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Beitrag #1, verfasst am 16.01.2010 - 14:48
Immer wieder gerne gelesen und geschrieben: Geschichten, in denen die Protagonisten richtig heftig leiden müssen. Und merkwürdigerweise sind es gerade die beliebtesten Figuren, denen der Autor/die Autorin so übel mitspielt. Aber warum eigentlich?
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Dark Crystal
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Beitrag #2, verfasst am 16.01.2010 - 15:13
Puhh,warum? Ich glaube das kann ich schwer sagen,aber ich finde,meine Protas wachsen mir
so ans Herz. Was wäre denn eine Welt voll Friede-Freude-Eierkuchen? Ich für meinen Teil
lasse meine Protagonisten sehr gerne leiden,so werden sie auch reifer,erfahrener.
Und es ist wohl auch so,das ich dann Mitleid mit ihnen habe,doch sie müssen dadurch,koste
es was es wolle. Aber ich denke,ich bin da noch gnädiger als andere Autoren,auch wenn
ich meine sehr gerne leiden lasse,es bleibt im Maße des Erträglichem. (;
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Beitrag #3, verfasst am 16.01.2010 - 15:19
"richtig heftig leiden müssen" ist ja ein dehnbarer Begriff.

Aber mal ehrlich: Wer will einem Protagonisten dabei zusehen, wie er morgens aufsteht, Kaffee kocht, einer geregelten Arbeit nachgeht und den Abend und das Wochenende in sinniger Einvernehmlichkeit mit seiner Familie verbringt.
So ein Schnuckelchen sollte man zu Hause haben
Lesen und schreiben tut man andere Sachen.
Das Leben läuft nicht immer rund. Die Erde auch nicht, aber dennoch dreht sie sich weiter.
zuojenn
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Beitrag #4, verfasst am 16.01.2010 - 15:47
Weia, ich fühle mich angesprochen.
Ich habe mir diese Frage auch schon mehrfach gestellt, ich lasse nämlich auch konsequent meine Lieblingsfiguren leiden, während die anderen mehr oder weniger "sicher" vor mir sind.Mir gefällt das nicht, überhaupt nicht. Ich tu das ungerne, ich *lese* das nicht mal gerne. Wenn ich merke, dass jemand sinnlos explizit beschrieben gefoltert wird, dann bin ich sofort weg.

Und trotzdem schicke ich meine Protas eigentlich immer durch die persönliche Hölle. Nur ein leidender Held ist ein guter Held. (Weibliche Helden miteingeschlossen).
Bescheuert? Irgendwie schon, ja.
Aber es ist zu schön, wenn sie sich aus dieser Hölle heraus kämpfen, wenn sie daran erstarken und das möglich machen, was sie zuvor aussichtslos hielten, auch wenn es nur ist, dass sie an der "Hölle" nicht zerbrechen, auch wenn letztlich alles schief ging.
Eine Figur kann eben am meisten leisten, wenn sie schon am Boden lag, nochmal nachgetreten wurde, und sie dann wieder aufsteht.
Vermutlich will man sowas sehen. Heldenhaftes wieder aufstehen, oder gnadenlose Niederlage. Vermutlich gibt's davon im wahren Leben zu wenig.
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Beitrag #5, verfasst am 16.01.2010 - 15:48
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zuletzt bearbeitet am 16.01.2010 - 15:53
Naja, die Idee hinter Geschichten ist ja eigentlich "Konflikt". Ein Charakter will was, aber a) die Welt b) jemand anders oder c) er selbst verhindern, dass er sein Ziel erreicht. Nur so werden Geschichten letzlich spannend. Glaube ich. Man möge mich notfalls korrigieren.

Woher dieser Trend zu "Oh, ich bin ja so sadistisch" kommt, kann ich mir nicht wirklich erklären. Auch diese Steckbrief-Fragen mit "Was ist das schlimmste, was du deinen Charakteren angetan hast?", wo einige dann begeistert irgendwelche Verstümmelungen aufzählen. Ja. Hey. Ganz große Erzählkunst.

In anderen Worten: Wenn ein Charakter versucht, durch die Hölle zu gehen, bin ich als Leser dabei - ob er's nun schafft oder nicht. Aber wenn es nur den Charakter und nur die Hölle gibt, ohne irgendwelche Gehversuche oder irgendwelche verzweifelten Pläne und Versuche und Kämpfe... Dann ist das für mich keine Geschichte, sondern eine Krankenhausakte.

Das werden andere aber anders sehen. Die Hälfte der hochgelobten Weltliteratur besteht aus irgendwelchen depressiven Momentaufnahmen ohne Entwicklung und Handlung.
"Writing is like sausage making in my view; you'll all be happier in the end if you just eat the final product without knowing what's gone into it."
— George R.R. Martin
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Beitrag #6, verfasst am 16.01.2010 - 15:56
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zuletzt bearbeitet am 16.01.2010 - 15:58
phazonshark schrieb:

In anderen Worten: Wenn ein Charakter versucht, durch die Hölle zu gehen, bin ich als Leser dabei - ob er's nun schafft oder nicht. Aber wenn es nur den Charakter und nur die Hölle gibt, ohne irgendwelche Gehversuche oder irgendwelche verzweifelten Pläne und Versuche und Kämpfe... Dann ist das für mich keine Geschichte, sondern eine Krankenhausakte.


