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Beitrag #26, verfasst am 09.07.2010 - 11:25
Manchmal ist es gerade das Banale und/oder Hässliche, das einen Protagonisten menschlich macht. Und aufs Klo müssen sie alle einmal....
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Beitrag #27, verfasst am 09.07.2010 - 12:00
Ich habe mal eine Szene geschrieben, in der mein (ziemlich klein geratener und extrem kurzsichtiger) Protagonist den Versuch startet, als blinder Passagier zu reisen, jedoch erwischt wird, weil er pinkeln muss und einen geeigneten Ort dafür sucht. Und da der Kerl noch dazu an einem Wasch- und Hygienezwang leidet, ist es ihm unmöglich, mal eben dort zu urinieren, wo er sich noch weiterhin aufhalten muss.

Ein anderer Charakter in der selben Geschichte kann nicht pinkeln, wenn ihm andere dabei zuschauen. Noch dazu hat er Übergewicht und ist mit 18 noch Jungfrau.

Und meine weibliche Hauptperson ist auf den ersten Blick zwar durchaus gutaussehend, hat aber eine Essstörung.

So was brauche ich einfach, um mein eigenes Geschreibsel so faszinierend zu finden, dass ich dranbleibe. Es gibt nichts, was mich mehr langweilt als Perfektion. Und wenn ich mich im eigenen Bekanntenkreis so umsehe, hat absolut jeder Mensch irgendeine Macke, eine Krankheit, sonstige Probleme - auch wenn die oft kaum nach außen dringen.

Das ist wohl der Grund, warum ich reine Romanzen nicht besonders mag und mir nicht vorstellen könnte, jemals selbst eine "echte" Romanze zu schreiben. Da erwartet die Durchschnittsleserin (männliche Romanzenleser kenne ich bislang nicht) einfach hübsche, möglichst glatte Figuren - und selbst wenn Probleme da sind, werden diese meist im Laufe der Beziehungsentwicklung gelöst. *gähn*

Abgrundtief hässliche Menschen empfinde ich aber, wie bereits gesagt wurde, als ebenso flach. Ich will über Menschen lesen und schreiben, wie ich sie auf der Straße treffen könnte. Über Charaktere, die mich glauben lassen, dass ihre Erlebnisse irgendwo auf der Welt tatsächlich stattgefunden haben könnten. Über den Chef, der solchen Mundgeruch hat, dass ich beim bloßen Lesen beinahe ohnmächtig werde.

Wenn ein guter Plot mit einigen dieser realistischen Details gespickt ist, fühle ich mich beim Lesen lebendig. Das gilt auch für die Namensfrage. Überirdisch schöne Namen bringen mich bestenfalls zum Lachen ... es sei denn, bei den Trägern handelt es sich um Elfen. ^^

Kurz: Wenn es mich nur nach geballter Perfektion verlangt, fahre ich zu meiner Ma und hole Barbie und Ken aus dem Keller. In Geschichten, die mich wirklich beeindrucken, dürfen Realismus und ein wohl dosiertes Maß an Hässlichkeit auf keinen Fall fehlen.
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Beitrag #28, verfasst am 09.07.2010 - 13:52
ich würde sagen, dass das darauf ankommt, welche wirkung du erzielen willst.
ich würde z.b. nicht '"aufs klo gehen" verwenden, wenn die situation ernst ist ... soll es aber lustig werden, kann das durchaus passend sein. kommt also immer drauf an *g*
Ich hoffe, dass mir nie ein Tier ein Loch in den Kopf bohrt und seine Eier darin ablegt. Denn später denk ich vielleicht, ich hätte eine gute Idee, und dabei schlüpfen nur die Jungtiere. (Jack Handey)
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Beitrag #29, verfasst am 09.07.2010 - 15:34
katha-1988 schrieb:
ich würde sagen, dass das darauf ankommt, welche wirkung du erzielen willst.
ich würde z.b. nicht '"aufs klo gehen" verwenden, wenn die situation ernst ist ... soll es aber lustig werden, kann das durchaus passend sein. kommt also immer drauf an *g*


Huh? Ist der Toilettengang denn so unterhaltsam? oo"
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Beitrag #30, verfasst am 09.07.2010 - 16:22
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zuletzt bearbeitet am 09.07.2010 - 16:25
Hm, ich habe mal meinen Protas eine eigentlich sehr romantische Szene versaut, weil die Prota kurz vorher gereiert hat und außerdem pinkeln war und zwischenzeitlich keine Gelegenheit hatte, sich die Hände zu waschen. Worüber sie ihren Helden selbstredend informiert hat.
Wurde trotzdem noch romantisch
Und Action oder Horrorszenen bieten sich sehr an, mal jemanden in die Hose machen zu lassen.
Das sehe ich dann aber nicht als hässlich, sondern Realismus.
Auch Narben, ein paar Pfund zu viel auf den Rippen oder sowas würde ich nicht unter "hässlich" verbuchen.

