es ja nicht forcieren. Es dürfen ruhig auch mal die Guten hässlich und die Bösen hübsch sein. Optimal wäre es wohl, wenn Aussehen und "Gutheit" völlig unabhängig voneinander gehandhabt werden würden. Hmpf, ich träume wohl schon wieder.
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Beitrag #18, verfasst am 10.07.2009 - 19:23
Ich glaube, in der Frage, ob Schönheit in ihrer Bedeutung im täglichen Leben überbewertet ist, sind wir uns sogar hundertprozentig einig, Darth Pevra. Und den Wunsch, sich davon abzugrenzen, kann ich durchaus nachvollziehen.

Ich hab nur eine gewisse Scheu, alles, was früher war, als irrelevant zu bezeichnen. Man steht doch immer (ich nehme an, auch als Schreibender?) auf dem Boden von Traditionen. (Oder täusche ich mich da?) Und ich möchte eigentlich nicht etwas, was über Jahrhunderte hinweg immer wieder auftaucht, pauschal als "dumm" bezeichnen. Das impliziert, daß wir heute in diesem Punkt klüger wären. Vielleicht machen wir stattdessen ja nur einen anderen Fehler, den wir bloß noch nicht sehen?

Nur nochmal als Gedanke, zur Trennung von Aussehen und "Gutsein" (also äußerlicher und charakterlicher "Schönheit"), die du dir wünschen würdest: Glaubst du denn, daß so ein erster Eindruck wie das körperliche Aussehen einer Figur (mehr ist es ja nicht) unbedingt prägend sein muß für den gesamten Verlauf einer Geschichte? Und ist es nicht vielleicht sogar reizvoll (in manchen Genres sicher mehr als in anderen), mit den Eindrücken und Erwartungen des Lesers, die sich daraus ergeben, zu spielen? - Ich komme darauf, weil ich vor ein paar Wochen ein Buch gelesen habe, das genau das hervorragend gemacht hat. Ein Werk von tausend Seiten, neunzehntes Jahrhundert, ergo beide weiblichen Hauptpersonen natürlich absolut und uneingeschränkt wunderschön und die zugehörigen stattlichen Helden nicht minder. Und der Autor hat es trotzdem geschafft, daß alle paar Kapitel meine Haltung gegenüber den einzelnen Figuren sich komplett gedreht hat, von "Oh, ist der/die toll!" zu "Ich finde den/die einfach nur armselig und widerlich!" und wieder zurück - und dann das Ganze von vorn. Die Heldinnen waren unheimlich schön (und das war auch tatsächlich oft wichtig im Zusammenhang der Erzählung), und dennoch entstand meine Meinung beim Lesen letztlich aus ganz anderen Dingen. - Mein Eindruck dabei war: wenn die innere Entwicklung der Figuren in der Erzählung eine große Rolle spielt, verglichen mit der äußeren Handlung ("Action"), dann sind einseitig wunderschöne (oder abstoßend häßliche) Figuren viel leichter zu verschmerzen. Der Blick des Lesers wird dann sowieso schnell vom Äußeren weg gelenkt, und ganz andere Dinge zählen.
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Beitrag #19, verfasst am 10.07.2009 - 20:50
SnowWh1te schrieb:

Ich hab nur eine gewisse Scheu, alles, was früher war, als irrelevant zu bezeichnen. Man steht doch immer (ich nehme an, auch als Schreibender?) auf dem Boden von Traditionen. (Oder täusche ich mich da?) Und ich möchte eigentlich nicht etwas, was über Jahrhunderte hinweg immer wieder auftaucht, pauschal als "dumm" bezeichnen. Das impliziert, daß wir heute in diesem Punkt klüger wären. Vielleicht machen wir stattdessen ja nur einen anderen Fehler, den wir bloß noch nicht sehen?


Nun, wenn es genetisch ist, was ich sehr stark vermute, dann ist es tatsächlich unerheblich, weil es dann nicht gesellschaftlich bedingt ist. Gegen genetische Einflüsse lässt sich (noch) nichts machen, oder zumindest nur sehr schwerlich. Wenn man dem Trieb Logik entgegensetzen kann, dann, ja, dann vielleicht.

