Autor
Beitrag
Beiträge: 434
Rang: Paragraphenreiter
•  
Beitrag #1, verfasst am 27.07.2010 - 15:55
Schon seit anbeginn meiner FanFiction-Zeit fällt mir immer wieder ein Phänomen auf.

In den Foren der FF-Plattformen bekräftigen sämtliche User wie furchtbar Klischees sind und dass all die doofen Autoren endlich mal was realistischeres bringen sollen. So weit so gut.
Schreibt man dann jedoch Figuren und Geschichten, die aus dem 0815-Rahmen fallen dann bekommt man u.a. Reviews wie "Also mal ehrlich, so ist das doch gar nicht! das hat doch gar nichts mehr mit Fandom XY zutun! Und warum ist der typ dick und intelligent! Geht ja gar nicht!"

Da frage ich mich zuweilen, ob man in Foren nur die Antiklischeehaltung vertritt weil man nicht als blöder Mainstreamleser gelten will oder es einfach nicht merkt, dass man doch eigentlich totaler "Klischeejaner" ist, obwohl man es öffentlich stets abstreitet.
Und oft kommen dann diese Kommentare auch noch genau von den Leuten, die vorher in ihren Postings Klischees und Stereotypen verteufelt haben.

Mich persönlich irritiert diese Beobachtung ein wenig. Denn da beißt sich die Katze offenbar in den Schwanz.
Sagt ein Planet zum anderen: "Homo Sapiens? Hatte ich auch mal. Geht vorbei."

Liegt der Nazi tot im Schrank war der Schreiner wohl ein Punk. xD
Beiträge: 247
Rang: Spiegelleser
•  
Beitrag #2, verfasst am 27.07.2010 - 16:30
Naja, es gibt schon einen unterschied zwischen "Klischees" und "Klischeeees"... Gute und schlechte Klischees, sozusagen. Zum Beispiel würde ich niemals eine Fantasygeschichte lesen wollen, in der Elfen dick, klein, sterblich, blutrüstig und geldgierig sind. Nach der lektüre von "nijura" hab ich mir also ein trauma eingefangen...

Ein schlechtes Klischee ist für mich zB., dass alle Männer bzw jungs im dunstkreis des helden dessen sexualität teilen müssen, im Beispiel von Harry Potter- ganz Hogwarts ist auf einmal schwul. Oder dass es in einer beziehung immer jemanden gibt, der den weiblichen, unterwürfigen part ausübt, und der andere männlich und dominant ist. oder die weiblichen heldinnen in Reallife meets middleearth fanfics. in ihrer welt ist sie ganz normal, wird gehänselt, ist deprimiert... und kaum in ME angekommen vergöttern Elben, Menschenkönige sowie Valar ihr wallendes, tiefrotes Haar, ihren zierlichen Körperbau oder ihre Rehaugen... warum ist das nur früher niemandem aufgefallen...? *hach*

Um es kurz zu machen- nicht alle Klischees sind schlecht, aber viele sollte man besser auslassen :P
"If Tolkien did not spend hours describing Éowyn's hair, then why should I?"
Beiträge: 4181
Rang: Literaturgott
•  
Beitrag #3, verfasst am 27.07.2010 - 16:39
  •  
zuletzt bearbeitet am 27.07.2010 - 16:43
Hmmm. Klischee =/= unrealistisch, erstmal. Ich glaube, dass jedes Klischee irgendwo in der Realität seinen Ursprung hat.
Abgesehen davon möchte, würde ich mal behaupten, kaum jemand eine Geschichte, die völlig frei von Klischees ist. Ich habe es auch selten in Internetforen gelesen, dass irgendjemand ALLE Klischees verdammt. (außer vielleicht wirklich denen, die sich gerne als besondere Individualisten bezeichnen und denken, sich ständig von allem, das Mainstream ist, ob es nun gut oder schlecht ist, abgrenzen zu müssen - aber kann man die ernst nehmen?) Die Menge macht es.
Und selbstverständig stört jeden ein anderes Klischee.