Etwa das wollte ich sagen. Es gibt da einen sehr schmalen Grad zwischen "leiden lassen" und "leiden lassen".
Ich kann als Leser schrecklich mit den Figuren mitleiden, wenn das Ganze einen Sinn und seine Notwenigkeit hat. Von mir aus auch explizit und wirklich grausam. Dann heule ich auch gerne mal mit
Aber wenn ich merke: Da will der Autor nur demonstrieren, mit welcher Fantasie, Kreativität und Detailgenauigkeit er psychische und/oder physische Foltermethoden aufs Papier bringt, dann stößt mich das ab und ich bin weg, bzw. mache das Buch zu.
Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man sich literarisches Blutvergießen erst mal verdienen muss. Gefiel mir ganz gut, der Satz.
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Beitrag #7, verfasst am 16.01.2010 - 16:01
Hi
Ist "whump" ein Wort dafür`?

Äh... weiss nicht. Also was ich momentan schreibe interessiert mich einfach und ich fand es interessant, sowas als eigene Geschichte zu schreiben.
Schwer zu sagen warum ICH es selbst gelesen habe, aber ich habe es geschrieben, weil es mich vom Thema her interessiert und ich schon viel dazu gelesen habe
LG Seraphin
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Beitrag #8, verfasst am 16.01.2010 - 16:07
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zuletzt bearbeitet am 16.01.2010 - 16:09
MrsAnthony schrieb:
Immer wieder gerne gelesen und geschrieben: Geschichten, in denen die Protagonisten richtig heftig leiden müssen. Und merkwürdigerweise sind es gerade die beliebtesten Figuren, denen der Autor/die Autorin so übel mitspielt. Aber warum eigentlich?


Ich will bei meinen Lesern starke Emotionen hervorrufen, weil sie dann dran bleiben. Die meisten wollen nicht nur aus der Distanz ein Abenteuer analysieren, nein, sie wollen mit hinein gezogen werden in den Strom der Ereignisse und die Geschichte so erleben, als wären sie ein Teil davon. Und das geht am besten, wenn sie sich mal mitfürchten, mal mitlachen, mal mitweinen, mal hämisch grinsen, mal mithassen usw. Und das negative Spektrum der Emotionen kann man einfach besser im Leser erzeugen, wenn es um etwas sehr wichtiges geht, und die Protas in hässliche Situationen hineingestoßen werden. Konflikt eben, wie phazonshark es so schön schon gesagt hat. Die beliebten Charas werden dafür natürlich genommen, weil der Leser sich mit diesen noch viel mehr identifiziert. Man kann aber auch einen verhassten Bösewicht leiden lassen, um dem Sadismus im Leser ein bisschen Nahrung zu liefern.

Für den Autor ist das natürlich eine gewisse Gradwanderung, da er Gefühle wie Angst, Hass und Leid in sich selbst hervorrufen muss, um sie darzustellen. Aber ich persönlich mag das, weil ich wohl etwas masochistisch bin, hm.
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And it seems to you the thing to do would be to isolate the winner
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Beitrag #9, verfasst am 16.01.2010 - 16:14
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zuletzt bearbeitet am 16.01.2010 - 16:16
Hm, einerseits ist es, wie bereits gesagt worden ist, sicher interessanter, einer Figur dabei zuzusehen, wie sie mit Probemen umgeht, als sie nur beim harmonischen Frühstücken mit der Familie zu beobachten. Andererseits ... vielleicht gibt es uns, wenn die Figur durch die sprichwörtliche/wortwörtliche Hölle geht und trotzdem wieder aufsteht, ja auch irgendwo die Zuversicht, dass wir selbst auch wieder aufstehen können? Die eigenen Probleme sind ja meist nicht so extrem wie die in Geschichten, aber für das Inividuum bedeuten sie trotzdem die Welt. Vielleicht wollen wir einfach hören, dass am Ende alles zumindest wieder halbwegs gut wird (wie in den Märchen, eben, nur evtl etwas realistischer ;P). Ist nur eine Vermutung.

...Hmhm, obwohl, wenn ich so darüber nachdenke - wenn ich schreibe, dann will ich vor allem eines: Wissen, wie meine Figuren, wie gerade diese Figuren, mit der Situation umgehen, wie sie darauf reagieren - ob sie daran zerbrechen oder nicht. Und wenn ich das weiss, dann frage ich mich, wieso (sie zerbrochen sind oder eben nicht). Manchmal will ich auch wissen, wie es danach weitergeht, wie sie weiterleben - oft aber auch nicht.
...
Toll, ich merke gerade, ich habe eigentlich keine Ahnung.
... Ich will einen Keks.

phazonshark schrieb:
In anderen Worten: Wenn ein Charakter versucht, durch die Hölle zu gehen, bin ich als Leser dabei - ob er's nun schafft oder nicht. Aber wenn es nur den Charakter und nur die Hölle gibt, ohne irgendwelche Gehversuche oder irgendwelche verzweifelten Pläne und Versuche und Kämpfe... Dann ist das für mich keine Geschichte, sondern eine Krankenhausakte.

