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Beitrag #1, verfasst am 14.07.2010 - 18:24
Eine kleine stilistische Frage, was benutzt ihr lieber, häufiger?
Was klingt in euren Ohren besser/runder?

Ich versuche, das ganze mal ein paar Beispielen festzunageln:

"Sie rechnete damit, das es Schwierigkeiten geben würde." (Verb + würde)

oder

"Sie rechnete damit, das es Schwierigkeiten gäbe." (Konjunktiv)

Lieber

"Sie würde es nicht gerne sehen, wenn er eine andere als sie lieben würde."

oder doch lieber

"Sie sähe es nicht gerne, wenn er andere als sie liebe."

Oder doch lieber ein Zwischending...

"Sie sähe es nicht gerne, wenn er andere als sie lieben würde"

bzw.

"Sie würde es nicht gerne sehen, wenn er andere als liebe."

Ich benutze beides, aber am liebsten Zwischendinger (wie das vorletzte Beispiel). Zweimal Möglichkeiten/Eventualitäten im selben Satz mit dem Konkunktiv bezeichnen klingt für mich seltsam und starr. Zweimal würde klingt auch nicht besonders toll. Aber kombiniert klingt es für mich wieder gut und rund.

Bei den anderen Beispielen... es kommt immer auf den Kontext an... in wörtlicher Rede benutze ich am häufigsten "Verb + würde", da niemand "Ich sähe es nicht gerne, wenn du da hin gingest" etc. sagt. Das wirkt dann künstlich und gestelzt.

Im Erzähltext benutze ich, aus reiner Gewohnheit, häufiger auch "würde + Verb"... obwohl hier manchmal (oder sogar häufig) der Konjunktiv besser klingt/passt.

Wie seht ihr das?
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Beitrag #2, verfasst am 14.07.2010 - 18:43
Ich habe einen relativ geradlinigen, recht "modernen" Erzählstil. Daher ziehe ich würde+Verb dem Konjunktiv meist vor, auch wenn ich mich hin und wieder für ein Zwischending entscheide. Sätze wie dieser

"Sie rechnete damit, das es Schwierigkeiten gäbe."

sind zwar korrekt, würden mich aber beim Lesen stolpern lassen. Ein wenig anders verhält es sich mit im Sprachgebrauch verbreiteten Formulierungen, wie z.B.

" ... als ob es kein Morgen gäbe."

Als weniger störend würde ich den Konjunktiv wahrscheinlich in Texten empfinden, die auf historisch oder märchenhaft getrimmt sind. Allgemein habe ich das Gefühl, dass sich der Konjunktiv im allgemeinen (oralen) Sprachgebrauch in einem Abbauprozess befindet und nur noch in bestimmten Standardformulierungen weiterlebt.
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Beitrag #3, verfasst am 14.07.2010 - 18:50
Andauril schrieb:
"Sie rechnete damit, das es Schwierigkeiten geben würde." (Verb + würde)

oder

"Sie rechnete damit, das es Schwierigkeiten gäbe." (Konjunktiv)

Lieber

"Sie würde es nicht gerne sehen, wenn er eine andere als sie lieben würde."

Hmm, bei diesem Beispiel sehe ich das "würde" irgendwie weniger als Zweifel an der Wahrscheinlichkeit, sondern eher als Zukunft und das fehlt mir bei "gäbe", daher bestehen da für mich Unterschiede, außerdem wäre ich da eher für "geben könnte". "würde" sagt mir außerdem, dass es für wahrscheinlicher erachtet wird als bei "könnte".
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Beitrag #4, verfasst am 14.07.2010 - 18:55
In den meisten Fällen nutze ich Verb und würde, da der Konjunktiv gerne ein wenig geschwollen/ altmodisch klingt, was in meine Texte nicht reinpasst.
Doppelt würde in einem Satz, würde ich jedoch vermeiden ;-), dann einmal würde - einmal Konjunktiv.