Das Klischee vom strahlenden Superhelden, der kein Wässerchen trüben kann, stört mich z.B. nicht (auch wenn ich Helden mit Fehlern bevorzuge). Ich bin auch immer noch so klischeehaft eingestellt, dass ich stets mit den Guten mitfiebere und die Bösen hasse bzw. nicht mag. Ich habe es zwar gerne, wenn das Böse aus einem nachvollziehbaren Grund böse ist, allerdings geht für mich auch die Welt nicht unter, wenn es einfach nur um der Bosheit willen fies ist.
Was ich nicht leiden kann, ist dass das Böse grundsätzlich ätzend hässlich ist. Ab und zu mal, ja. Aber nicht in jeder Geschichte, die ich lese! Genauso wenig, wie das Gute immer strahlend schön sein muss.
Oder, wo ich wirklich die Krätze kriege: der abweisende, kühle, machohafte Held mit seinem ihn anhimmelnden, wunderschönen, verliebten Frauchen. Das kotzt mich einfach an.
Genauso wie das Comic Relief (also der _nutzlose_ Beste Freund), das stets sterben muss, um den Held zu retten.
Das hat nichts mit dem obligatorischen auf Klischees Schimpfen zu tun, sondern das macht mich wirklich wütend. Ich würde es nie schreiben, und wenn es beim Lesen zu schlimm wird, gehe ich die Wände hoch.

Ich meine, ich kann nur für mich sprechen. Ich bin American Comic-Fan, ich stehe auf Blockbuster (und Filme allgemein), und ich liebe auch Comicverfilmungen. UND zocke. Da KANN ich Klischees gar nicht verteufeln. Nur wenn wirklich jedes Klischee in einem Buch/Film/Comic ausgeschlachtet wird, dann nervt mich das schon, denn dann kommen ganz einfach Geschichten zustande, wie es sie schon 10000 mal gegeben hat, und zwar kultiger und besser.
Durch die Finsternis des zukünftig Vergangenen sehnt der Magier sich nach Licht,
nach einem Weg heraus zwischen zweierlei Welten. Feuer, zieh mit mir!
Beiträge: 25
Rang: ABC-Schütze
•  
Beitrag #4, verfasst am 27.07.2010 - 16:55
Ich verwende absichtlich permanent extreme Stereoptype, und das lasse ich mir von niemandem ausreden.
Beiträge: 252
Rang: Spiegelleser
•  
Beitrag #5, verfasst am 27.07.2010 - 17:41
CyberneticNemesis schrieb:

In den Foren der FF-Plattformen bekräftigen sämtliche User wie furchtbar Klischees sind und dass all die doofen Autoren endlich mal was realistischeres bringen sollen. So weit so gut.
Schreibt man dann jedoch Figuren und Geschichten, die aus dem 0815-Rahmen fallen dann bekommt man u.a. Reviews wie "Also mal ehrlich, so ist das doch gar nicht! das hat doch gar nichts mehr mit Fandom XY zutun! Und warum ist der typ dick und intelligent! Geht ja gar nicht!"


Ich sehe jetzt nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Wenn eine FF nichts mehr mit dem Fandom zu tun hat, in dem sie angesiedelt ist, dann wird sie wahrscheinlich nicht allzu viele Leser finden. Denn FF liest man nunmal in der Regel, weil man ein Fan einer GANZ BESTIMMTEN (fiktiven) Welt oder Figur ist. Da können die Figuren noch so realitätsnah gezeichnet ein; wenn ich die Vorlage nicht mehr wiedererkenne (und auch keinen Zusammenhang sehe) reizt mich die Story zumindest als FF nicht mehr.

Auch an eine Geschichte, die die Rahmenbedingungen des Originals aufrecht erhält kann man jedoch den Anspruch stellen, Figuren nicht allzu eindimensional und stereotyp zu zeichnen.  

Mit "blöder Mainstream", etc., hat das überhaupt nichts zu tun. M.E. vermengst Du hier zwei Sachverhalte, die im Grunde völlig unabhängig voneinander zu sehen sind.

