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Beitrag #26, verfasst am 04.07.2010 - 15:21
Darth Pevra schrieb:

Das schon. Aber wie gesagt, die "Umschreibungsversion" ist wesentlich distanzierter und rückt den Leser mehr in die Vogelperspektive. Ich weiß nicht, wie's dir geht, aber mir rollen sich immer die Zehennägel ein, wenn ich den Leser vom Protagonisten distanzieren muss. Meistens will man nah, nah, nah dran sein, damit das Leseerlebnis so intensiv wie möglich ist.


Das scheint mal wieder eine Sache zu sein, die sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Ich empfinde es nicht so, dass die Beschreibung eines Schreis Distanz erzeugt. Ganz und gar nicht. Aber Großbuchstaben (besonders wenn es mehr als ein Wort ist) verjagen mich.
Und ich erinnere mich auch nicht, das jemals in einem Buch gesehen zu haben. Trotzdem fiebere ich mit den Helden mit. Das liegt am gesamten Schreibstil und hängt nicht von einer Umschreibung ab.
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Beitrag #27, verfasst am 04.07.2010 - 17:52
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zuletzt bearbeitet am 04.07.2010 - 17:55
Darth Pevra schrieb:
Das schon. Aber wie gesagt, die "Umschreibungsversion" ist wesentlich distanzierter und rückt den Leser mehr in die Vogelperspektive. Ich weiß nicht, wie's dir geht, aber mir rollen sich immer die Zehennägel ein, wenn ich den Leser vom Protagonisten distanzieren muss. Meistens will man nah, nah, nah dran sein, damit das Leseerlebnis so intensiv wie möglich ist.


Hm... Du willst auf Showing vs. Telling hinaus, glaube ich, und ich würd zustimmen, dass man die Handlung da nicht unter Wörtern begraben darf. Aber es gibt Leser, und da würd ich mich mit zuzählen, die bei eigenwilliger Formatierung sofort daran erinnert werden, dass sie einen Text lesen. Wenn ich lese und unten am Bildschirm sehe ich schon ein fettgedrucktes Wort mitten im Fließtext auf mich zukommen, dann iritiert mich das sofort.

Großbuchstaben und Italic fallen nicht ganz so sehr aus dem Schriftbild heraus. Den Großbuchstaben-Schrei hab ich daher auch schonmal gebracht, find ihn aber trotzdem etwas an der Grenze. Inzwischen erinnert mich sowas immer an das "NOOOOO!" am Ende von Epi 3... ;-)
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Beitrag #28, verfasst am 04.07.2010 - 17:53
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zuletzt bearbeitet am 04.07.2010 - 17:56
@ phazonshark
Nicht ganz. Hat eher was mit meiner individuellen Textwahrnehmung zu tun.

Lapislazuli67 schrieb:

Das scheint mal wieder eine Sache zu sein, die sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Ich empfinde es nicht so, dass die Beschreibung eines Schreis Distanz erzeugt. Ganz und gar nicht. Aber Großbuchstaben (besonders wenn es mehr als ein Wort ist) verjagen mich.


Geschmackssache.
Aber man nimmt die Informationen in zwei Schritten auf, wenn es so gemacht wird. Zuerst hört man den Inhalt im Kopf, normal gesprochen, und dann wird man nachträglich aufmerksam gemacht, dass es doch geschrien wurde. Beziehungsweise wirkt sich das auf mich so aus (wird wohl Ausnahmen geben). Ich stolpere über diese Art von Passage drüber. Nicht viel, aber merkbar.

Lapislazuli67 schrieb:
Und ich erinnere mich auch nicht, das jemals in einem Buch gesehen zu haben. Trotzdem fiebere ich mit den Helden mit. Das liegt am gesamten Schreibstil und hängt nicht von einer Umschreibung ab.


Konvention ist mir relativ egal. Wenn ich allen Regeln folgen würde, die für das Schreiben von verschiedenster Seite aufgestellt werden, würde ich glaube ich deppert.