Ich glaub, da bin ich dabei. Ich kann mich jedenfalls an kein Werk erinnern, das einfach nur depri ist und mir gefallen hat (The Catcher in the Rye/Der Fänger im Roggen hat ja auch am Ende einen wunderbaren Lichtmoment).
(Overheard at Macy's in New York:)
Interviewer, trying to convince interviewee: "There's not much of a future in being an elf."

... der hat doch keine Ahnung.
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Beitrag #10, verfasst am 16.01.2010 - 16:26
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zuletzt bearbeitet am 16.01.2010 - 16:29
zuojenn schrieb:
Weia, ich fühle mich angesprochen.
Ich habe mir diese Frage auch schon mehrfach gestellt, ich lasse nämlich auch konsequent meine Lieblingsfiguren leiden, während die anderen mehr oder weniger "sicher" vor mir sind.Mir gefällt das nicht, überhaupt nicht. Ich tu das ungerne, ich *lese* das nicht mal gerne. Wenn ich merke, dass jemand sinnlos explizit beschrieben gefoltert wird, dann bin ich sofort weg.

Und trotzdem schicke ich meine Protas eigentlich immer durch die persönliche Hölle. Nur ein leidender Held ist ein guter Held. (Weibliche Helden miteingeschlossen).
Bescheuert? Irgendwie schon, ja.
Aber es ist zu schön, wenn sie sich aus dieser Hölle heraus kämpfen, wenn sie daran erstarken und das möglich machen, was sie zuvor aussichtslos hielten, auch wenn es nur ist, dass sie an der "Hölle" nicht zerbrechen, auch wenn letztlich alles schief ging.
Eine Figur kann eben am meisten leisten, wenn sie schon am Boden lag, nochmal nachgetreten wurde, und sie dann wieder aufsteht.
Vermutlich will man sowas sehen. Heldenhaftes wieder aufstehen, oder gnadenlose Niederlage. Vermutlich gibt's davon im wahren Leben zu wenig.


Dito in allen Punkten oO

Ich gestehe, dass ich selbst zu dieser Fraktion gehöre, wenn ich selbst schreibe zumindest. Es gibt einen eindeutigen Unterschied zwischen den Dingen die ich schreibe und denen, die ich selbst lesen würde.

Grundsätzlich kann und wird früher oder später jeder Charakter von mir, im übertragenen Sinne, ins Fegefeuer geworfen. Wie zuojenn bereits sagte, geht es dabei nicht darum, ihm möglichst viel Leid widerfahren zu lassen, es geht darum, ihm da wieder raus zu helfen. (Vielleicht ist es sogar soetwas wie Hurt/Comfort zwischen Chara und Autor?)
Es macht mir Freude, wenn ich einen Charakter habe, der nicht aufgibt, immer wieder aufsteht und am Ende dafür belohnt wird. In meinen Geschichten sterben auch äußerst selten Charaktere und wenn, dann keine, deren Gedanken ich in irgendeiner Form in der Story einmal berührt habe. Da habe ich eine regelrechte Hemmung.

Eine Besonderheit an meinem Schreibstil ist sicher, die enge Bindung zu meinen Charas - klar, die hat jeder und dennoch denke ich, dass es einige Autoren gibt, bei denen sie noch spezieller ist. Es liegt an der Einstellung, für einige ist das Schreiben einfach nicht so wichtig. Für mich ist es das jedoch sehr, denn für mich ist es nicht nur Fiktion, sondern eine Wiederholung möglicher Lebensumstände und ich lerne daraus, sehe mir alles genau an, in dieser Welt und am Ende muss ich dennoch immer wieder feststellen, dass sie nicht anders ist als das, was wir Realität nennen, selbst wenn sie augenscheinlich so gar nicht komplementär scheint. (Versteht man, was ich damit meine?)