Die eigentliche Frage ist doch, wie weit sich ein Text von der Vorlage entfernen kann, um noch als eine FF durchgehen zu können, von der sich Fans angesprochen fühlen.
Beiträge: 2508
Rang: Schriftsteller
•  
Beitrag #6, verfasst am 27.07.2010 - 18:08
Zu viel Klischees ist fad, zu wenige bedeutet eine schwierigere Orientierung fuer den Leser. Ich bevorzuge Geschichten mit eher wenigen Klischees, aber das heisst nicht, dass ich Klischees an sich schlecht finde. Wenn mir etwas in den Kram passt, dann rein damit.
Eventuelle Rechtschreibfehler in Forenbeiträgen sind auf Schlampigkeit und nicht auf Unkenntnis zurückzuführen.
Mein Autorenblog: http://acryldame.blog.de/
Beiträge: 335
Rang: Aktenwälzer
•  
Beitrag #7, verfasst am 27.07.2010 - 18:23
Darth Pevra schrieb:
Zu viel Klischees ist fad, zu wenige bedeutet eine schwierigere Orientierung fuer den Leser. Ich bevorzuge Geschichten mit eher wenigen Klischees, aber das heisst nicht, dass ich Klischees an sich schlecht finde. Wenn mir etwas in den Kram passt, dann rein damit.



Kann ich so unterschreiben. Ich finde auch, die Mischung macht's.

Zudem gibt es ja auch jede Menge Möglichkeiten, selbst einen recht klischeehaften Charakter durch bestimmte Wesenszüge individuell und nicht zu vorhersehbar zu gestalten. So dass er zwar ein bestimmter Typ bleibt, jedoch seinen eigenen Wiedererkennungswert gewinnt.
I think I died long ago and you two are my eternal punishment.

(Charlie the Unicorn)
Beiträge: 234
Rang: Spiegelleser
•  
Beitrag #8, verfasst am 30.07.2010 - 18:32
ich denke gern in schuladen. das macht das leben einfacher. ich lasse mich zwar gerne ueberraschen und ich habe klischees, die ich hasse. aber so gegen einige spricht nichts.
Das Schreiben ist ein süßer wunderbarer  Lohn, aber wofür? Es ist der Lohn für Teufelsdienst.  - Franz Kafka
Beiträge: 81
Rang: Schreibkraft
•  
Beitrag #9, verfasst am 31.07.2010 - 06:05
Wie bereits oft gesagt, es kommt einfach darauf an, welche Klischees und WIE sie umgesetzt wurden. Ich hätte jetzt nichts gegen kleine, dicke blutrünstige und geldgierige Elfen wie Vilya. Aber genauso wie Vilya nervt es mich auch total, wenn plötzlich irgendwie ALLE schwul sind. Oder lesbisch. Je nach FanFiction.

Ich denke, wenn man schreibt, kommt man nicht um Klischees herum, aber bei den meisten Klischees kommt es wohl einfach nur darauf an, ob man sie einfach stumpf hinklatscht weil einem nichts einfällt oder ob man die Klischees aufleben lässt und sie real in die Geschichte einbaut.
Beiträge: 76
Rang: Schreibkraft
•  
Beitrag #10, verfasst am 01.08.2010 - 19:52
Man kommt doch kaum an einem Mindestmas an klischees vorbei. Selbst kleine dicke blutrünstige und geldgeile Elfen sind eigentlich nur ein Anti-Klischee, man verdreht einfach das klischee um 180 Grad.

Für mich besteht der Trick darin das Klischee gekonnt an einigen stellen zu brechen. Elfen können schön, unsterblich, gross und spitzohrig sein. Aber vielleicht sind sie dekadent geworden? Haben sich in einen Wahn der Perfektion gesteigert oder haben andere Probleme. Der Protagonistische Meuchelmörder hat vielleicht wirklich kein gewissen, keine alpträume, aber auch keine gesteigerte freude an seinem Handwerk.

Für mich existieren die interessanten geschichten im Spannungsfeld zwischen Klischee und dessen bruch.
Nur zwei dinge sind unendlich, das Universum und die Dummheit der Menschen, wobei ich mir beim Universum nicht ganz sicher bin - A. Einstein

Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde zu sein, muss man vorallem eines sein - ein Schaf - A. Eins
Beiträge: 253
Rang: Spiegelleser
•  
Beitrag #11, verfasst am 01.08.2010 - 20:05
klischees sind in meinen augen nicht wirklich unrealistisch ... wie sagt man so schön - überall steckt ein wahrer kern. und warum sollte man den denn nicht offenbaren? *g*
ich persönlich mag klischees eigentlich sogar ganz gerne ... z.b. heroische held, der sein leben aufs spiel setzt, um seine freunde zu retten - bei so was schmelze ich nach wie vor dahin *schmacht* allerdings machts halt einfach die mischung .... zu viel des guten ist halt auch nix. hier ein bisschen rumklischeen und dort ein bisschen rumklischeen ist absolut in ordnung (v.a. wenn man es geschickt macht und an der richtigen stelle ein paar "ecken und kanten" einbaut) ... so lange es denn nicht die überhand nimmt
Beiträge: 974
Rang: Literaturkritiker
•  
Beitrag #12, verfasst am 02.08.2010 - 10:46
Man darf eben nicht alle Klischees auf einmal umsetzen wollen. Und auch nicht allen auf einmal widersprechen.
Blutrünstige Elfen finde ich vollkommen akzeptabel. Kleine Elfen ebenfalls. Und dicke Elfen, die sonst allen Klischees entsprechen, sind auch wiedererkennbar.

Aber es gibt auch Klischees, die ich völlig in Ordnung finde. Heroische Helden beispielsweise. Die müssen in einer Fantasygeschichte einfach sein. Wenn das Spektrum nur von hell- bis dunkelgrau reicht, und es keinen Helden mit wirklich weißer Weste gibt, habe ich Schwierigkeiten, mich mit jemandem zu identifizieren.
Beiträge: 525
Rang: Graffitiwriter
•  
Beitrag #13, verfasst am 02.08.2010 - 17:12
Ich hasse Klischees eigentlich gar nicht und benutze sie auch hin und wieder ganz gern.
Gerade mein Lieblingsgenre Fantasy (klassische und urban) lebt bis zu einem gewissen Grad davon.

Natürlich ist es langweilig, wenn alle gängigen Klischees platt aneinander gereiht werden, aber mal ehrlich, wenn ich den Helden, den Magier, den Zwerg, die Elfe usw. usf. vor lauter Klischeebruch nicht mehr als solche erkenne, ist das auch nicht viel spannender. Die Mischung machts.

Denn irgendwann wird auch der Klischeebruch wieder selbst zum Klischee.
lg,
unfug  ( Gründungsmitglied "Club der durchgeknallten Musen" )

Ein neues Kapitel- 10 Reviews
Die Geschichte zu Ende schreiben- 100 Reviews
Jemand, der einem sagt, wann es peinlich wird- Unbezahlbar!
Beiträge: 33
Rang: Buchstabierer
•  
Beitrag #14, verfasst am 03.08.2010 - 00:09
Ich denke gar nicht darüber nach, ob ich nun klischeehaft schreibe oder nicht. Ich möchte vor allem so realistisch (oder das, was ich dafür halte) wie möglich schreiben. Es gibt eben Dinge, die tatsächlich oft vorkommen. Aber gleichzeitig sind alle Charakter verschieden. Ich tauche meist sehr tief in meine Figuren ein, sodass sie eher weniger, irgendwo, genauso vorkommen.
Gut, das lässt sich natürlich einfacher umsetzen, wenn man, wie ich, vor allem Geschichten schreibt die kein Fantasy beinhalten. Ich habe also nicht direkt das "Gut und Böse", einen Helden und einen Feind.

Hm, mir ist jedoch schon aufgefallen, dass sich einige so verhalten, wie CyberneticNemesis es beschrieben hat. Warum das ist so ist, weiß ich auch nicht genau. Man kann nur vermuten. Ich glaube, dass manche Leute Angst davor haben sich lächerlich zu machen. - Wieder andere merken es wohl wirklich nicht.

Ich selbst habe nur etwas gegen Klischees, die nach Nachahmung stinken. Wenn die Geschichte trotz allem glaubwürdig und tiefgründig ist, ist es doch wunderbar! Bestimmt würde ich da sogar eine "Prinz-rettet-schöne-Prinzessin"-Geschichte lesen.
Dennoch gefallen mir vor allem die Charaktere von Stephen King, Brigitte Melzer oder Hans-Werner Kettenbach.
Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.