Aber wenn mein Lektor sagt "tu das und das", dann bin ich natürlich schon kompromissbereiter. Ist letztendlich kein große Angelegenheit, ob Großbuchstaben oder nicht.
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Beitrag #29, verfasst am 04.07.2010 - 17:57
Darth Pevra schrieb:
@ phazonshark
Nicht ganz. Hat eher was mit meiner individuellen Textwahrnehmung zu tun.

Eh...? ;-)
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Beitrag #30, verfasst am 04.07.2010 - 18:04
Naja, glaube nicht, dass das was mit Show & Tell zu tun hat. Das Capslock steht ja nur stellvertretend für das Verb. Sozusagen.

Für mich hat das eher mit der Anordnung/Timing zu tun. Wenn ich mir zweimal dasselbe in unterschiedlicher Variation vorstellen muss (gesprochen & geschrien) rückt mich das vom Protagonisten und Text weg.
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Beitrag #31, verfasst am 04.07.2010 - 18:14
Lapislazuli67 schrieb:
Ich empfinde es nicht so, dass die Beschreibung eines Schreis Distanz erzeugt. Ganz und gar nicht. Aber Großbuchstaben (besonders wenn es mehr als ein Wort ist) verjagen mich.
Und ich erinnere mich auch nicht, das jemals in einem Buch gesehen zu haben. Trotzdem fiebere ich mit den Helden mit. Das liegt am gesamten Schreibstil und hängt nicht von einer Umschreibung ab.


Du hast Großbuchstaben noch nicht nicht in einem Buch gesehen?
In Harry Potter wird das dauernd gebracht. Auch dieses "Aaaaaaargh!" findet sich da. Mit 8 "a"s, ich habe sie gezählt.
Ich finde das ja schrecklich *grusel*, es schüttelt mich bei sowas.
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Beitrag #32, verfasst am 04.07.2010 - 18:17
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zuletzt bearbeitet am 04.07.2010 - 18:24
Darth Pevra schrieb:
Naja, glaube nicht, dass das was mit Show & Tell zu tun hat. Das Capslock steht ja nur stellvertretend für das Verb. Sozusagen. Für mich hat das eher mit der Anordnung/Timing zu tun. Wenn ich mir zweimal dasselbe in unterschiedlicher Variation vorstellen muss (gesprochen & geschrien) rückt mich das vom Protagonisten und Text weg.


Ahso. Da würd ich einfach nur die Reihenfolge korrigieren. Das ist ja ein gängiges Problem beim Schreiben, dass du Informationen nur Wort für Wort rüberbringen kannst, die du bei anderen Medien gleichzeitig wahrnehmen könntest. Aber man kann das "Wie?" dem "Was?" ja voranstellen und ankündigen, dass der nächste Satz ordentlich gebrüllt kommt. Was bei mir jetzt platt klingt, aber einige bekommen das echt gut hin.

Was Konventionen angeht... Das übliche Problem: Sie können einengen, sie können die Kommunikation mit Freund Leser aber auch erleichtern. Ich hab ein Buch gelesen, von Jonathan Safran Foer, in dem er in Sachen Formatierung komplett mit allem bricht, was du normalerweise machst - und es kommt cool. Handschrift mitten im Text, manchmal ein Wort pro Seite, Bilder von Schlüssellöchern... Aber sobald du etwas tatsächlich designen willst, um auch auf dieser zweiten Ebene Infos rüberzubringen, musst du irgendwo Ahnung von Design haben. Großbuchstaben sind jetzt, wie gesagt, nicht so das Problem für mich als Leser, aber ich möchte auch nicht mit allem beworfen werden, was html hergibt... :-)