Meist aber ohne großes Nachdenken, frei Schnauze, wie es gerade kommt.
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Beitrag #5, verfasst am 14.07.2010 - 19:10
Meistens Verb + wuerde, weil das das erste ist, was mir einfaellt. Aber wenn sich ein schoener Konjunktiv ergibt, dann nehme ich denn gerne.
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Beitrag #6, verfasst am 14.07.2010 - 19:22
Ich benutze ja meistens auch "würde + Verb", da das meist das erste ist, das mir einfällt und meistens auch besser zu meinen Texten passt. Konjunktiv wirkt gerne etwas geschwollen und gekünstelt und daher vermeide ich ihn meistens gerne. Auch wenn er an manchen Stellen besser passt als "würde + Verb". Wenn das der Fall ist, ersetze ich ihn gerne durch das passende Konjunktiv.
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Beitrag #7, verfasst am 14.07.2010 - 19:26
Es ist beides Konjunktiv und die Faulheit siegt bei vielen, warum sich "Verb + würde" immer weiter verbreitet, auch wenn es bis vor einiger Zeit noch absolutes No-Go war...

Ich musste als Autor leider schon feststellen, dass korrektes Hochdeutsch (nicht nur in solchen Fällen) als "klingt falsch" bezeichnet wurde >.<
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Beitrag #8, verfasst am 14.07.2010 - 19:35
B-chan schrieb:
Es ist beides Konjunktiv und die Faulheit siegt bei vielen, warum sich "Verb + würde" immer weiter verbreitet, auch wenn es bis vor einiger Zeit noch absolutes No-Go war...

Ich musste als Autor leider schon feststellen, dass korrektes Hochdeutsch (nicht nur in solchen Fällen) als "klingt falsch" bezeichnet wurde >.<


Ich will doch mal entschieden gegen die Aussage protestieren, Sprachwandel hätte was mit "Faulheit", "Dummheit", o.Ä. zu tun. Korrektes "Hochdeutsch" (also eine künstliche Standardsprache, die im Prinzip nur in Schriftform existiert) kann grammatikalisch richtig sein, und nach aktuellem Sprachgebrauch trotzdem "falsch" bzw. einfach ungewohnt klingen. Finde ich persönlich nicht schlimm.

Texte, die dem Sprachgebrauch fremde (gleichwohl korrekte) Formulierungen enthalten, lassen sich oft schwerer lesen, weshalb ich als Autor versuche, nicht mehr gängige Formulierungen zu vermeiden. Das betrifft in vielen Fällen (leider?) auch die hier angesprochenen Konjunktivschreibungen.
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Beitrag #9, verfasst am 14.07.2010 - 19:48
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zuletzt bearbeitet am 14.07.2010 - 19:50
LadyOfTheSilent schrieb:
Ich will doch mal entschieden gegen die Aussage protestieren, Sprachwandel hätte was mit "Faulheit", "Dummheit", o.Ä. zu tun. Korrektes "Hochdeutsch" (also eine künstliche Standardsprache, die im Prinzip nur in Schriftform existiert) kann grammatikalisch richtig sein, und nach aktuellem Sprachgebrauch trotzdem "falsch" bzw. einfach ungewohnt klingen. Finde ich persönlich nicht schlimm.


Ich sage nicht, dass es schlimm ist. Nur finde ich es schlimm, wenn etwas, das grammatikalisch noch nicht korrekt ist, als "richtig", die richtige Form jedoch als "falsch" bezeichnet wird.
Nichts gegen Sprachwandel, aber korrekte Formen als "falsch" zu deklarieren...
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Beitrag #10, verfasst am 14.07.2010 - 19:55
B-chan schrieb:
Ich sage nicht, dass es schlimm ist. Nur finde ich es schlimm, wenn etwas, das grammatikalisch noch nicht korrekt ist, als "richtig", die richtige Form jedoch als "falsch" bezeichnet wird.
Nichts gegen Sprachwandel, aber korrekte Formen als "falsch" zu deklarieren...


Das ist einfach Unwissenheit. Es klingt nunmal nicht mehr vertraut, da die Form in der gesprochenen Sprache so im Prinzip nicht mehr existiert. Zumindest kenne ich niemanden, der beim Sprechen den flektierten Konjunktiv der analytischen Form vorziehen würde. Weiterhin verstehe ich nicht, warum die analytische Form würde + Verb "noch" nicht korrekt sein soll. M.E. sind beide Formen grammatikalisch korrekt und semantisch bis auf wenige Ausnahmen gleichbedeutend.

Allerdings lasse ich mich gerne eines besseren belehren, da ich kein Germanist bin und auch nicht weiß, welche Diskussionen dieses Fach im Augenblick beschäftigen.
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Beitrag #11, verfasst am 14.07.2010 - 20:51
Ich habe nur einen Kurs Sprachwissenschaft belegt *lach* und die Dozentin ist... eigen.