Aldous Huxley
Beiträge: 505
Rang: Graffitiwriter
•  
Beitrag #15, verfasst am 03.08.2010 - 08:38
Klischees, ich hasse sie. also die normalen Klischees aus unserer Welt. wie Frauen sind das schwache Geschlecht, Männer dürfen nicht weinen, Dicke sind Dumm, oder was mich auch ärgert ist, das in Maleflash die Männer immer auf die gleiche weise Sex haben. als ob es nur 2 arten geben würde.

so Serienklischees, das Dr. House immer egal zu welcher uhrzeit Vikodin schluckt, oder das Gibbs immer einen Kaffee in der hand hat, sind nicht so schlimm. troßdem schreibe ich in Moment 2 geschichten, eine in der die Klischees vernichtet werden, und eine, in der ein charakter, zu dem man nur die Klieschees kennt, sie auf einmal nicht mehr hat.

"Prinz-rettet-schöne-Prinzessin"-Geschichten Hasse ich wie die Pesst. eher andersrum, oder noch ganz anders, wie "Prinzessin-rettet-Drachen-vor-Prinz"
Das Nichts ist eine fehlende Ursache, ohne jegliche Wirkung!!!
Beiträge: 301
Rang: Kreuzworträtsler
•  
Beitrag #16, verfasst am 03.08.2010 - 09:35
  •  
zuletzt bearbeitet am 03.08.2010 - 09:35
Tjo, ich versuche gerade verzweifelt einen Balanceakt zwischen (geforderten) Klischees und originellen Facetten. Das ist schwer. Sauschwer, wie ich gerade gerausfinde, da ich bestimmte Vorgaben der Lektorin habe, die erfüllt werden müssen, damit das Ding verlegt wird. Der Held darf nicht jammern, aber er darf beim Leiden gut aussehen sowie bewundernswert und hart sein - letzteres in mehrfacher Hinsicht. Die Heldin muss temperamentvoll auftreten und Watsch´n austeilen, aber zugleich in den richtigen Momenten schmelzen...dumdidum...pfeif...sowas eben. Vorgegebene Klischees, weil die Leser sie erwarten und verlangen. Gleichzeitig soll ich im Rahmen dieser Klischees aber originell sein. Kreativ, einfach mal ein bisschen anders. Genau da liegt der Hase in der Pfanne, oder der Hund im Pfeffer. Leser eines bestimmten Genres, so die Lektorin, erwarten bestimmte Klischees. Sie wollen sich dort zu Hause fühlen, sich in gewohnte Vorlieben fallen lassen und trotzdem überrascht werden.

Der Herausforderung ist es nun, Erwartungen zu erfüllen und zugleich kreativ zu sein. Wobei wirklich innovative, ausgefallene Ideen wiederum von den Verlagen abgelehnt werden, weil sie ein zu großes Risiko darstellen. Ein Balanceakt, wie schon gesagt. Wenigstens darf die Heldin auch mal den Helden retten *schnurr*

By the Way: Wenn House plötzlich sanftmütig und verständnisvoll wäre, seine Tabletten gegen Werther´s Schmelzkaramell austauscht und fortan Omis und kleinen Kindern beim Spritzen geben die Hand tätschelt, würde ich dann noch die Serie gucken? Nee.
"Bitte lassen Sie Ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt. Unbeaufsichtigte Kinder werden entfernt und möglicherweise zerstört." (Durchsage am Flughafen London-Stansted)
Beiträge: 329
Rang: Aktenwälzer
•  
Beitrag #17, verfasst am 03.08.2010 - 19:05
Ich muss sagen, dass mich Klischees überhaupt nicht stören. Manchmal schüttel ich sogar den kopf über Dinge, die manche Menschen als Klischee sehen. Ich verstehe immer gar nicht wie man sich darüber aufregen kann.
Der Held eines Buches/Films wird immer einfach kein Jammerlappen sein. Weil Jammerlappen interessieren keinen.
Wenn man ehrlich ist, wird man feststellen, dass die ganze Welt aus klischees besteht. Ganz einfach weil sie auf Wahrheiten beruhen.
Es wurde, ich weiß nicht ob es hier oder in einem anderen Forum war kritisiert, dass Vampire immer spitze Zähne haben, nur Nachts rumlaufen etc. Das nichts neues kommt und das ja alles so ein Klischee wäre. Ja aber so wurden diese Wesen erfunden.
Es ist ja auch kein Klischee, dass Menschen zwei Beine haben und aufrecht laufen. Also wirklich, immer dasselbe als ob man die Menschen in Büchern und Filmen nicht mal anders darstellen könnte. Vielleicht mit langen Schwänzen und spitzen Ohren?
Die Welt, ob nun die reale oder fiktive Welt unterliegt gewissen Regeln. Und auch wenn wir uns dagegen sträuben und alles tun um total anders als andere zu sein, sind wir dennoch irgendwie gleich.
Was ist daran schlecht wenn der Mann die Frau rettet oder beschützt? Warum darf das nicht geschrieben werden? In der Regel wird wohl Frau sich freuen, wenn sie in einer brenzeligen Situation Hilfe vom Mann bekommt. Mag ausnahmen geben aber die Regel sind sie wohl nicht.