@Zuo: Ich würd feiern, wenn herauskäme, dass sie mit der Anzahl der 'a's lange gehadert hat. Von wegen, wo ist der Charakter in diesem Moment, ist das mehr eine 4A-Wut oder ein 5A-Schock, würde ein H gegen Ende des Ausrufes zu seiner emotionalen Reise passen... ;-)
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Beitrag #33, verfasst am 04.07.2010 - 18:30
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zuletzt bearbeitet am 04.07.2010 - 18:31
zuojenn schrieb:

Du hast Großbuchstaben noch nicht nicht in einem Buch gesehen?
In Harry Potter wird das dauernd gebracht. Auch dieses "Aaaaaaargh!" findet sich da. Mit 8 "a"s, ich habe sie gezählt.
Ich finde das ja schrecklich *grusel*, es schüttelt mich bei sowas.


Da rollt's mir auch die Zehennägel auf. Ein A im Argh ist völlig ausreichend.

phazonshark schrieb:
Ahso. Da würd ich einfach nur die Reihenfolge korrigieren. Das ist ja ein gängiges Problem beim Schreiben, dass du Informationen nur Wort für Wort rüberbringen kannst, die du bei anderen Medien gleichzeitig wahrnehmen könntest. Aber man kann das "Wie?" dem "Was?" ja voranstellen und ankündigen, dass der nächste Satz ordentlich gebrüllt kommt. Was bei mir jetzt platt klingt, aber einige bekommen das echt gut hin.


Jupp, so geht das natürlich auch..
Aber zu diesen Trickseleien muss ich mit meinen  vier Protagonisten ohnehin ständig zurückgreifen, sodass mir die Teile schon zum Hals raushängen und ich sie so selten benutze wie möglich. Wenn sich dann mal die Gelegenheit bietet, ohne jedes Anhängselwort zu einer
"blablubb"
"bliblablu"
"blubbliblub"
Struktur überzugehen, ergreife ich sie gerne.

phazonshark schrieb:
Was Konventionen angeht... Das übliche Problem: Sie können einengen, sie können die Kommunikation mit Freund Leser aber auch erleichtern. Ich hab ein Buch gelesen, von Jonathan Safran Foer, in dem er in Sachen Formatierung komplett mit allem bricht, was du normalerweise machst - und es kommt cool. Aber sobald du etwas tatsächlich designen willst, um auch auf dieser zweiten Ebene Infos rüberzubringen, musst du natürlich auch Ahnung von Design haben.


Ich halte mich nur an die Konventionen, die mir sinnhaft erscheinen (so zirka 99%).
Der Rest geht mir irgendwo vorbei. Natürlich könnte ich ein Buch nach Kochrezept stricken, wie es z.B. im Frey drinsteht. Aber die Bauklötzchen sieht man später, außerdem verliert man glaube ich etwas, wenn man allzu vertrauensselig die Regeln befolgt.
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Beitrag #34, verfasst am 04.07.2010 - 18:42
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zuletzt bearbeitet am 04.07.2010 - 18:45
Darth Pevra schrieb:

Aber zu diesen Trickseleien muss ich mit meinen  vier Protagonisten ohnehin ständig zurückgreifen, sodass mir die Teile schon zum Hals raushängen und ich sie so selten benutze wie möglich. Wenn sich dann mal die Gelegenheit bietet, ohne jedes Anhängselwort zu einer "blablubb" - "bliblablu" - "blubbliblub" Struktur überzugehen, ergreife ich sie gerne.

Jup. Manchmal fängt man beinahe an, sich Anhängsel aus den Fingern zu saugen, nur um damit den Sprecher kennzeichnen zu können, und das ist nix. ;-)

Darth Pevra schrieb:
Ich halte mich nur an die Konventionen, die mir sinnhaft erscheinen (so zirka 99%).