Wenn ich schreibe, dann tauche ich buchstäblich ab. Ich sehe eine Szene nicht nur vor mir, ich rieche, schmecke, fühle und höre sie auch, wenn das nicht so ist, dann lasse ich es sein und mache ein andermal weiter. Und daher kommt es auch, dass ich meine Charaktere durch und durch kenne. Ich weiß nicht nur was sie denken, ich kann mir zu jederzeit vorstellen, diesen Gedanken selbst zu haben, weil ich stets mit mir selbst synchron schreibe. Ob mein Protagonist im Moment ein gnadenloser Killer ist oder eine mitfühlende Krankenschwester, spielt keine Rolle. Ich wage zu behaupten, man muss die Wut, die Enttäuschung, die Freude und die Sorglosigkeit eines Charas selbst fühlen können, dann erst kann man sie auch anderen erklären. Und deshalb fällt es mir schwer, Charaktere zu töten, wie böse sie auch sein mögen, denn ich war schon einmal sie bzw habe mit ihnen interagiert. Das ist für mich,als hätte ich einen sehr guten Freund auf dem Gewissen. oo

In diesem Sinne begleite ich meinen Charakter auf seinem Leidensweg. Meine Geschichten werden stets so geschrieben, wie sie mir einfallen - habe ich eine Idee einmal gehabt, kann ich sie nicht mehr aus der Geschichte nehmen, denn in diesem Moment ist sie schon fix verankert. Man kann sagen: Der Weg geht sich selbst. Ich weiß nie genau, wie eine Story endet, bis ich selbst am Ende angelangt bin. Auch da unterscheidet sich mein Stil von dem vieler anderer. Ich habe kein Manuskript und keinen Plan und vielleicht ist gerade deshalb die Story so logisch, weil sie Schritt für Schritt selbst evolviert und nur das Eingang findet, das im richtigen Schritt angebracht scheint.

Ich werfe meine Charaktere also nicht von einem Unglück ins nächste, sondern sehe nur zu, was ihnen passiert und schicke ihnen dann Gründe, den Kampf aufzunehmen. Ich bin sowohl Angreifer als auch Helfer, kenne beide Seiten in ihren vielen Facetten und Beweggründen. Und das ist für mich unglaublich faszinierend.

Weshalb verursachen manche Menschen anderen Leid? Gab es keine andere Möglichkeit? Wieso sind manche Menschen augenscheinlich bar jeden Mitgefühles? Oder tut es dem Angreifer selbst nicht gut? Wie kam es zu einem bestimmten Lebensumstand? Was fühlt das Opfer dabei? Wie kann es sich verhalten? Wie wird es sich verhalten? Wieso gibt es nicht einfach auf?

Und so beobachte ich die Geschichte des leidgeprüften Protagonisten und habe am Ende, im Idealfall, begriffen, was ihn so willensstark macht und habe selbst davon gelernt.

Ein Autor wächst mit jeder seiner Geschichte, wenn er nur wagt, sie auch zu leben.

Das ist zumindest meine romantische Überzeugung
"Tell me what thy lordly name is on the Night's Plutonian shore!"
Quoth the Raven, "Nevermore."
Story-Operator
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Beitrag #11, verfasst am 16.01.2010 - 16:34
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zuletzt bearbeitet am 16.01.2010 - 16:35
Ein Sehr schönes Zitat zu diesem Thema lautet wie folgt:

Lichtenberg schrieb:
Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zu Not selber schreiben. Wir brauchen aber Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie ein Selbstmord; ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.




Es hat überhaupt nichts mit Sadismus zu tun, einem fiktionalen Charakter in Konflikte geraten zu lassen. Man ist kein schlechter Mensch, wenn man seine Figuren Hiob spielen lässt. Man ist ja auch kein Faschist, wenn man über Faschisten schreibt und man bringt keine Menschen um, wenn der Protagonist ein Serienkiller wäre oder eine Walküre.
Das Schreiben ist ein Mittel, Emotionen zu katalysieren und diese auch in einer absoluten Weise zu beschreiben, ihre Kernessenz fühlbar zu machen.
Die Weltliteratur ist voller Abgründe, selbst Schiller sagte, dass in den Abgründen die Wahrheit liege. Über oberflächliche Belanglosigkeiten muss man nicht schreiben, die kann man erleben. Interessant ist, was darunter liegt.
Bescheuert ist es auch nicht, nur menschlich; es zeugt von Sensibilität und Offenheit für Gefühle, Gedanken und Hintergründe.
After Monday and Tuesday even the calender says: W T F ...
- Alle meine Beiträge, ausgenommen als Operatorenbeiträge gekennzeichnete, sind persönliche, subjektive Meinungsäußerungen und erheben keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit. - L.S.
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Beitrag #12, verfasst am 16.01.2010 - 17:37
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zuletzt bearbeitet am 16.01.2010 - 17:43
zuojenn schrieb:

Ich kann als Leser schrecklich mit den Figuren mitleiden, wenn das Ganze einen Sinn und seine Notwenigkeit hat. Von mir aus auch explizit und wirklich grausam. Dann heule ich auch gerne mal mit
Aber wenn ich merke: Da will der Autor nur demonstrieren, mit welcher Fantasie, Kreativität und Detailgenauigkeit er psychische und/oder physische Foltermethoden aufs Papier bringt, dann stößt mich das ab und ich bin weg, bzw. mache das Buch zu.


Das sehe ich auch so. Charakteren dürfen durchaus gern schlimme Dinge passieren, solange es für den Plot eine Rolle spielt. Aber Leiden lassen nur um des Leiden lassens Willen muss wirklich nicht sein und erweckt bei mir immer den Eindruck, dass dem Autoren nichts mehr einfällt und er deshalb seinen Charakter mit aus der Luft gegriffenem Schicksalsschlag um Schicksalsschlag beutelt, bis diese Anhäufung von Leiden endgültig albern wirkt.