Natürlich sind manche Dinge etwas abgedroschen aber meistens stören sie mich nicht. Und wenn doch, dann meide ich den Film/Buch. Ist ja nicht so, dass alles total gleich wäre.

Was ich eigentlich meine ist (fällt mir heute irgendwie schwer es in Worte zu fassen), dass wir Menschen uns in bestimmten Situationen immer gleich verhalten. Also werden es die Figuren, die wir erschaffen auch tun.
Trust me, I' m the Doctor.
Beiträge: 885
Rang: Kolumnenschreiber
•  
Beitrag #18, verfasst am 03.08.2010 - 22:56
CyberneticNemesis schrieb:
Schon seit anbeginn meiner FanFiction-Zeit fällt mir immer wieder ein Phänomen auf.

In den Foren der FF-Plattformen bekräftigen sämtliche User wie furchtbar Klischees sind und dass all die doofen Autoren endlich mal was realistischeres bringen sollen. So weit so gut.
Schreibt man dann jedoch Figuren und Geschichten, die aus dem 0815-Rahmen fallen dann bekommt man u.a. Reviews wie "Also mal ehrlich, so ist das doch gar nicht! das hat doch gar nichts mehr mit Fandom XY zutun! Und warum ist der typ dick und intelligent! Geht ja gar nicht!"

Da frage ich mich zuweilen, ob man in Foren nur die Antiklischeehaltung vertritt weil man nicht als blöder Mainstreamleser gelten will oder es einfach nicht merkt, dass man doch eigentlich totaler "Klischeejaner" ist, obwohl man es öffentlich stets abstreitet.
Und oft kommen dann diese Kommentare auch noch genau von den Leuten, die vorher in ihren Postings Klischees und Stereotypen verteufelt haben.

Mich persönlich irritiert diese Beobachtung ein wenig. Denn da beißt sich die Katze offenbar in den Schwanz.

Also ich würde von mir mal behaupten, dass ich bisher so gut wie keine Klischees verwendet habe. Und die Reaktionen darauf waren immer positiv.
'Part of me suspects that I'm a loser, and the other part of me thinks I'm God Almighty.'
John Lennon
Beiträge: 2508
Rang: Schriftsteller
•  
Beitrag #19, verfasst am 03.08.2010 - 23:15
Du schreibst aber scheinbar hauptsächlich Kurzgeschichten, oder? Bei einem Adventureroman mit vielen Wendungen ist es schon schwierig, ganz auf Klischees zu verzichten.
Eventuelle Rechtschreibfehler in Forenbeiträgen sind auf Schlampigkeit und nicht auf Unkenntnis zurückzuführen.
Mein Autorenblog: http://acryldame.blog.de/
Beiträge: 885
Rang: Kolumnenschreiber
•  
Beitrag #20, verfasst am 03.08.2010 - 23:19
Darth Pevra schrieb:
Du schreibst aber scheinbar hauptsächlich Kurzgeschichten, oder? Bei einem Adventureroman mit vielen Wendungen ist es schon schwierig, ganz auf Klischees zu verzichten.

deshalb halte ich mich von so etwas fern
'Part of me suspects that I'm a loser, and the other part of me thinks I'm God Almighty.'
John Lennon
Beiträge: 50
Rang: Bildzeitungsleser
•  
Beitrag #21, verfasst am 11.08.2010 - 23:01
Haha,
einfache Lösung:

