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Beitrag #1, verfasst am 31.05.2010 - 15:59
Es wird ja viel über - meist unangenehm auffallende - idealisierte Self-Inserts gesprochen, über Figuren, in denen Autoren ihre mehr oder weniger größenwahnsinnigen Wunschträume ausleben. Von realistischen Varianten hört man schon weniger - und von negativen so gut wie gar nichts.

Wie ist das: Gibt es auch Self-Inserts, bei denen sich Autoren von ihrer schlechtesten Seite zeigen? Ob nun ernsthaft oder indem sie ihre Ticks und schlechten Eigenschaften humorvoll durch den Kakao ziehen?

Ich schreibe nun grundsätzlich keine "vollständigen" Self-Inserts, weil es mich einfach nerven würde, meinen eineiigen Zwilling als literarische Figur durch die Gegend schleppen zu müssen. (Und das ist auch ganz gut so, da mein literarischer Zwilling es in den meisten meiner Geschichten vermutlich schaffen würde, innerhalb weniger Seiten abzukratzen, was nicht besonders spannend wäre.) Aber wie bei vermutlich vielen Autoren gibt als auf verschiedene Figuren verteilt mal hier eine Eigenschaft, die ich nur zu gut kenne, mal hier einen Fehler, der mir so wohl auch passiert wäre, mal dort einen Gedankengang, durch den ich mich auch schon hindurchdenken musste.

Was mir jedoch auffällt: es sind ziemlich oft eher negative Eigenschaften und Verhaltensmuster, die ich an Figuren wiederfinde. Sei es ein blöder Tick, der parodiert wird, sei es ein wirklich negativer Charakterzug. Gerade bastel ich ein wenig an einer Szene rum, in der einer meiner unangenehmeren Charaktere noch dreißig Jahre jünger ist und es springt mich geradezu an.

Bei anderen, falls man sie nicht sehr gut kennt, merkt man sowas ja nicht, aber bei sich selbst und in seinen eigenen Texten. Habt ihr Figuren, die euch auf so richtig unschmeichelhafte Weise den Spiegel vorhalten? Bei denen ihr euch entweder absichtlich selbst auf die Schippe nehmt, mit denen ihr bewusst schlechte Eigenschaften auslebt, die ihr real im Zaum haltet, oder die euch ganz ungeplant beim Schreiben mal zur Seite winken und euch höhnisch zuflüstern: "Meinesgleichen, mein Bruder!"?
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Die Frage ist, welchen Teil davon wir vor dem Handel beiseite schaffen konnten.
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Beitrag #2, verfasst am 31.05.2010 - 16:11
Ich betrachte diese Züge nicht als 'negativ', da alles gute wie schlechte Seiten haben kann, aber ja, ich habe einige Figuren, die meine 'unbeliebteren' Eigenschaften haben, die von ihrem Umfeld auch entsprechend als negativ betrachtet werden.

Die meisten OCs im X-Men-Fandom haben negative Eigenschaften von mir, allerdings verteilt auf alle. Es gibt nicht 'den' Charakter, der mein Ebenbild ist.

Es gibt ja durchaus auch Self Inserts, bei denen eigentlich negative Züge beschönigt werden, sei es Eitelkeit und das dauerende Rumreiten darauf, was für ein 'Fluch' es doch ist, so unfassbar schön zu sein, oder weniger ausgeprägt, kleinere Machen, die in der Realität schon nerven können, in der Geschichte aber von allen niedlich gefunden werden.
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Beitrag #3, verfasst am 31.05.2010 - 17:45
@Melmoth


Yep, definitiv ...

Ich neige eigentlich auch dazu, meine negativen Eigenschaften auf Protagonisten zu übertragen - manche bekommen mehr, manche weniger.
Distanziert betrachtet ist das wohl eine Art, mit sich und seinen Eigenheiten klar zu kommen. Nach dem Motto ... ich hab dich Dingfest gemacht, du Sau - was mach ich jetzt mit dir?
Sich diese unliebsame Eigenheit herauszureißen, sie literarisch zu quälen, zu bestrafen ... und immer wieder von allen Seiten schamlos zu beleuchten, ohne sich selbst ins Kreuzfeuer zu bringen, kann helfen, sich an sich selbst zu akzeptieren oder einen Weg zu finden, damit umzugehen.

Es ist vielleicht das "negativ" von rosa bewölkten Wunschträumen, aber mitunter eine doch recht heilsame Art der Selbstreflexion ...


Grüße,
Vargr
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Beitrag #4, verfasst am 31.05.2010 - 17:51
Das ist zwar alles wahr, aber EINE Eigenschaft habe ich noch nie einem Char gegeben, obwohl ich sie bei mir durchaus negativ finde.

Faulheit.

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Beitrag #5, verfasst am 31.05.2010 - 17:55
Ha - ICH schon!

Nur überwinden lässt sie sich dennoch ned so schnell *gg*
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Beitrag #6, verfasst am 31.05.2010 - 18:11
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zuletzt bearbeitet am 31.05.2010 - 18:11
Ich quäle meine Protas gerne mit manchen Phobien, bzw. Ängsten, die ich von mir selber kenne. Manche negativen Charaktereigenschaften baue ich auch ein. Auch Faulheit XD
Allerdings hatte ich noch nie einen jähzornigen  _sehr_ temperamentvollen Charakter, der das Mundwerk eines Seemannes hat. Weder einen männlichen, noch einen weiblichen.
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Beitrag #7, verfasst am 03.06.2010 - 19:29
Ich mache mir einen ziemlichen Spaß daraus, meine Charaktere mit den ein oder anderen Charaktereigenschaften von mir zu bedenken. Sowohl die positiven als auch die negativen, gerne auch mal ziemlich überspitzt. Das hat so etwas herrlich befreiendes. :)
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Beitrag #8, verfasst am 03.06.2010 - 20:02
Ich schreibe meinen Lieblingscharakter in der Ich-Form und gebe ihm alles im Übermaß, was in einem jeden von uns schlummert und aus schlechtem Gewissen so unterdrückt wird: Egoismus, Faulheit, Selbstüberschätzung .... Macht Spaß, erleichtert und macht irgendwie verständnisvoller den kleinen Fehlern der Mitmenschen gegenüber.
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Beitrag #9, verfasst am 03.06.2010 - 20:38
Ich verteile meine Eigenschaften ziemlich großzügig auf meine Protagonisten, aber an meisten von mir steckt sicher in meinem einzigen längeren "freien Werk", und das sind eher "die Dinge, die mich auch stören ". Ansonsten versuche ich ja zumindest, in meinen Fanfiktions näher am Original- Charakter zu bleiben.
No Shit on Saturdays!
 
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