Mein aktueller Held ist kurzfristig hässlich, und zwar nicht zu knapp. Er hat einen Vollbart *uah*, kleckert sich Essen in diesen und stinkt wie ein Otterbock. Aber man warte es ab - denn nach drei Kapiteln wird der Kerl rasiert und gewaschen ... und dann: wub
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Beitrag #31, verfasst am 09.07.2010 - 16:24
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zuletzt bearbeitet am 09.07.2010 - 16:26
Ich kann das kurz beantworten: Mir ist auch in RL fast nichts Menschliches fremd (sprich, ich kann mich zwar selbst sehr gut benehmen, aber mehr als eine gelüpfte Augenbraue, wenn wer in einem Öffi ausgiebig und genussvoll furzt, wirds von mir nicht geben)

Wem das jetzt schon zu derb an Sprache war, ich habe es jetzt bewusst - dem Thema zuliebe - so formuliert.

Daher hab ich mit diesen Texten oder entsprechenden Textpassagen kein Problem, außer ich merke es wirkt aufgesetzt. Selber schreiben ist auch kein Problem, nur in viele Fanfictions passts in größerer Dichte nicht hinein. Das ist halt eher was füs Originale.

Aber ich sag Folgendes: Wenn ich mir bei einem Prota nicht wenigstens _vorstellen_ kann, dass er ***, **** und **** macht (das ist jetzt für die verbal eher reservierten Autoren und Leser) dann hat er imo schon so ein bisschen den Touch des Abgehobenen.

Natürlich sind das keine tragenden Handlungselemente, aber beiläufig eingestreut werden die Charas dadurch halt schon viel griffiger.
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Beitrag #32, verfasst am 09.07.2010 - 17:09
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zuletzt bearbeitet am 09.07.2010 - 17:10
Ich muss zugeben, dass ich es bei langen Geschichten nicht leicht übers Herz bringe, meinen Hauptcharakteren Namen zu geben, die mir nicht gefallen, und ich schaffe es auch nicht wirklich, sie hässlich oder eklig zu machen.
Immerhin hatte ich schon einen Schwerstkranken dabei, der auch dementsprechend ausgemergelt und schlecht aussah, und in der selben Geschichte sind die Leute auch nicht wirklich besonders gut gewaschen ^^ Eine weitere spielt zuerst eine Zeitlang in der Pathologieabteilung eines Spitals (nicht wirklich lecker) und dann mit Zombies (auch nicht lecker).

Und in meinen Kurzgeschichten kommen eigentlich beinahe nur entweder absolut durchschnittliche, oder wirklich eklige Leute vor (ob nun äußerlich oder innerlich).
Das heißt ... ich mag das Unschöne und den Ekel eigentlich ganz gern beschreiben.
Aber Charaktere, die mich länger begleiten, sind trotzdem meistens ansehnlich. Keine Ahnung, wieso.
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Beitrag #33, verfasst am 09.07.2010 - 17:23
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zuletzt bearbeitet am 09.07.2010 - 17:31
Len schrieb:
katha-1988 schrieb:
ich würde sagen, dass das darauf ankommt, welche wirkung du erzielen willst.
ich würde z.b. nicht '"aufs klo gehen" verwenden, wenn die situation ernst ist ... soll es aber lustig werden, kann das durchaus passend sein. kommt also immer drauf an *g*


Huh? Ist der Toilettengang denn so unterhaltsam? oo"


Toilettenszenen wirken vermutlich deshalb oft (unfreiwillig) komisch, weil Ausscheidungen jedweder Art zu den wenigen Dingen gehören, die dem "modernen Menschen" noch peinlich sind. Nicht umsonst gibt es Toilettensitze mit übertönenden Geräuschen. ^^


zuojenn schrieb:
Auch Narben, ein paar Pfund zu viel auf den Rippen oder sowas würde ich nicht unter "hässlich" verbuchen.


Hmm, hier kommt es für mich auf die Ausprägung an. "Ein paar Pfund zu viel" oder "adipös", das ist doch ein Unterschied; ebenso wie "ein, zwei Narben" oder "Brandopfer".

Aber Hässlichkeit muss sich ja nicht ausschließlich auf die Optik beziehen. In einer meiner absoluten Lieblingsgeschichten auf FF.de wird z.B. Krebs als "unvergleichlich hässlich" bezeichnet, was einfach passt wie die Faust aufs Auge - und auf der Hässlichkeitsskala garantiert schwerer wiegt als - Verzeihung - ein fetter Arsch etc. ^^


Artanis schrieb:
Aber Charaktere, die mich länger begleiten, sind trotzdem meistens ansehnlich. Keine Ahnung, wieso.


"Ansehnlich" finde ich durchaus okay. Eine richtig üble Hackfresse gibt es unter meinen Protas auch nicht. ^^ Ich denke auch, dass der Großteil der Erdbevölkerung ansehnlich genannt werden kann und somit ist das auch glaubhafter, als wenn ein Quasimodo 2 daherkommt.

