Kind der Dunkelheit schrieb:
Ich lese gerade "Der Frauenjäger" und obwohl ich das Buch nun nicht als Flop bezeichnen würde, fallen mir die beanstandeten Punkte da auch extrem ins Auge

Alltag, Alltag, Alltag und die erste Hälfte verbringt das Buch quasi damit, zu erzählen, wie vier Frauen unspektakulär ihre Partner kennengelernt haben, wer dann mit wem welche (Alltags-)Probleme hatte und hat, welches Paar welches Kind bekommen hat usw... Ein riesiger Wirrwarr aus den Namen Annette, Marlene, Karola, Ulla, Matthias, Andreas, Werner, Christoph, und dass Ulla aus banalen Gründen erst mit Christoph, dann mit Matthias (oder war es Andreas?) zusammen war, und Annette erst mit Matthias, dann mit Christoph macht das Ganze auch nicht unbedingt übersichtlicher. Dauernd muss ich nachblättern, wer denn zB damals immer Kerzen auf den Wannenrand gestellt hatte und ob nun Annette oder Marlene darüber verärgert war, während ich mich gleichzeitig frage, ob dies überhaupt irgendeine Relevanz für den "Hauptplot" hat...

Besagter Hauptplot (es geht um einen Serienkiller) wird zwar immer wieder angesprochen und reißt an sich auch mit, ABER ist eingebettet in übermäßig viel Alltagsblabla, wie zB Marlene erst das eine Bad, dann das andere Bad putzt, den Sohn zum Fußball fährt, den Sohn wieder abholt etc, pp...

Oder es wird detailliert Karolas Kleidung beschrieben und dass sie im Gegensatz zu früher jetzt generell eine Rock-Blusen-Kombi bevorzugt, man aber dennoch eine kleine Speckrolle sieht, usw... Teils bin ich wirklich geneigt, querzulesen...
So, Fazit, nachdem ich nun am Ende des Buches angelangt bin... muss man nicht lesen.
Was sagte ich noch? Der Serienkiller-Plot sei spannend? Ja, ist er - hauptsächlich deshalb, weil man als Leser durchgängig in dem Glauben gehalten wird, einer der vier braven Ehemänner habe ein zweites Gesicht und sei der Killer. Die Auflösung ist aber diesbezüglich zutiefst unbefriedigend, denn bei dem Killer handelt es sich um eine Nebenfigur, die von mehreren der Protas eh das gesamte Buch hindurch verdächtigt wurde. (Ok, man kann es auch so sehen, dass man erfolgreich aufs Eis geführt wurde... denn meistens ist ja gerade der, welcher hochverdächtig erscheint, dann gerade NICHT der Killer. Aber irgendwie... fand ich das unbefriedigend.)
Dann das Verhalten der Hauptprota. Sie wird von dem Killer entführt und in eine unterirdische Höhle in der Eifel, die unter dem Haus des Killers liegt, gesperrt. Sie irrt ewig orientierungslos im Dunkeln herum, bis sie es durch Zufall/Ausgefuchstheit schafft, aus dem Labyrinth rauszufinden und die ins Haus führende, als Obstregal getarnte Kellertür zu entdecken. Dann findet sie einen Computerraum, wo sie erstmal eine gefühlte Ewigkeit im PC des Täters schnüffelt, statt den Keller zu verlassen. Außerdem pinkelt sie auf den Boden, um DNS für die Polizei zu hinterlassen. In Urin ist aber gar keine solche nachweisbar, und in Kot nur kurz nach dem Absetzen. (In der Höhle lagen übrigens menschliche Knochen und eine verweste Leiche. Ein Ort bzw Haus also, aus dem jeder so rasch wie möglich verschwinden würde und wohl mehr Adrenalin als Blut in den Adern hätte.)
Nicht so aber unsere Prota. Ohne sich überhaupt zu vergewissern, dass der Mörder aushäusig ist, inspiziert sie erst einmal dessen Kühlschrank, ärgert sich über die geringe Auswahl und macht sich dann ein Brot, welches sie, gemütlich auf der Küchenbank sitzend, verspeist. Danach verspürt sie eine "angenehme Müdigkeit" und muss sich zusammennehmen, um nicht einzuschlafen.

Irgendwann rafft sie sich dann auf, im Haus nach Stiefeln zu suchen, da sie barfuß ist und draußen Schnee liegt. Besondere Eile zeigt sie dabei aber nicht (Warum auch...) und inspiziert statt dessen neugierig ein altes Kinderzimmer. Ab und zu kommen ihr immerhin beunruhigende Gedanken, dass der Killer ja irgendwo lauern und sie zurück in die Höhle verfrachten könnte, zu den Leichen... Aber da Flucht nicht höchste Priorität hat, wird sich weiter umgeschaut, ein Telefon entdeckt, von welchem aus man nicht etwa die Polizei, sondern eine Freundin anruft. Die Freundin rät der Prota, aus dem Haus zu verschwinden (Mach Sachen...) und verspricht, die Polizei zu rufen. Nachdem die Prota sich sorgfältig angezogen hat - schließlich gilt es, eine Erkältung zu vermeiden - verlässt sie endlich das Haus.
Übrigens glaubt sie, dass entweder ihr Ehemann oder ein Freund von ihr der Täter wären und derjenige ihr letztlich ja nur einen "Denkzettel" verpassen wollte. Ja, schön und gut, aber von dieser harmlosen Erklärung hätte sie doch spätestens beim Fund der Leichen abkommen müssen?

ich meine, an diesem Zeitpunkt ist doch klar, dass wer immer sie in die Höhle gesteckt hat, ein Psychopath und Serienkiller ist.
Nee, also... Einige frühere Bücher von Hammesfahr sind wirklich nicht schlecht und halten auch spannende Auflösungen parat, aber das hier war nix.

Mich überkam ständig der Drang, die Prota zu schlagen.