Das ist schon deutlich mehr, als ich zu hoffen gewagt hatte. :-) "Regeln" gibt's ja zum Glück eh keine und ob man Tropes sieht... Klar. Wenn du für Leser schreibst, die schon viele Geschichten intus haben, musst du eh andere Saiten aufziehen.
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Beitrag #35, verfasst am 04.07.2010 - 18:50
phazonshark schrieb:

Jup. Manchmal fängt man beinahe an, sich Anhängsel aus den Fingern zu saugen, nur um damit den Sprecher kennzeichnen zu können, und das ist nix. ;-)


Ein Gutes hat es: man ist gezwungen, sich zu überlegen, welche Lieblingsgesten die Protagonisten haben ;-)
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Beitrag #36, verfasst am 04.07.2010 - 18:59
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zuletzt bearbeitet am 04.07.2010 - 18:59
@Zuo: Das muss dann aber echt die eine Ausnahme gewesen sein... *g*

@Darth Pevra: Ich wollte dieses Mal ausnahmsweise nicht auf Konvention ("das macht man nicht") raus, sondern darauf, dass mich Bücher mitreißen können, ohne dass Großbuchstaben darin vorkommen. Also stimmt es in meinem Fall offenbar nicht, dass die Umschreibung Distanz erzeugt.

Wenn jemand "gellend aufschreit" habe ich davon ein Bild im Kopf und höre das auch. Reicht doch?
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Beitrag #37, verfasst am 04.07.2010 - 19:20
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zuletzt bearbeitet am 04.07.2010 - 19:22
Lapislazuli67 schrieb:

@Darth Pevra: Ich wollte dieses Mal ausnahmsweise nicht auf Konvention ("das macht man nicht") raus, sondern darauf, dass mich Bücher mitreißen können, ohne dass Großbuchstaben darin vorkommen. Also stimmt es in meinem Fall offenbar nicht, dass die Umschreibung Distanz erzeugt.

Wenn jemand "gellend aufschreit" habe ich davon ein Bild im Kopf und höre das auch. Reicht doch?


Wenn du den Text liest, hörst du ihn zuerst "nicht geschrien" und musst nachträglich deine Vorstellung revidieren, oder nicht? Dieser kleine Stopp im Fluss erzeugt für mich schon Distanz, definitiv. Sonst würde ich Capslock nicht verwenden (das Schriftbild ist damit ja wirklich nicht so schön).

Es sei denn, man macht es so wie phazonshark es vorgeschlagen hat, dass man das Verb irgendwie voran steht. Aber das ist wesentlich komplizierter. Da müsste man irgendwas schreiben ala "Susi setzte zu einer Tirade an: Du Schuft, du Sohn eines räudigen Hundes!"
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Beitrag #38, verfasst am 04.07.2010 - 19:34
In einer Geschichte ist man als Leser eh im Geschehen. Wenn also jemand "Oh nein!" von sich gibt, gehe ich erstmal von der Grundsituation aus. Wenn ich weiß, dass diese Person gerade auf der Flucht ist, lese ich es eher als panischen Ausruf. Steht die Person in der Küche, denke ich eher, die Milch ist übers Datum, sprich das 'Oh nein!' ist nicht panisch, sondern frustriert. Ich brauche da nicht vorab die Erklärung "Und frustriert rief sie...' oder 'Panisch schrie er...'.

Wenn eine Geschichte oder Szene mit dem Schrei und sonst nichts anfängt, will ich als Leser so oder so wissen, worum es eigentlich geht und halte mich nicht damit auf, wenn auch nur 3 Sekunden, darüber zu rätseln, wie dieser Schrei wohl klingt. Einen Satz weiter wird es vermutlich eh erklärt werden.
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Beitrag #39, verfasst am 04.07.2010 - 20:00
Oh, das wird ja noch richtig interessant!

Darth Pevra schrieb:

Wenn du den Text liest, hörst du ihn zuerst "nicht geschrien" und musst nachträglich deine Vorstellung revidieren, oder nicht? Dieser kleine Stopp im Fluss erzeugt für mich schon Distanz, definitiv. Sonst würde ich Capslock nicht verwenden (das Schriftbild ist damit ja wirklich nicht so schön).