@phazonshark: Verstümmelungen können in meinem Genre durchaus vorkommen, und ich habe auch nichts dagegen, solange es gut begründet ist. Wenn ein Protagonist im großen dramatischen Endkampf einen Arm verliert, oder einer Maschinistin ein Finger fehlt, der ihr irgendwann mal zwischen die Zahnräder geraten ist, ist es völlig in Ordnung so.
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Beitrag #13, verfasst am 16.01.2010 - 17:52
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zuletzt bearbeitet am 16.01.2010 - 17:53
Ich mache das auch. Sehr oft. Meine (Lieblings-)Charaktere gehen durch die Hölle, fallen hin, werden getreten und stehen wieder auf (auch, wenn es bei manchen länger dauert als bei anderen).
Ich mag es, meine Protas in Schwierigkeiten zu bringen, auch in richtig miese, schlechte, furchtbare Situationen, in denen sie heulen, zusammenbrechen und leiden was das Zeug hält.
Nicht, weil ich ich so gerne leiden lasse, nein... weil ich liebe, zu sehen, wie sie damit umgehen, wie sie daran zerbrechen oder daran wachsen. Solche Erfahrungen formen den Charakter meiner Protas erst, und deswegen schreibe ich gerne darüber.
Solche Erfahrungen machen meine Protas erst zu den Helden, die sie sein müssen, um die Welt/die Galaxie/sich selbst/die Mutter/die Freunde/whatever zu retten. Solche Erfahrungen machen meine Antagonisten erst zu den Fieslingen, die sein müssen, um dem Helden das Leben schwer zu machen.
Das ist mein Grund, warum ich diese Szenen so gerne schreibe.

Was ich allerdings verabscheue, ist, wenn seitenlang explizit beschrieben wird, wie Harry Potter/Luke Skywalker/der Kater von nebenan gefoltert und gequält werden und das alles keinem anderen Zweck zu dienen scheint, als die "Härte" und "Coolness" des Autors zu demonstrieren (sprich: wenn es für den Plot oder die Charakterisierung/die Charakterentwicklung ohne jede oder nur von geringer Relevanz ist). Dann bin ich auch ganz schnell weg.

Und ich stimme Pevra zu: Am besten reißt man die Leser mit, wenn man Emotionen in ihnen weckt - und das gelingt mit aggressiven/dunklen Emotionen wie Wut, Angst, Hass etc. eben besser als mit Liebe, Mitgefühl, Romantik usw.
Was FSK Aussagen bedeuten:

FSK 12 bedeutet: Der Gute bekommt das Mädchen.
FSK 16 bedeutet: Der Böse bekommt das Mädchen.
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Beitrag #14, verfasst am 16.01.2010 - 18:17
Bitte zwischen den Zeilen lesen:

<god>

Ich bin Gott. Ich erschaffe eine Welt und fülle sie mit Leben.
Ich habe jedes Recht, mit dieser Welt und diesen Leben zu tun, was mir gerade passt.
Ich muß mich dafür nicht rechtfertigen, noch meine Motivation erklären.
Ich lasse meine Schöpfung leiden (oder auch nicht), weil ich es kann.

</god>

Wir lassen unsere Schöpfung - unser Ebenbild, unser Spiegelbild, unser Gegenteil - leiden, weil wir können. Sobald wir den Stift weglegen (den Computer verlassen, unsere Arbeit unterbrechen), legen wir auch diese göttliche Allmacht zur Seite und sind einfach wieder Petra Schmidt und Klaus Müller, mit alltäglichen Problemen und Aufgaben.
Ich denke, wir schicken unsere Schöpfung durch die Hölle, einfach weil wir können. Es ist das kleine Stückchen Allmacht, das wir gerne in der Realität hätten. Wenn der Chef uns anpflaumt, wenn die Kinder trotzig sind, wenn der Bus Verspätung hat. Ein tiefsitzender Konfilkt in uns selbst - einerseits ist das Verlangen nach "Rache" - Vergeltung, ausgleichender Gerechtigkeit - uns verankert. Andererseits wissen wir auch, dass es falsch wäre, unsere Rachegelüste auszuleben - der Busfahrer kann vermutlich nichts für die Verspätung und es war eine Kettenreaktion aus Ampelschaltung, Verkehrslage und Wetterbedingungen, für die wir niemanden verantwortlich machen können. Trotzdem sind wir in diesem Moment sauer auf den Busfahrer.
In unseren Welten, wo wir Götter sind und die Allmacht haben, können wir unsere Aggressionen kanalisieren. Auf ebenso unschuldige Wesen, die uns letztlich auch wieder leid tun - sie sind ja nicht schuld an der Verspätung. Aber sie geben uns das Gefühl von Macht. Und als gnädige Götter lassen wir sie zwar leiden, um unsere persönliche Genugtuung zu bekommen, aber letztlich lassen wir sie wieder den Hoffnungsschimmer sehen. Oder, wenn wir durch die Verspätung des Busses zu spät zur Arbeit gekommen sind, uns auch noch eine Abreibung vom Chef eingefangen haben, und so richtig richtig sauer sind, lassen wir sie auch mal im Dreck liegen.
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Beitrag #15, verfasst am 16.01.2010 - 18:53
@Echo Tracer, ich merke wieder einmal, das dein Gottesbegriff nicht der meine ist! Tut aber nichts zur Sache, solange wir uns über die Ferengi einig werden!^^