Okay, jetzt zu meiner Logik, warum es genetisch ist.
Bei der Partnerwahl wird immer nach dem fittesten Ausschau gehalten. Körperliche Attraktivität und Schönheit sind Signalfaktoren für Gesundheit und eine gute genetische Disposition. Klar gibt's auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen, aber das möchte ich jetzt nicht ausführen.

Und dementsprechend macht es Sinn, wenn dieser "Sinn für Schönheit" von vornherein ins Unterbewusstsein programmiert ist, im limbischen System oder sonst wo sitzt, und beim Betrachten eines schönen Menschen das Belohnungszentrum aktiviert. Und wenn das Belohnungszentrum aktiviert wird, finden wir einen Menschen automatisch auch sympathisch.

Und da ein Held immer auch sympathisch sein soll, um die Massen anzuziehen, ist es dementsprechend logisch ihn auch hübsch darzustellen. Aber natürlich ist das die Sichtweise einer Naturwissenschaftlerin. Ein Historiker wird vermutlich eher woanders nach den Ursachen Ausschau halten.

SnowWh1te schrieb:
Nur nochmal als Gedanke, zur Trennung von Aussehen und "Gutsein" (also äußerlicher und charakterlicher "Schönheit"), die du dir wünschen würdest: Glaubst du denn, daß so ein erster Eindruck wie das körperliche Aussehen einer Figur (mehr ist es ja nicht) unbedingt prägend sein muß für den gesamten Verlauf einer Geschichte? Und ist es nicht vielleicht sogar reizvoll (in manchen Genres sicher mehr als in anderen), mit den Eindrücken und Erwartungen des Lesers, die sich daraus ergeben, zu spielen? - Ich komme darauf, weil ich vor ein paar Wochen ein Buch gelesen habe, das genau das hervorragend gemacht hat. Ein Werk von tausend Seiten, neunzehntes Jahrhundert, ergo beide weiblichen Hauptpersonen natürlich absolut und uneingeschränkt wunderschön und die zugehörigen stattlichen Helden nicht minder. Und der Autor hat es trotzdem geschafft, daß alle paar Kapitel meine Haltung gegenüber den einzelnen Figuren sich komplett gedreht hat, von "Oh, ist der/die toll!" zu "Ich finde den/die einfach nur armselig und widerlich!" und wieder zurück - und dann das Ganze von vorn. Die Heldinnen waren unheimlich schön (und das war auch tatsächlich oft wichtig im Zusammenhang der Erzählung), und dennoch entstand meine Meinung beim Lesen letztlich aus ganz anderen Dingen. - Mein Eindruck dabei war: wenn die innere Entwicklung der Figuren in der Erzählung eine große Rolle spielt, verglichen mit der äußeren Handlung ("Action"), dann sind einseitig wunderschöne (oder abstoßend häßliche) Figuren viel leichter zu verschmerzen. Der Blick des Lesers wird dann sowieso schnell vom Äußeren weg gelenkt, und ganz andere Dinge zählen.


Mit den Erwartungen zu spielen ist natürlich toll. Aber diese Leute meinte ich nicht!

Ich meinte die, die völlig unreflektiert alles Gute so schön wie möglich machen und das Böse hässlich, und das bis zum Ende durchziehen. Man denke nur an die vielen Elfen und Orks in den Geschichten.

Mein Post war eher generell gemeint, es gibt natürlich Ausnahmen, wie die Geschichte, von der du mir gerade erzählt hast. Ich würde es so ausdrücken: man kann eine einseitige äußere Charakterisierung mit einer gelungenen inneren Charakterisierung ausgleichen, ja. Aber wenn man sich nicht unbedingt zum Ziel gesetzt hat, mit diesen Erwartungen zu spielen, tut es ein wilder Mix aus Hübschen und weniger Hübschen am besten. Weil dann nämlich von vornherein kein falscher Eindruck entstehen kann.
Hat keinen Genierer.
zuojenn
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Beitrag #20, verfasst am 12.07.2009 - 12:02
Ganz ehrlich? Ich mag es schön. Ja, nennt mich oberflächlich - aber ich schreibe lieber einen Roman über eine Figur, der ich hinterhersehen würde, als über jemanden, der mir auf der Straße nicht auffallen würde. Ich glaube, die meisten Leser mögen das auch, sie suchen quasi danach.