Nein, ich muss meine Vorstellung nicht revidieren.
Man liest doch normalerweise nicht Wort für Wort - ich hab den ganzen Satz auf einmal vor Augen. Aber auch wenn ich zuerst "gellend" lesen würde, wäre ja ohnehin klar, dass da ein Schrei kommt. Ich hab dieses Beispiel "gellend schreien" jetzt mal genommen, weil da noch nicht einmal unbedingt wörtliche Rede dabei sein muss, damit ich den Schrei "höre". Aber in dem Fall würde ich tatsächlich die wörtliche Rede ohnehin folgen lassen und nicht voran stellen.
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Beitrag #40, verfasst am 04.07.2010 - 20:13
Das Problem kommt auf, wenn man viel vorliest. Da kann das wirklich mal passieren, dass man einen Satz mit enttäuschter Betonung liest, und dann steht da "kreischte sie zornig". Ähm ja. Blöd.
Von daher würde ich sowas auch der wörtlichen Rede voranstellen, oder sehr zeitnah informieren, sodass man das Verb gleich mit einem Blick erfasst, sobald man die wörtliche Rede anliest.
"Nein", schrie sie. "Blabla - weiterschrei - weiterschrei."
Oder die wörtliche Rede gleich deutlicher machen ... was diese dann wieder steif und unspontan klingen lassne könnte.
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Beitrag #41, verfasst am 04.07.2010 - 20:33
Lapislazuli67 schrieb:

Nein, ich muss meine Vorstellung nicht revidieren.
Man liest doch normalerweise nicht Wort für Wort - ich hab den ganzen Satz auf einmal vor Augen. Aber auch wenn ich zuerst "gellend" lesen würde, wäre ja ohnehin klar, dass da ein Schrei kommt. Ich hab dieses Beispiel "gellend schreien" jetzt mal genommen, weil da noch nicht einmal unbedingt wörtliche Rede dabei sein muss, damit ich den Schrei "höre". Aber in dem Fall würde ich tatsächlich die wörtliche Rede ohnehin folgen lassen und nicht voran stellen.


Scheint mir, du hast ein gut ausgeprägtes Ultrakurzzeitgedächtnis. Der Durchschnittsbürger kann sich nur 7 Elemente zwanzig Sekunden lang merken, mehr nicht (und dazu zählt natürlich auch die Formatierung wie Anführungszeichen). Deswegen erfasse ich, die ich ein durchschnittlich gutes Ultrakurzzeitgedächtnis habe, lange Sätze nicht "auf einmal", sondern eher Wortgruppen.
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Beitrag #42, verfasst am 04.07.2010 - 20:45
Darth Pevra schrieb:

Scheint mir, du hast ein gut ausgeprägtes Ultrakurzzeitgedächtnis. Der Durchschnittsbürger kann sich nur 7 Elemente zwanzig Sekunden lang merken, mehr nicht (und dazu zählt natürlich auch die Formatierung wie Anführungszeichen). Deswegen erfasse ich, die ich ein durchschnittlich gutes Ultrakurzzeitgedächtnis habe, lange Sätze nicht "auf einmal", sondern eher Wortgruppen.


Eigentlich nicht. Ich muss mir das ja keine zwanzig Sekunden lang merken. Ich mach das so schnell, dass es für mich ineinander übergeht. Ergibt das irgendwie Sinn für dich?
Ich meine mich zu erinnern, dass du mal geschrieben hast, dass du eher langsam liest. Ich lese schnell. Außer ich zwinge mich dazu, langsam zu lesen. Hat vielleicht eher damit was zu tun?
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Max Frisch
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Beitrag #43, verfasst am 04.07.2010 - 21:29
Kann gut sein.
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Beitrag #44, verfasst am 05.07.2010 - 17:49
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zuletzt bearbeitet am 05.07.2010 - 17:50
Ich stehe zu meinen Großbuchstabenschreien *grin* Ich finde "AAAARRRGGHHH!!!!!!!1111eineinseinself" auch furchtbar, aber so etwas verwende ich auch gar nicht. Wenn ich Argh schreibe, dann schreibe "Argh!" bzw. "ARGH!", ganz selten auch mal "Aaargh!", aber nicht... das da ganz oben...