Manchmal verwende ich gern "antiquierte" Varianten, einfach weil es mir Spaß macht (sowohl geschrieben als auch gesprochen). Ich mag Sprache ^^
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Beitrag #12, verfasst am 14.07.2010 - 22:21
B-chan schrieb:
...Manchmal verwende ich gern "antiquierte" Varianten, einfach weil es mir Spaß macht (sowohl geschrieben als auch gesprochen). Ich mag Sprache ^^


Das halte ich genauso, auch wenn ich manchmal schiefe Blick zugeworfen bekomme, weil ich so "geschwollen" rede. Aber ich finde es furchtbar, daß Sprach so vereinfacht wird und gar keine Pflege mehr erfährt.
Ich kann auch rumschnoddern, wenn es sein muß, aber lieber drücke ich mich gewählt aus. Ich mag es überhaupt nicht, wenn z.B. in FFs die Charaktere alle nicht fähig sind, sich ihrem Bildungsstand entsprechend auszudrücken und an allen Ecken und Enden nur noch rumgeflucht und Umgangssprache gesprochen wird.

Ich hab ein Faible für die Zeit der Regency (England frühes 19. Jh.), in diesen Geschichten verwende ich ausschließlich Konjunktiv, weil er am besten die gehobene Ausdrucksweise in der englischen Sprache ausdrückt.
Wenn in diesem Bereich Charaktere quatschen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, kann ich das nicht lesen, weil es einfach nicht in die Zeit paßt. Da hat noch niemand "f*ck" gesagt, was einigen Autoren fremd zu sein scheint!

Natürlich benutze ich in moderneren Texten meist Verb+würde, weil der Konjunktiv durchgehend angewendet natürlich einen Tick zu steif wird. :)
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Beitrag #13, verfasst am 14.07.2010 - 22:55
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zuletzt bearbeitet am 14.07.2010 - 22:57
Öhm.... seht ihr hier alle den Konjunktiv ohne "würde" als antiquiert und geschwollen?

Ich nicht. Ich rede so auch normal. Okay, vielleicht bin ich altmodisch, aber ich bin nun mal der Ansicht, dass Deutsch eine "würdelose" Sprache sein sollte und unterstütze in meinem Sprachgebrauch die GSV spätestens nach dem ich Gisbert Haefs' Krimi "Und oben sitzt ein Rabe" gelesen habe.

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Beitrag #14, verfasst am 14.07.2010 - 23:21
Rune schrieb:
Öhm.... seht ihr hier alle den Konjunktiv ohne "würde" als antiquiert und geschwollen?

Ich nicht. Ich rede so auch normal. Okay, vielleicht bin ich altmodisch, aber ich bin nun mal der Ansicht, dass Deutsch eine "würdelose" Sprache sein sollte...


Oh, dann bin ich auch altmodisch. Ich finde die "würdelose" Sprache gerade gesprochen schöner...

Wobei es beim Schreiben mal wieder "darauf ankommt". In meiner "klassischen" Fantasy versuche ich, die "würde"s mehr oder weniger komplett zu vermeiden, eben weil sie sich so modern und ein bißchen schnodderig lesen/anhören und in Verbindung mit dem übrigen Stil, den ich durchzuhalten versuche (etwas schnörkeliger) nicht so richtig passen wollen. Kann natürlich sein, dass ab und an doch mal eines hineinrutscht oder ich die gemischte Versionen verwende.

In anderen Texten darf dann auch schon mal öfter gewürdet werden.

Aber wirklich "steif" oder "geschwollen" finde ich viele Konjunktive jetzt nicht...
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Beitrag #15, verfasst am 14.07.2010 - 23:44
Also, wenn es irgend geht, dann verwende ich den Konjunktiv II durchaus und auch den Konjunktiv I. Aber immer mit den verschiedenen Bedeutungen, die durch diesen Modus mitgetragen werden. Würde+Verb ist ebenfalls so eine Sache, die je nachdem, was mitschwingen soll, angebracht ist oder nicht.