Nur diese wundertollen, supersexy Schmachtehelden nerven mich gewaltig ... und bei denen kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sie je aufs Klo gehen.
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Beitrag #34, verfasst am 09.07.2010 - 17:32
Wind-up Bird schrieb:
Nicht umsonst gibt es Toilettensitze mit übertönenden Geräuschen. ^^


So einen brauch ich. Wo gibt's die? O.O
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Beitrag #35, verfasst am 09.07.2010 - 17:45
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zuletzt bearbeitet am 09.07.2010 - 17:47
http://www.tagesspiegel.de/zeitung/revolution-von-unten/1513616.html

Guck mal unter "Otohime" bzw. "Geräuschprinzessin" (ganz unten).

Ich glaube aber, direkt in Deutschland kann man die nicht kaufen, zumindest habe ich so spontan nichts in die Richtung gefunden.

Edit: Ein Sitz ist das doch nicht, hatte ich falsch in Erinnerung. Aber eigentlich ziemlich praktisch. ^^
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Beitrag #36, verfasst am 09.07.2010 - 18:01
Wind-up Bird schrieb:
Nur diese wundertollen, supersexy Schmachtehelden nerven mich gewaltig ... und bei denen kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sie je aufs Klo gehen.


Er darf bei mir durchaus ein wundertoller supersexy Schmachtheld sein, solange er es nur für die Person ist, die in ihn verknallt ist, und nicht einerseits auch noch für alle anderen Frauen (und Männer vielleicht auch noch), andererseits nicht dem Leser dieser Geschmack auch noch aufgezwungen wird (ich weiß, ich drücke mich gerade etwas konfus aus (; ) Allerdings muss es, wenn die Person nicht gerade ein Teenager ist (sorry, grobe Verallgemeinerung) auch nicht ständig erwähnt werden, wie wunderschön seine Augen und Haare sind, und wie muskulös sein Rücken ist. Ein paar Schmachtmomente dürfen für mich aber schon dabei sein, ob nun beim Schreiben, oder beim Lesen.
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Beitrag #37, verfasst am 09.07.2010 - 18:20
Die subjektive Wahrnehmung ist sowieso eine tolle Sache. Für mich ist mein Mann schließlich auch der schönste Mann unter der Sonne, auch wenn er objektiv betrachtet keine klassische Schönheit ist - ebensowenig wie ich selbst.

Und in dem Augenblick, in dem ein Mensch aufgrund der Gefühle für ihn für einen anderen Menschen attraktiv wird, verlässt das Ganze ja auch schon wieder die totale Perfektions-Ebene, die ich halt so gar nicht mag.

(Okay, ich drücke mich auch konfus aus. ^^)
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Beitrag #38, verfasst am 09.07.2010 - 18:25
Im Grunde genommen kann man sich jeden Charakter 'schön reden'.
Ich hab z.B. ein etwas molliges Mädchen aus Sicht des Protagonisten beschrieben. Und da er sie toll fand, wurde aus dem Speck halt eine Ansammlung von weichen Hügeln. ^^
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Beitrag #39, verfasst am 09.07.2010 - 21:38
@len
an sich ja eigentlich nicht ... aber ich glaub, ich würd erst mal vor lachen auf dem boden liegen und dann in fassungslosen staunen versinken, wenn ich mitten in einer es-geht-um-leben-und-tod-schlacht lesen würde :"du sorry ... kurze unterbrechung ... ich muss mal schei*en ... dann kömma uns ja weiter die messer um die ohren werfen" :-D
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Beitrag #40, verfasst am 09.07.2010 - 21:40
katha-1988 schrieb:
@len
an sich ja eigentlich nicht ... aber ich glaub, ich würd erst mal vor lachen auf dem boden liegen und dann in fassungslosen staunen versinken, wenn ich mitten in einer es-geht-um-leben-und-tod-schlacht lesen würde :"du sorry ... kurze unterbrechung ... ich muss mal schei*en ... dann kömma uns ja weiter die messer um die ohren werfen" :-D


Wenn ein Autor so unfähig wäre müsste ich auch lachen.
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Beitrag #41, verfasst am 09.07.2010 - 23:27
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zuletzt bearbeitet am 09.07.2010 - 23:28
katha-1988 schrieb:
@len
an sich ja eigentlich nicht ... aber ich glaub, ich würd erst mal vor lachen auf dem boden liegen und dann in fassungslosen staunen versinken, wenn ich mitten in einer es-geht-um-leben-und-tod-schlacht lesen würde :"du sorry ... kurze unterbrechung ... ich muss mal schei*en ... dann kömma uns ja weiter die messer um die ohren werfen" :-D

So eine Szene halb in der Ausführung gibts in einem der frühen offiziellen Star Trek Romane. Kurz vor einem Kampf befindet sich eine Prota mit Spock alleine auf der Brücke und muss mal schnell pinkeln gehen.

Ich weiß von dem Roman sonst fast nichts mehr aber _das_ blieb haften (es war übrigens weder ordinär noch unnötig, einfach eine sehr humorvolle Untermalung des Szenarios - die Prota gehört eher zu denen, die nicht so perfekt durch die ansonsten so feine ST-Welt gelaufen sind - eine wahre Wohltat)
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