Ich lese aus Prinzip mit... mittlerer Geschwindigkeit, häufig auch langsamer (zu schnelles Lesen reißt mich aus der Geschichte raus, meistens, das artet immer irgendwie in "überfliegen" aus) und da ziehe ich es vor, wenn ich einen Schrei a la "NEIN!" etc. sehe und nicht ein "Nein!", schrie sie panisch.

Man kann auch... "Sie schrie panisch: "Nein!" " draus machen, aber diese Konstellation gefällt mir nicht so. Manchmal verwende ich es, aber bei dieser Konstellation denke ich irgendwie automatisch immer an die Bibel... "Und Gott sprach: "..." " Und das fremdet mich etwas an. Das Problem lässt sich umgehen, wenn man lediglich ein oder zwei Worte voranstellt und kein "sagen, sprechen, etc." dabei ist...

Außerdem gefällt mir "Sie schrie gellend auf und sprang mit einem Satz zurück" weniger als ein "Aah!" Sie sprang zurück." Beziehungsweise gefällt mir ein "NEIN! BITTE NICHT!" besser als ein "Nein! Bitte nicht!" flehte er verzweifelt."

Und ein... (Beispiel)

"Ich... WEISS NICHT, WAS ICH TUN SOLL, VERDAMMT!"

klingt/liest sich für mich intensiver als

"Ich...", sie stockte und schrie es dann heraus, "... weiß nicht, was ich tun soll, verdammt!"

wie soll man das da oben anders ausdrücken, ohne dem Satz die Intensität zu nehmen. Dieser Einschub der den Schrei erklären soll, reißt mich aus dem Geschehen heraus und schafft eine Distanz, die ich nicht will.

Klar sehen Großbuchstaben nicht so schön aus, aber sie vermitteln mir mehr Nähe zu den Protagonisten, rücken mich näher ans Geschehen und distanzieren mich nicht davon.
Was FSK Aussagen bedeuten:

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FSK 16 bedeutet: Der Böse bekommt das Mädchen.
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Beitrag #45, verfasst am 05.07.2010 - 20:12
Mir hat bei deinen Beispielen fast überall die Version ohne Großbuchstaben besser gefallen.

Mich reißen Großbuchstaben raus. Ein Text ohne diese bildet für mich igendwie eine dichtere Einheit...
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Beitrag #46, verfasst am 06.07.2010 - 11:24
Daran merkt man wieder einmal, wie unterschiedlich wir alle sind. Ich bin jemand, der das gelesene im Kopf sofort in Gehörtes und Gesehenes umwandelt. Bei Großbuchstaben höre ich sofort einen Schrei, wenn allerdings hinter oder vor der kleingeschriebenen wörtlichen Rede ein "schrie er" bzw. "er schrie" steht, funktioniert es bei mir nicht mehr. Dann muss ich den Schrei irgendwie nachträglich dazu editieren, und das distanziert mich von der Handlung.

Mir geht es nicht um die Einheit, sondern um das Gefühl, und bei...

Toni brüllte: "Du verdammter Mistkerl, ich bring dich um!"

wird bei mir nichts ausgelöst. Im Gegenteil. Aber bei

"Du verdammter Mistkerl, ICH BRING DICH UM!"

hab ich sofort ein Bild und diesen Schrei im Kopf.