Andauril schrieb:
"Sie rechnete damit, das es Schwierigkeiten geben würde." (Verb + würde)

oder

"Sie rechnete damit, das es Schwierigkeiten gäbe." (Konjunktiv)



Das erste Beispiel, da es in diesem Fall grammatikalisch richtig ist und die Konjunktivvariante eine andere Aussage hat, als würde+Verb in diesem Fall.
Es handelt sich um das sogenannte "Schicksalsfutur", welches in erzählenden Texten, die durchweg in der Zeiten der Vergangenheit gehalten wurden, Verwendung findet. "Sie rechnete damit, dass es Schwierigkeiten geben würde." ist quasi nichts anderes als die Aussage "Sie rechnet damit, dass es Schwierigkeiten geben wird." in die Vergangenheit gesetzt. Daher ist in diesem Beispiel würde+Verb die einzige grammatikalisch richtige Variante.



Andauril schrieb:
"Sie würde es nicht gerne sehen, wenn er eine andere als sie lieben würde."

oder doch lieber

"Sie sähe es nicht gerne, wenn er andere als sie liebe."

Oder doch lieber ein Zwischending...

"Sie sähe es nicht gerne, wenn er andere als sie lieben würde"

bzw.

"Sie würde es nicht gerne sehen, wenn er andere als liebe."


An dieser Stelle versuche ich eine Wortwiederholung von "würde" zu vermeiden. Aber auch hier stellt sich wieder die Frage, welches "würde+Verb" sich am ehesten durch einen entsprechenden Konjunktiv ersetzen lassen könnte, ohne den Sinn der Aussage zu verfälschen. Es ist wieder das Problem der Vergangenheit. Eine eigentlich gleichzeitige Aussage müsste in die Vergangenheit gesetzt werden.

1. Variante: "Sie würde es nicht gerne sehen, wenn er eine andere als sie lieben würde!"
2. Variante: "Sie sähe es nicht gerne, wenn er eine andere als sie lieben würde."
3. Variante: "Sie würde es nicht gerne sehen, wenn er eine andere als sie liebte."
4. Variante: "Sie sähe es nicht gerne, liebte er eine andere als sie."


Die 1. Variante gilt es zu vermeiden. Mein Favorit ist die 4. Variante. Aus dem einfachen Grund, weil es dem Leser hier überlassen ist, ob der Konjunktiv II tatsächlich eine absurde Irrealität ausdrücken soll oder aber lediglich meine stilistische Form des Indirektheitskonjunktivs sein könnte.

Problem am Konjunktiv sind die Bedeutungsunterschiede. Was will der Autor und was will er dem Leser vermitteln?

Wenn man das ganze Beispiel jetzt als direkte Rede ansieht:
- Sie sagte: "Ich sehe es nicht gern, wenn du eine andere liebst."
Muss die indirekte Rede lauten:
- Sie sagte, dass sie es nicht gerne sehe, wenn er eine andere liebe/lieben würde.
Hier bevorzuge ich sogar: "lieben würde", da "sehen" einen Konjunktiv I hat, der sich vom Präsens unterscheidet, während das bei "lieben" nicht der Fall ist.

Also schon eine komplizierte Sache mit dem Konjunktiv.

Andauril schrieb:
Bei den anderen Beispielen... es kommt immer auf den Kontext an... in wörtlicher Rede benutze ich am häufigsten "Verb + würde", da niemand "Ich sähe es nicht gerne, wenn du da hin gingest" etc. sagt. Das wirkt dann künstlich und gestelzt.

Im Erzähltext benutze ich, aus reiner Gewohnheit, häufiger auch "würde + Verb"... obwohl hier manchmal (oder sogar häufig) der Konjunktiv besser klingt/passt.

Wie seht ihr das?


Fazit: Wenn der Konjunktiv passt und definitiv der Konjunktiv gemeint ist und nicht das Schicksalsfutur, dann verwende ich diesen auch.
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Beitrag #16, verfasst am 15.07.2010 - 07:18
Eosphoros schrieb:
Fazit: Wenn der Konjunktiv passt und definitiv der Konjunktiv gemeint ist und nicht das Schicksalsfutur, dann verwende ich diesen auch.


Genau so halte ich es auch. Jedoch mache ich mir beim Schreiben da gar nicht so viele Gedanken, da ich diese Formen aus dem Sprachgebrauch heraus anwenden kann und weiß bzw. fühle was sie ganz detailliert bedeuten.