Ich habe einige äußerst gewöhnlich aussehende Protagonisten, andere haben offene "Schönheitsfehler", aber letztlich werden sie doch von den Lesern meist als hübsch empfunden. Beispiel? Einer meiner Protas wird wie folgt beschrieben: Große, schwarze Augen, schwarzes, strähniges Haar. Er ist blass, klein und zierlich und wirkt zwei Jahre jünger als er wirklich ist (und das mit 18) Nicht gerade das, worauf die Mädels in dem Alter stehen.
Ich würde ihn nicht als schön empfinden. Die meisten Leser tun das trotzdem.

Meinem derzeitigen Lieblingscharakter fehlt ne Hand. Das sieht auch nicht besonders schön aus. Er ist trotzdem der absolut Schönste <3 (c;
Letztlich ist es immer eine Frage der Perspektive. Wenn man Romanzen schreibt, sieht man die Figuren oft durch die rosarote Brille des Gegenübers. Da wird der dicke Hintern dann plötzlich zur weiblichen Rundung und ne dürre Hühnerbrust wird "zierlich".
Vielleicht neige ich dazu, meine Protas zu gern zu haben, daher beschreibe ich auch ihre optischen Mäkel meist irgendwie positiv.

Was ich persönlich nicht mag, sind ausschließlich schöne Helden und ausschließlich hässliche Antagonisten. Was dazu führt, dass meine bösen Gegenspieler oft noch etwas schöner sind, als die Helden *g*.
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Beitrag #21, verfasst am 09.07.2010 - 02:16
Ich liebe 'unästhetische' Details.
Gerade den Toilettengang finde ich eindeutig zu wenig beachtet. Bei vielen Krimis und Actionfilmen/-Büchern frage ich mich: 'Wie hält der das nur seit drei Tagen aus? Ich muss mindestens 6x pro Tag auf's Klo.'

Oder Pickel bei Teenager. Oder Zahnspangen.
War ich etwa der einzige, der während seiner Pubertät zum Kotzen aussah?

Apropos Kotzen... In so vielen Geschichten wird es dem Protagonist schlecht.
Aber in den wenigsten muss er sich übergeben.

Pickel, Pupsen, Schuppen, Übergewicht, Untergewicht, Stuhlgang, Urinieren, fettige Haare, abgekaute Fingernägel, Plattfüße, Hornbrille, Topffrisur, Segelohren, X-Beine, Hochwasserhosen, Zahnspange...

Ich will mehr davon!

Wir haben doch bereits genügend Schönheitsideale in der Werbung.
Her mit den glaubhaften Charakteren! Niemand ist perfekt! Perfektionismus ist unglaubhaft!
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Beitrag #22, verfasst am 09.07.2010 - 03:03
Ich finde, eine Geschichte braucht bei sowas Ausgeglichenheit. Es können ruhig ein paar Charaktere wirklich schön sein, aber eben gerne auch auf verschiedene Arten. Und im Moment lese ich gerade ein Buch, in dem einer der Protagonisten verkrüppelt, ein anderer stark vernarbt (kommt bei Kriegern wohl eher vor) und wieder ein anderer sehr gutaussehend ist. Das finde ich als Mischung interessanter, als die üblichen Verdächtigen. Der Gutaussehende hat nämlich auch das dazugehörige Ego (nicht ganz ohne Grund), der Krüppel hat mit Diskriminierung zu kämpfen und der Krieger wird von allen für dumm gehalten, obwohl er eigentlich recht schlau ist.

Len schrieb:
Apropos Kotzen... In so vielen Geschichten wird es dem Protagonist schlecht.
Aber in den wenigsten muss er sich übergeben.

Ist gar nicht so unrealistisch. Ich übergebe mich nur, wenn ich was Verdorbenes gegessen habe. Also wirklich nur alle Jubeljahre. Aber schlecht ist mir ziemlich häufig (im Moment zum Beispiel auch) und kotzübel wird mir auch öfter.