Schreibt verschiedenes.
Ich höre immer Elben,Elben usw.
Klischees?
Klar,habe reichlich verwendet.
Bei einer Story rettet der (finstere) Held mehrfach junge Frauen,klar kein Thema mit Riesenwumme (.500 Smith  Wesson,einfach mal googlen) aber unter anderem weil er ein riesiger Ex-marine ist und die Frauen von etwas angegriffen werden was er kennt aber die normalen Cops nicht.Passt also im kontext ganz gut.
Dann habe ich starke Heldinnen die in anderen Stories durchaus ihren "Mann stehen",eine zerlegt einen Serienkiller,eine andere ist ein US Marine 6 Wochen nachdem die Toten aus den Gräbern stiegen.
Ich habe Männer als Versager,Frauen als Helden, Männer als Helden, Dummköpfe die normal gebaut sind,und sogar zwei Stofftiere als Helden.Halt,sogar 3.

Und bei Klischees läuft das IMMER als Pardie!
Also mein 2,52 meter Barbar Shi-Takh,Megaheld und Prinzessinnenretter, und meine unglücksseligen Foltermönche die Jungfrauen schänden wollen.

Also,viele Geschichten unterschiedlichster Art = Klischees umbauen, weglassen oder völlig überraschend wegschmeissen.

Und manchmal ist es sogar gewollt wenn etwas völlig überzeichnet ist (DVD,"Auf den Führer", Tauschgeschäft).
Die Geschichte zählt, nicht der Erzähler   S.King
Beiträge: 50
Rang: Bildzeitungsleser
•  
Beitrag #22, verfasst am 12.08.2010 - 13:22
Wunderschöne, grazile und kunstbegabte Elfen sind für mich ebenso wenig ein Klischee wie eine Katze, die vier Pfoten, Schnurrbarthaare und große Augen hat und obendrein noch miaut. Manche Dinge sind nun einmal so wie sie sind - sonst müsste man der "Gattung" einen anderen Namen verleihen, meiner Meinung nach. Will man die Katze nun bellen lassen, nur damit sie nicht so klischeehaft katzenartig ist?

Ich mag abgegriffene Klischees auch nicht, allerdings mag ich es auch mit ihnen zu spielen. Niemand kann das Rad neu erfinden, deshalb muss man manchmal auf bekannte Charaktertypen zurückgreifen. Die Kunst besteht darin ihm etwas Individuelles zu verleihen. Ein Klischee entsteht für mich dann, wenn man sich nicht genug Mühe damit gibt etwas Eigenes zu erschaffen.
Für mich kommt es nicht darauf an was erzählt wird, sondern wie ^^
Die Kunst des Lebens ist, seinen eigenen Weg zu finden,
und sich nicht an den Wegweisern zu verlaufen
unbekannt
Beiträge: 24
Rang: ABC-Schütze
•  
Beitrag #23, verfasst am 12.08.2010 - 20:06
@ Neko no megami-sama: Das würde ich sofort unterschreiben. Ungefragt.

Ich benutze selber Klischees, natürlich. Wie sind sie denn entstanden? Die Superhelden, denen jede Frau hinterherläuft? Dadurch, dass jeder von ihnen geschrieben hat. Jeder darf Klischees benutzen, es wird nur dann ätzend, wenn es zu offensichtlich, zu platt und unkreativ ist.
Habt ihr nicht auch schon mal einen Krimi gelesen, bei dem irgendein Nerd plötzlich alle möglichen riskanten Actionszenen bravurös wie ein Stuntman über die Bühne bringt und am Ende auch noch das hübsche Mädel kriegt? Das ist auch absolutes Klischee, verkauft sich aber scheinbar richtig gut.
Folglich muss es immer Leute geben, die nur auf das Klischee mit dem neuen Outfit warten. Klar, was bekannt ist, das hat man schon einmal gesehen und kann es einschätzen.
Die Aufgabe des Autors, die Herausforderung, die das Schreiben bringen sollte, besteht darin, die Gratwanderung zwischen tausendmal bedient und erfrischend neu/anders zu machen.
Zu fremd darf es aber auch nicht sein, immerhin ist der Mensch ein Gewohnheitstier, das man ganz langsam mit Zuckerbrot und Peitsche in die gewollte Richtung schubsen muss.
"Warum sagst du nicht, dass der Rhabarber sauer ist?!?" - "Ich dachte du magst sauer..."
 
> AGB <   > Impressum <          v1.3.1