B-chan schrieb:
Ich musste als Autor leider schon feststellen, dass korrektes Hochdeutsch (nicht nur in solchen Fällen) als "klingt falsch" bezeichnet wurde >.<


Ja, das ist mir auch schon passiert und einer Freundin von mir noch viel mehr. Sie benutzt in manchen Texten eine eher alte Sprache und musste dann erleben, dass ihre Betaleserin ihr alles als falsch markiert hat. Ich habe beim Lesen auch schon festgestellt, dass gewisse grammatikalische Formen nicht nur nicht mehr gebräuchlich sind, sondern einigen auch einfach nicht mehr bekannt. Persönlich finde ich dies schlimm. Konjunktivformen sollten eigentlich etwas sein, dass man aus dem Sprachgebrauch heraus blind beherrscht. Man muss sie nicht analysieren können oder wissen, wie genau sie heißen. Aber anwenden können sollte man sie und ich glaube da hapert es bei so manchen Leuten.
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Beitrag #17, verfasst am 15.07.2010 - 09:44
Ich finde Sprachdogmatismus in jeglicher Form fragwürdig, insbesondere wenn damit wertende Aussagen einher gehen. Jemand, der sich gerne klassischer Wendungen bedient, ist genausowenig "arrogant" und "altmodisch", wie jemand, der einen eher modernen Sprachschatz bedient "schnoddrig" oder "faul" ist.

Ansonsten hat @Eosphoros natürlich recht: Es gibt Bedeutungsnuancen, die man beim Schreiben durchaus berücksichtigen sollte. Ich würde aber meinen wollen, dass man diese Nuancen zumindest als Muttersprachler auch ohne größer darüber nachzudenken trifft.

Darüber hinaus sehe ich meine Geschichten aber nicht als letzten Rettungsanker der "dt. Sprache" (wenn man sie denn als statisches Konstrukt betrachten will, das gewürdigt und gepflegt werden muss) und schreibe meist so, wie es sich für mein Sprachgefühl am besten anhört und am flüssigsten liest.
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Beitrag #18, verfasst am 15.07.2010 - 10:14
Ich habe nichts gegen den Konjunktiv ohne "würde + Verb". Ich verwende ich auch - wenn er sich besser anhört oder besser in den Kontext passt oder wenn eine Person, die sich allgemein gewählter ausdrückt, spricht.

Aber der Straßenjunge oder der kleine Dieb oder der knallharte Söldner sagt eben nicht: "Ich entschlösse mich dafür, es sein zu lassen." Der sagt viel eher (jedenfalls würde das authentischer klingen): "Ich würde mich dafür entschließen, es sein zu lassen."

Ich benutze das immer im Kontext. Ich glaube nicht, dass sich z.B. Han Solo in Konjunktiv II zwei ausdrücken würde, wenn er von Möglichkeiten spricht... aber jemand wie der Imperator oder Count Dooku durchaus.

Es muss eben auch zum Sprecher passen. Und zur Sichtweise desjenigen, aus dessen Perspektive erzählt wird.
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Beitrag #19, verfasst am 15.07.2010 - 11:11
Ich finde es irgendwie amüsant, über was manche Leute sich so Gedanken machen... LOL
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Beitrag #20, verfasst am 15.07.2010 - 19:59
ich bin da wohl zu den "verb+konjunktiv-fans" zählen ... irgendwie mag ich das lieber - allerdings aber nur, wenns nicht ständig vorkommt (in jedem zweiten satz "würde" oder in einem schachtelsatz ständig "würde" - ne, mag ich nicht)
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Beitrag #21, verfasst am 16.07.2010 - 16:17
Ich mag den Konjunktiv ;) Und auch das gute alte Präteritum, groteske Fremdwörter, Schachtelsätze und antiquierte Sprache. =) Was nicht heßen soll, dass ich das alles permanent benutze. Einen gewählteren Modus des Ausdrucks meiner Befindlichkeit in die Praxis meiner Sprache Eingang finden zu lassen dünkt mich durchaus angelegentlich eines gewissen Amusements nich zur Gänze zu entbehren derweil das Individuum durch in übertriebenem Maße zur Anwendung kommende Spitzfindigkeit bisweilen nicht unbedingt den Grad seiner Beliebtheit zu steigern vermag.
Meiner Meinung nach hat diese sehr spezielle Art der Rede-/Schreibweise, besonders in Verbindung mit schwachsinnigen Inhalten einfach einen wahnsinnig hohen Unterhaltungswert. xD
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Beitrag #22, verfasst am 20.09.2010 - 15:16
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zuletzt bearbeitet am 20.09.2010 - 15:17
Meine Deutschprof hat darauf gepocht --> Wenn ist würdelos. Ergo im Satzteil, indem ein wenn steht, kommt immer der Konjunktiv. Vielleicht ist diese Regel inzwischen überholt, das weiß ich nicht ;-)

Ich würd wahrscheinlich diese Versionen gebrauchen...