Ich rede hier nur von mir, und ich schreibe es deshalb so, weil ich mich so näher am Geschehen finde und mir diese Variante deshalb mehr zusagt. Ich respektiere es, wenn andere es anders machen (und das können trotzdem gute Geschichten sein), aber ich werde es deshalb nicht ändern. Ich kann selbst nicht gut schreiben, wenn ich nicht so schreiben kann, wie ich mich in der Geschichten am wohlsten fühle. Und da ist es mir ehrlich gesagt egal, wenn man in Büchern kaum Großbuchstaben sieht. Oder ob meine Reviewer sagen, dass sie die Großbuchstaben nicht mögen.
Ich kann mich so besser in die Geschichte einfinden und mich den Protagonisten näher fühlen, weswegen ich mich auch besser in sie hinein versetzen und dadurch auch besser In Charakter schreiben kann, was zwangsläufig auch die Qualität der Geschichte verbessert.
Und wem's nicht gefällt, der sagt es mir und ich antworte genauso, wie ich jetzt antworte... außerdem hat sich bisher nur ein Leser drüber beschwert, und an der Geschichte an sich hatte er nichts zu meckern.

Für mich ist es intensiver.

Ich einer meiner FFs hatte ich mal folgende Szene... (ist jetzt nur ein Ausschnitt und es war eine SW-FF...)

Sie beugte sich über die Wiege und nahm die Kinder in den Arm. Der Junge sah sie aus seinen großen, blauen Augen an… das Mädchen wimmerte leise.
  Darth Bale lächelte unheilvoll.

~ ~ ~

„NEIN!“, Anakin fuhr aus dem Schlaf hoch und versuchte, die entsetzlichen Bilder zu vertreiben, die sich in seinem Hirn festgesetzt hatten.


---

Ich will auf dieses "NEIN!" hinaus. Meiner Meinung nach hätte ein simples "Nein!" hier nicht das rübergebracht, was ich an der Stelle bewirken wollte. Auch ein

"Nein!" Mit einem lauten Schrei fuhr...

nicht.

Für mich hat an der Stelle nur "NEIN!" gepasst. Alles andere hätte nicht das vermittelt, was ich vermitteln wollte, und alles andere wäre mir persönlich als unpassend/falsch erschienen.
Wörter in Großbuchstaben haben einen ganz anderen Effekt - sie wirken intensiver - und erzeugen in meinem Kopf automatisch einen Schrei.

Ich könnte noch tausend solcher Beispiele heraus kramen. Aber mir gefällt fast immer die Großbuchstabenvariante besser.

Das einzige, was ich Texten nie benutze (außer vielleicht für Orts- und Zeitangaben) ist Fettschrift. So etwas reißt mich aus der Geschichte heraus. Aber Capslock ist mir ein stets willkommener Gast.
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Beitrag #47, verfasst am 06.07.2010 - 11:46
Hm... Ich glaube, ich habe früher selbst schon Großbuchstaben verwendet - aber nie über ein einzelnes Wort hinausgehend. Ganze Sätze könnte ich niemals auf diese Weise verwenden. Und ich ändere meine alten Stories in diesem Punkt auch nicht mehr.

Aber grundsätzlich (und Grundsatz bedeutet ja immer, dass es Ausnahmen gibt :D) denke ich, dass ein Autor mit Worten spielen sollte und nicht mit grafischen Elementen. Grafische Elemente - und dazu zähle ich kursiv, fett und Großschrift - sollen nur bei der Struktur helfen - nicht beim Vermitteln von Inhalten.

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Beitrag #48, verfasst am 06.07.2010 - 12:01
Ich versuche immer, sehr dicht am Charakter zu sein. Dichter geht es eigentlich nur noch mit Ich-Erzähler. Man könnte fast sagen, mein Er-/Sie-Erzähler ist fast ein verkappter Ich-Erzähler. Ich versuche diese Nähe beizubehalten, und jede Umschreibung, die nicht absolut notwendig ist, rückt mich ein bisschen vom Charakter weg.

Natürlich schreibe ich auch manchmal "schrie sie" "fauchte er" etc. Aber bei richtig intensiven, lauten Schreien MUSS ich Capslock verwenden (naja, müssen vielleicht nicht, aber ich will es und ich tue es).

