Punk-Kiwi schrieb:
... und wenn doch dann total in die falsche Richtung wie ich finde (Stichwort: Stockholm Sydrom etc)
Das Stockholm-Syndrom wird oft einfach nicht richtig, bzw falsch verwendet. Oft liest man, wie sich ein Vergewaltigungs-/Missbrauchsopfer in seinen Peiniger verliebt, sich emotional abhängig macht, ihn sogar verteidigt, unterstützt und seine Machenschaften vertuscht. Im Sinne des Stockholm-Syndroms jedoch dient ein solches Verhalten (oft unbemerkt) dem eigenen Selbstschutz.
Die Opfer sind nicht wirklich, warhaftig verliebt. Sie nehmen die Realität verzerrt wahr, sympathisieren mit dem Täter, weil er oft der einzige soziale Kontakt ist, den sie haben. Dass ein Vergewaltiger oder Missetäter in seinem Opfer aufrichtige Liebe für ihn hervorrufen kann, bezweifle ich sehr stark und ich halte dies auch für völlig realitätsfremd.
Jemand, der die komplette Selbstaufgabe und -kontrolle eines Menschen durch einen gewaltätigen Peiniger damit legitimiert, dass das Opfer ihn doch "liebt", sollte sich meiner Meinung nach ein bisschen mehr mit der Materie an sich, sowie Kindheitstraumata befassen, die ein solchen Verhalten auslösen und aufrechterhalten können.
Ich halte es beispielsweise für eine Frechheit, selbst in Fanfictions zu behaupten, dass ein Opfer Vergnügen daran hat, vergewaltigt und misshandelt zu werden, weil es den Täter liebt. Es gibt Menschen, die es deshalb, vielleicht sogar mit positiven Gefühlen, über sich ergehen lassen, weil sie in ihrer Kindheit von einem nahestehenden Familienmitglied missbraucht wurden. Hat der Vater zum Beispiel seine Tochter in jungen Jahren regelmäßig vergewaltigt und ihr vorgegaukelt, dies aus Liebe zu tun, bzw behauptet, der Geschlechtsverkehr sei ein Beweis seiner innigen Liebe, kann sich ein Kind sehr lange einreden, dass dies der Wahrheit entspricht und ein Mensch, der es vergewaltigt, Liebe für es empfinden muss, wodurch eine Gegenliebe und eine Abhängigkeit wie früher zum Vater ausgelöst werden kann.
Aber eine so plausible Begründung findest du ja doch sehr selten in Stories. Da heißt es nur plump "Die Vergewaltigung ist doch okay, schließlich ist der Vergewaltiger sehr sexy, darum muss es dem Opfer doch zwangsläufig gefallen!"