Das ist natürlich eine Möglichkeit: den Helden wachsen zu lassen an seinen Schwierigkeiten. Sterben eure Helden den nie daran?
Ich hab meinen Helden, den ich wirklich, wirklich gern hab, auch schon mal "in den Tod getrieben" (also, nicht ich war das, sondern der andere Typ aus der Story, der Böse...) und in einer gewissen Weise war das... irgendwie, weiß auch nicht, es mußte einfach mal sein!?
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Beitrag #16, verfasst am 16.01.2010 - 18:58
Hi!

Naja, ich gehöre gestehender Weise auch zu den Autoren, die ihre "Kreaturen" manchmal bis ins Extrem hin quält.

Warum?

*schulterzuck*

Weil es meiner Meinung nach an genau dieser Stelle der jeweiligen Geschichte aus dem und dem Grund angebracht/nötig ist?
Sei es, zur Charakterentwicklung, sei es, um einen Charakter darzustellen, sei es, um massive Emotionen hochzukitzeln, die für etwas "gebraucht" werden ...

Allerdings wird bei mir wohl immer ein gewisser Grad an Realismus bleiben, was mich zumindest bei komplexeren Werken von sardistischen Ausuferungen schützt: ein nicht mehr lebensfähiger Protagonist nutzt mir nix.
Es sei denn, es geht um Hinrichtungen - und ich schreibe sehr, sehr gerne Sterbeszenen.
Auch hier: Warum? Weil es schwierig ist. Weil es eine "Grenzerfahrung" ist.

Folter ist nicht so mein Ding, zumindest nicht, was die körperliche betrifft. "Weiße Folter" ... ja, gerne, vor allem in Verhörsituationen.

Ansonsten liegen mir ohnehin die psychischen Belastungen mehr als eine dramatische Gewaltszene nach der anderen folgen zu lassen.


Und so Szenen sind manchmal auch nur Ausgeburten irgendeines kranken, abgedrehten Winkels meines Gehirns, die mir ohne dieses Ventil wahrscheinlich den Schädel zerfressen würden ...



Grüße,
Vargr
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Beitrag #17, verfasst am 16.01.2010 - 19:02
Weyoun in den Tod treiben? Klar, kein Problem. Wie oft? LOL

Ne, im Ernst, ich denke schon, dass diese Leidenswege unserer Charaktere viel mit "Macht" zu tun haben. Im Alltag sind uns Grenzen gesetzt, physikalische und moralische, gesetzliche und persönliche. Wenn wir schreiben, können wir sie einfach ignorieren, weil wir unsere eigenen Grenzen definieren. Wir haben die Macht, einen Charakter leiden zu lassen, aber auch die volle Kontrolle, wie weit dieses Leid geht, und die Möglichkeit, es jederzeit zu beenden. So oder so; Leben oder Sterben.
Die Macht über Leben und Tod mag jetzt nicht so ein offensichtliches Motiv sein, wie eine Figur an etwas wachsen oder zerbrechen zu lassen - was sich schließlich direkt auf die Geschichte und unser Handwerk bezieht; - vielleicht grabe ich ein wenig zu tief nach den Gründen. ^^

Manchmal bin ich mir selbst suspekt, wenn ich zu sehr in Vorta-Modus bin. ;)
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AngeloDestiny
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Beitrag #18, verfasst am 17.01.2010 - 15:06
Wie schon alle sagten, sollten die Figuren wirklich leiden. Die meisten Lesern können sich richtig in die Figuren hineinversetzen, wenn diesen höllisch leiden. Ich finde es einfach super, wenn sie leiden, denn damit lernen sie wie sie die Problem lösen können, wenn es mal wieder geschieht. Ich selbst kann mich richtig in die Personen hineinversetzen, wenn sie leiden und viel erleben. (Ich gebe zu ich liebe es, wenn ihr Leben düster ist).