Würde ich einen allwissenden Erzähler nehmen, würde ich solche Stilmittel nicht verwenden. Aber so, wie ich schreibe - sehr direkt und nahe am Charakter - wirkt ein "ein verzweifelter Schrei entrang sich ihren Lippen und hallte noch Sekunden später in der Luft nach" irgendwie aufgesetzt (für mich).
Da schreibe ich lieber "NEIIN!" und ein paar ergänzende Worte, die eher den Gefühlszustand und nicht den Schrei selbst beschreiben.

Ich kann mit Worten spielen. Ich könnte das dieses "NEIIN!" mit Worten umschreiben. Aber warum sollte ich es tun, wenn ich mit NEIIN dasselbe vermitteln kann und gleichzeitig so viel näher am Charakter bin?

Ich will mich wohl bei dem fühlen, was ich schreibe. Und ich möchte nah dran sein. Es hilft meinem Kopfkino, wenn ich Capslock benutze.

Und ein paar NEIINs und BITTE NICHTs machen eine Geschichte nicht schlecht.
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Beitrag #49, verfasst am 06.07.2010 - 12:01
Also eigentlich denke ich, da muss jeder selbst wissen wie er gerne rüber bringen möchte dass jemand schreit...
Mich persänlich nerven endlose IIIIIIIIIIIIIIH Schreie auch, sind aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn der Rest der Story stylistisch gut ist.

Ich persönlich bin nicht der größte Freund von Buchstaben, benutze sie jedoch auch gelegentlich.
Besonders in Steigerungsformen finde ich das meist recht nützlich.
Auch wenn ein Wort besonders hervorgehoben werden soll, wie man es zum Besipiel beim normalen sprechen tut, finde ich Großbuchstaben in Einzelfällen akzeptabel...
Wie z.B.

"Ich habe gesagt wir brauchen ZWEI Eier, nicht drei!"

o.ä.
Damit wird der Leser gezwungen die Betonung beim Lesen genau so zu sehen, wie der Schreiber sie sich vorgestellt habe.
Also insgesamt bin ich der Meinung dass Großbuchstaben ein normales Effektgebendes Stilmittel sind, wenn sie nicht zu häufig benutzt werden.
In maßen können sie einen text durchaus aufwerten, im Überfluss können sie ihn allerdings zerstören und unlesbar machen.
Das Maß ist hier meiner Meinung nach ausschlaggebend.
Das Universum besteht aus Geschichten - nicht aus Atomen.

Mein Blog: http://timedrop-zeittropfen.blogspot.com/
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Beitrag #50, verfasst am 06.07.2010 - 12:13
oldi schrieb:

Ich persönlich bin nicht der größte Freund von Buchstaben, benutze sie jedoch auch gelegentlich.
....


Damit wird der Leser gezwungen die Betonung beim Lesen genau so zu sehen, wie der Schreiber sie sich vorgestellt habe.


*lol*. Darf ich das bei gelegenheit mal verwenden. Das gefällt mir!
...

Richtig. Gezwungen. Die Kunst ist es aber, den Leser nicht zu zwingen, sondern ihn ganz subtil zu lenken. Er soll nicht merken, dass er das Wort beim Lesen betonen soll - er soll es von ganz allein so betonen, wie du das möchtest, ohne zu merken, dass du überhaupt etwas von ihm möchtest.
Ich bin da bei meiner Lektorin durch eine harte Schule gegangen - keine Caplocks (einmal pro Buch sind sie erlaubt), keine Kursivschrift zur Betonungsverdeutlichung - kein gar nichts.
Nur Worte.
Es geht, aber es ist natürlich bequemer, wenn man sich die Formatierungen zu Hilfe nimmt.

Letztlich stören mich diese Formatierungen aber meist nicht so sehr. Bei Harry Potter oder Broms Kinderdieb war es z.B. sehr auffällig und nervte dann auch gerne. "SCHEISSE" sieht z.B. ausgesprochen scheiße aus. Aber so viel schlechter wurde das Buch dann dadurch auch nicht.
 
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