Andauril schrieb:
"Sie rechnete damit, dass es Schwierigkeiten geben würde."


Andauril schrieb:
"Sie sähe es nicht gerne, wenn er andere als sie liebte."


Obwohl ich letzteren Satz vermutlich eher ein wenig anders ausdrücken würde.
♫ Wirklich frei macht wahrscheinlich nur der Wahnsinn! ♫

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Beitrag #23, verfasst am 20.09.2010 - 16:10
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zuletzt bearbeitet am 20.09.2010 - 16:18
hm, ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich die beiden Formen nie als austauschbar wahrgenommen habe. Einerseits benutze ich den Konjunktiv in meinem Alltag sehr ausführlich und auch in meinen Texten sehr gerne, außerdem sehe ich in allen Beispielen die hier geliefert wurden Bedeutungsunterschiede.

"Sie rechnete damit, das es Schwierigkeiten gäbe." ist so auf jeden Fall einfach falsch, wenn er sich auf ein noch nicht stattgefundenes Ereignis bezieht, weil der Konjunktiv hier ein Irrealis (Vereinfacht: Eine Verneinung) ist und der nicht mit "sie rechnete damit" stehen kann. Weil sich der Satz dann in sich widerspricht. Er kann sich nur auf etwas vergangenes beziehen, von dem sie nicht ausgegangen ist, dass sie aber nicht mehr leugnen kann. *klugscheißen an* Außerdem heißt es "dass" *klugscheißen aus*

Bei den Varianten sehe ich ebenfalls Unterschiede:

1. Variante: "Sie würde es nicht gerne sehen, wenn er eine andere als sie lieben würde!"

Das ist rein hypothetisch. Sie sieht es noch nicht so und würde es erst tun, wenn eine Bedingung erfüllt werden würde die noch offen ist. Diesen Satz würde ich verwenden, wenn ich eine Außensicht auf das "Sie" haben möchte. Also andeuten, dass "sie" sich noch gar keine Gedanken darüber gemacht hat. Das "würde" empfinde ich hier auch nicht als Wortwiederholung, weil es in beiden Satzteilen an anderer Position steht.

2. Variante: "Sie sähe es nicht gerne, wenn er eine andere als sie lieben würde."

Hier steht fest, dass "sie" schon darüber nachgedacht hat, die Perspektive kommt von Innen. es könnte eine Warnung oder Drohung sein.

3. Variante: "Sie würde es nicht gerne sehen, wenn er eine andere als sie liebte."

Hier andersherum, es steht fest, dass "er" sie liebt und das auch gut ist, weil sonst "sie" es nicht gerne sehe, aber "sie" hat sich vielleicht noch gar keine Gedanken darüber gemacht.

4. Variante: "Sie sähe es nicht gerne, liebte er eine andere als sie."

Logische Schlussfolgerung: Das hier wäre für mich zu kitschig *eg* Nein, im ernst, Grammatikalisch die schönste Formulierung, aber sie spricht von einer Frau, die zwar weiß, dass sie "eifersüchtig" werden kann, aber sich der Liebe des Mannes sicher ist.

Wie hier schon mehrmals gesagt wurde, Sprache wandelt sich, sie springt nicht um. Solange zwei Formen bewusst existent sind, haben sie Bedeutungsunterschiede, erst wenn sie exakt das selbe bedeuten, fällt eine Form aus, einfach weil die Sprache pragmatisch ist. Daher gibt es auch keine Sprecher die Brötchen und Semmel gleichwertig benutzen.
Ich lebe in einer Welt, in der Vampire STERBEN wenn sie in die Sonne treten.
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Beitrag #24, verfasst am 22.09.2010 - 20:18
Ich verwende  Variante drei.

Meistens jedoch vermeide ich  Nebensaetze durch Verwenden von Partizipialkonstruktionen oder substantivierten Infinitiven.

Also:

Sie rechnete mit dem Auftreten von Schwierigkeiten.

Sie wuerde ihn nicht gerne eine andere liebend sehen.
 
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