Ich lasse ebenfalls meine Figuren dermaßen leiden, sodass ich Mitleid mit Ihnen habe. Aber ich lasse sie trotzdem weiter leiden. Am meisten leidet die Dämonin Destiny Dark (2. Hauptfigur). Ihr Name verrät es schon XD. Sie weint ständig, weil sie das ganze nicht mehr aushält. Sie ist fast gestorben, weil sie eine Seele besitzt. Der Engel wird allmählich böse, denn er verwandelt sich in ein schwarzer Engel und es ist auch ihre Schuld. Sie muss ihre eigene Freundin vernichten. Sie wird ständig von Dämonen verfolgt, weil sie als eine Verräterin und Schande für alle Dämonen gilt. Sie hat der Engel schon mal verlassen, weil sie die vielen Eomtionen, Probleme, sowie Hindernisse nicht mehr aushalten konnte. Ihre Eltern steben wegen der Relation mit der Engel. Die meinsten Sachen geschehen, weil sie so stur ist. Sie versucht sich zu ändern, aber vergeblich. Solange sie noch stur ist, lasse ich sie weiter leiden XD.Er leidet auch, aber nicht so schlimm wie sie. Alle Figuren leiden, aber manchen mehr und manchen weniger. Und so bleibt es interessant, spannend und auch romantisch.  
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Beitrag #19, verfasst am 17.01.2010 - 18:22
Ich bekenne mich schuldig - ich quäle meine Protas nur allzu gerne, versuche aber, dabei einigermaßen realistisch zu bleiben. Sinnlose Gewalt gibt es bei mir nicht.

Ich gehöre auch zu der masochistischen Sorte Leser, die die Charas, die am meisten zu leiden haben, am liebsten hat. Ich weiß nicht, woher das kommt. Auf jeden Fall verdanke ich diesem Umstand einen Haufen Heulattacken^^
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Beitrag #20, verfasst am 17.01.2010 - 18:39
Ja, ich lasse meine Charaktere leiden. Meistens haben sie ein nicht wirklich schönes Leben, erleben Gewalt auf alle möglichen Art und Weisen und werden vom Schicksal regelmäßig in den Hintern getreten. Dabei versuche ich jedoch nicht über das realistisch mögliche hinaus zu gehen. Warum ich dies mache? Wahrscheinlich weil ich es gerne mag, wenn meine Charaktere leiden und am Rande der Aufgabe stehen. Es ist so wie im wahren Leben, man wächst an dem Leid, dass einem zugefügt wird. Außerdem ist das wahre Leben ja auch kein Ponyhof und dies spiegle ich in meinen Geschichten wieder. Das ganze Leben ist ein Kampf, warum sollten meine Charaktere also nicht auch kämpfen müssen? Ganz abgesehen davon lese ich auch gerne, wie Charaktere leiden.^^
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Beitrag #21, verfasst am 17.01.2010 - 19:25
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zuletzt bearbeitet am 17.01.2010 - 19:26
MrsAnthony schrieb:
Immer wieder gerne gelesen und geschrieben: Geschichten, in denen die Protagonisten richtig heftig leiden müssen. Und merkwürdigerweise sind es gerade die beliebtesten Figuren, denen der Autor/die Autorin so übel mitspielt. Aber warum eigentlich?


"Wen Gott liebt, den lässt er leiden", heißt es.

Gott lässt Hiob leiden, um ihn zu prüfen.

Ich lasse meine Charaktere leiden, nicht um sie auf die Probe zu stellen, denn ich weiß ja, was sie tun werden, sondern um dem Leser zu zeigen, wie sie sind.

Die zentrale Frage ist aber die selbe wie bei Hiob:

Es gehört nicht viel dazu, auf der guten Seite zu stehen, wenn man dadurch keine Nachteile hat.
Was aber, wenn man ganz massive Nachteile in Kauf nehmen muss?

In "Sophiechen und der Riese" begegnet Sophiechen einem freundlichen Riesen, der es moralisch verwerflich findet, Kinder zu fressen wie die anderen Riesen es tun, und sich stattdessen von widerlichen Kotzgurken ernährt.
Der gute Riese würde auf Kinder nicht halb so viel Eindruck machen, wenn er sich von Spaghetti mit Tomatensoße ernähren würde.



Außerdem lasse ich meine Charaktere gern mitleiden, wenn es mir gerade schlecht geht. Das hat dann mit der Qualität des Endproduktes nichts zu tun, es ist eher der therapeutische Effekt.
zuojenn
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Beitrag #22, verfasst am 17.01.2010 - 19:34
MrsAnthony schrieb:


Das ist natürlich eine Möglichkeit: den Helden wachsen zu lassen an seinen Schwierigkeiten. Sterben eure Helden den nie daran?


Doch. Und dann sind sie tot, und können nicht mal bei der nächsten Geschichte wiederauferstehen (der Nachteil von eigenen, freien Arbeiten).
Da ich gerne mal eine dramatische Nahtoderfahrung bringe, muss hin und wieder auch mal ein Prota sterben. Schon allein, weil ich weiterhin ernst genommen werden möchte. Bei Autoren, von denen man weiß, da wird nie eine bedeutende Figur über die Klinge springt, kann ich persönlich sonst schnell nicht mehr mitzittern.
Nach einem toten Charakter nimmt der Leser dich in der Hinsicht ernst. (Oder er entscheidet, nie wieder etwas von dir zu lesen. Ja, ist schon vorgekommen.)