Len schrieb:
Pickel, Pupsen, Schuppen, Übergewicht, Untergewicht, Stuhlgang, Urinieren, fettige Haare, abgekaute Fingernägel, Plattfüße, Hornbrille, Topffrisur, Segelohren, X-Beine, Hochwasserhosen, Zahnspange...

Ich dachte Untergewicht wäre gerade in? Habe jedenfalls letztens die Steckbriefe einer MMFF gelesen, bei denen 9 von 10 Charakteren als untergewichtig beschrieben wurden. Außerdem habe ich noch nie verstanden, wieso Segelohren als Makel angesehen werden.
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Beitrag #23, verfasst am 09.07.2010 - 10:23
Ich denke, das 'Hässliche' gehört ebenso in eine Geschichte, wie das 'Schöne'. Was wäre das eine ohne das andere wert?

In mienem aktuellen Projekt habe ich auch zwei Leute, die nicht wirklich schön sind.
Die Frau hat keine Zähne mehr, nur noch ein paar schwarze Stummeln, nicht mehr sehr viele Haare und Hängebrüste. Habe ich auch so beschrieben und erntete von einem Testleser auch ein 'Musst du das so deutlich beschreiben?'. Ja, muss ich. Das ist in meiner Geschichte und der Zeit (12. Jahrhundert) nun einmal Realität.
Der Kerl hat eine breite Narbe quer über das ganze Gesicht. Hat dunkle Augen und Haare und lacht nie. Könnte durchaus bedrohlich wirken. Er ist aber der netteste Kerl in der ganzen Geschichte.

Das Pärchen, um das es in der Geschichte hauptsächlich geht, würde ich auch nicht unbedingt als superhübsch beschreiben. Sie ist etwas kräftiger gebaut, aber er findet sie unglaublich schön, eben wiel sie noch alle Zähne hat und gut riecht. Es braucht also die Beschreibung des 'Hässlichen', damit dieses 'Schöne' auch deutlich wird.

Hat doch alles auch was damit zu tun, wie realistisch eine Geschichte sein soll. Ich finde es langweilig, wenn immer alle toll aussehen, weil das nun mal nicht der Wahrheit entspricht. Das Argument, dass die Leser sich mit den Protas identifizieren möchte, mag stimmen. Aber sind alle Leser schlank, blond und blauäugig? Oder liest eine etwas pummeligere Leserin gern über eine dicke Frau, die die große Liebe findet?
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Beitrag #24, verfasst am 09.07.2010 - 10:30
Banalitäten wie den Toilettengang lasse ich beim Schreiben weg, es sei denn, der Protagonist befindet sich in einer Ausnahmesituation. Stinkende Eimer in Gefängniszellen werden erwähnt.

Wenn ich möchte, dass meine Protagonisten vom Leser als schön empfunden werden, beschreibe ich sie aus der Sicht einer Person, die sie schön findet. Mein Charakter Mordred könnte, nach allem was ich dem Leser mitgeteilt habe, ein hässliches Gesicht mit jeder Menge Narben haben - beschrieben habe ich nur seine Augen und sein Haar, die aber entsprechend positiv.

Die Beschreibung ist alles. Blaue Augen und blonde Haare sind nichts Außergewöhnliches, aber wenn man "saphirblau" und "goldblond" schreibt, klingt es schon viel besser.
Violette Augen und ähnliche Extravaganzen sind da gar nicht nötig.
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Beitrag #25, verfasst am 09.07.2010 - 11:13
Warum nicht mal hässliche Banalitäten einfügen? Wenn irgendwo mal erwähnt wird, dass der Held das stille Örtchen aufsucht oder sich an seinen Pickeln rumkratzt, wirkt er doch gleich viel menschlicher als der niemals pinkelnde Held mit der immer reinen Haut...
Was FSK Aussagen bedeuten:

FSK 12 bedeutet: Der Gute bekommt das Mädchen.
FSK 16 bedeutet: Der Böse bekommt das Mädchen.
FSK 18 bedeutet: Jeder bekommt das Mädchen.
 
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