Ich muss allerdings zugeben, dass es mir nicht leicht gefallen ist, eine meiner Lieblingsfiguren sterben zu lassen, nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt hat. Ehrlich gesagt, es war wirklich widerlich. Als hätte ich ein real lebendes Tier zu Tode gequält. Sie fehlt mir immer noch.
Aber dieses "sich selbst quälen" gehört eben dazu, und auch ich als Autor will an meine Grenzen, nicht immer nur die armen Figuren.
AngeloDestiny
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Beitrag #23, verfasst am 17.01.2010 - 19:44
@ Sionon Klingensang
Du hast wirklich Recht. Gott lässt die Jenige leiden, den er wirklich liebt. Er will sie nur prüfen. Es ist auch so, denn eines Tages wird alles gut laufen.
Der Engel und die Dämonin leiden sehr, aber am Ende kriegen sie eine Antwort von Gott. Er ist der Meinung, dass er sie nur gerpüft hat ob sie wirklich zusammen gehören. Er hat durch ihr Leid und den Durchhaltevermögen erkannt, dass sie zusammen bleiben soll, deswegen können sie ihre Beziehung weiterführen. Er hat sie beobachtet und gewartet ob sie beide tatsächlich zusammen gehören, sonst hätte er sie längst getötet, als sie angefangen hatten sich zu lieben.
Es ist bei Menschen genau so. Erst leiden, dann kommt das Glück. Ich habe gelernt, dass die Jenige, die zuerst leiden, werden eines Tages Glück haben, sodass sie nicht mehr leiden. Und die Leute, die erst Glück hatten, werden später leiden. (Ich weiß nicht ob es bei andere genau so ist, denn ich bin Evangelisch und auch Katholisch).
Es gibt schlechte Tage und gute Tage. Kein Mensch ist perfekt. Kein Mensch wird sagen, dass er nie in sein Leben gelitten hat. Kein Mensch ist von Geburt an, voll mit Glück überschüttet, sodass er nie Pecht hat. Jeder hat schon mal gelitten.
Und so genau sollten die Figuren leiden. Sie sollten mal das wahre Leben kennen lernen, auch wenn sie nur in unsere Fantasy sind. Ich beschreibe meine Figuren nie als perfekt. Ich lasse sie leiden, denn so können die Leser die vielen Emotionen fühlen und sich richtig in die Figuren hineinversetzen. Und so können sie auch weinen. Außerdem müsen sie leiden, weil sie halt verschieden sind. Es gibt also einen Grund, wieso sie leiden müssen.
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Beitrag #24, verfasst am 17.01.2010 - 19:52
Ich habe vor ein paar Tagen festgestellt, dass ich jemanden in meiner Geschichte umbringen muss. Ich hatte schon länger hin und her überlegt, ob ich darum herumkomme, aber je mehr ich darüber nachdachte, umso klarer wurde es - es muss sein. Bei zwei anderen Figuren überlege ich noch, ob ich sie verschonen kann, sieht aber schlecht aus. Jedenfalls war ich dann am Tag der Erkenntnis total deprimiert, besonders weil es mir für eine überlebende Figur so leid tut und ich sie damit durch die Hölle schicke. Andererseits freue ich mich schon darauf, das zu schreiben, das wird interessant, auch wenn ich ein wenig Schiss davor habe.

Ich hasse es eigentlich, wenn Figuren sterben, die ich mag, aber andererseits kann man dann so schön mitleiden und sich in seine Trauer hineinsteigern. Und solche Geschichten bleiben dem Leser dann auch im Gedächtins, wenn sie gut geschrieben sind.
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Beitrag #25, verfasst am 17.01.2010 - 20:03
Moon Goddess schrieb:
Ich habe vor ein paar Tagen festgestellt, dass ich jemanden in meiner Geschichte umbringen muss. Ich hatte schon länger hin und her überlegt, ob ich darum herumkomme, aber je mehr ich darüber nachdachte, umso klarer wurde es - es muss sein. Bei zwei anderen Figuren überlege ich noch, ob ich sie verschonen kann, sieht aber schlecht aus. Jedenfalls war ich dann am Tag der Erkenntnis total deprimiert, besonders weil es mir für eine überlebende Figur so leid tut und ich sie damit durch die Hölle schicke.


Oha. DAS könnte allerdings ein Grund für meine *hust* schlechte Grundstimmung im Moment sein..

Ich bin da ja schon ein wenig zwiegespalten. Einerseits, ja, ich lasse meine Figuren leiden und ich lese so etwas auch. Gerne? Kommt drauf an.
Denn andereseits machen mich manche solcher Geschichten wirklich rasend. Bzw. ich brauche nur davon zu hören und schon fühl ich mich unwohl. Oft werden Dinge beschönigt, manchmal klingt es irgendwie nach Ausrede. Weiß auch nicht.
Leben heißt nicht warten, bis ein Unwetter vorbeizieht, sondern lernen, im Regen zu tanzen
 
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