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Rang: Programmheftliebhaber
Lucie Sakurazukamori schrieb:
AU spekuliert für mich jedoch nicht nur, AU packt die Brechstange aus und macht, was es will. DAS ist glaube ich der Kernpunkt: Was versteht man unter AU. Ich schrieb nach Episode 7x06 eine Fanfiction, die am "Ende der Staffel" spielte, die Staffel lief gerade erst auf Englisch, es gab also keine Möglichkeit zu wissen wie Folge 7x24 aussehen würde. Natürlich lag ich ... "leicht" daneben - großes Lob für die Serie die ein geniales Staffel und Serienfinale lieferte, auf das ich nicht ums Verrecken gekommen wäre. Meine FF wurde dadurch aber zu AU, obwohl sie vollstens kanonisch geschrieben wurde. Ich glaube nicht, dass AU macht was es will. Schlechtes AU macht was es will, aber das tun schlechte FFs allgemein, nur dass sie sich nicht AU nennen. Können wir schlechtes Schreiben und schlechtes Konzipieren aus der Diskussion ausschließen? (<- Das ist eine echte Frage, keine Rhetorik) Oder glaubt ihr, dass sich damit das Thema erledigt hat?
Gehen wir von einem Versuchsaufbau aus, man nehme 30 gute Autoren, also Leute die das Handwerk: also Sprache, Stil, Charakterdarstellung und Handlungsaufbau beherrschen und gebe ihnen ein und dasselbe Fandom. Lassen wir die Extreme die hier genannt wurden aus (StarWars schein sehr verständlicherweise problematisch zu sein, Harry Potter ist sehr bequem, das kann ich bestätigen) Ohm ... Aus meinem Fundus würde ich glatt zu Dr. House tendieren. Ist ein schwieriges Fandom, weil sehr fachlich anspruchsvoll, keine Fantasy/SF Aspekte, die logisches AU erlauben (a la Spiegeluniversen etc.). Lassen wir unsere 30 Autoren mit ihrem Können auf dieses Fandom los und lassen jeden 10 Kurzgeschichten schreiben also 2000 bis 10000 Wörter.
Ich stelle mir das Ergebnis nun so vor. Von den 300 Geschichten werden sich 50 bis 100 mit dem irgendwie geartetem Zusammenkommen von House und Cuddy beschäftigen, 100 werden irgendeine fehlende Szene oder einen Nebenplot aufgreifen, dessen Reiz man wahrscheinlich nur begreift, wenn man diese Szene a) noch im Kopf hat und/oder b) ähnlich davon angesprochen wurde wie der Autor. Weitere 50 bis 100 werden Reproduktionen sein, also neue Folgen mit eigenen Fällen und dem leichten Würfeln mit den Beziehungen im Hintergrund. Es bleibt ein Graubereich von 0 bis 100 Geschichten die irgendwie ausbrechen: in der Zeit weit zurück, nach vorne oder in eine ganz unbekannte Seitenschiene gehen. Sie würden ohne bestimmte Szenenkenntnisse funktiuonieren, weil sie internen Aufbau bräuchten, wenn ich House in seinem ersten Jahr an der Uni beschreiben will, kann ich ihn nicht IC schreiben, weil er noch nicht so ist wie in der Serie, wäre er das, wäre die Figur sehr schlecht, nämlich ohne Entwicklung, konzipiert, das haben wir ausgeschlossen. Ich muss ihn also "umrechnen" je nachdem wie ich das tue könnten zwei Autoren zu zwei unterschiedlichen Charakteren kommen.
Und das ist dann z.B. etwas was ich spannend finde:
Die ersten 50 bis 100 Storys, die ein Kernthema des Kanons behandeln, lassen Cuddy und House stark IC handeln, was dazu führt, dass sie zu ähnlichen Ergebnissen kommen, schon vor Staffel 6 gab es Dutzende FFs in denen Cuddy zu House und umgekehrt findet, indem sie ihm beim Entzug hilft, selbst die Serie greift das Motiv auf und jeder Zuschauer glaubt 45 min lang, dass House mit ihrer Hilfe über Nacht eine jahrelange Sucht überwindet, es ist Beziehungstechnisch eben logisch und naheliegend, ergibt sich sehr sauber aus dem Kanon. Als FF Autor würde man etwas ähnliches wählen, nur ggf. realistischer über mehrere Monate ziehen. Ein sehr enges Feld, sowohl Thematisch, als auch stilistisch, weil ein Zusammenkommen dieser Charalktere garantiert nicht als Romance durchgeht oder als etwas humoristisches, die IC-Figuren brauchen einen bestimmten Ton.
Jemand der aber hingeht und House' ersten Tag an der Uni beschreibt, muss das Kanon umrechnen, für diese Rechnung kann er unterschiedliche Filter verwenden, indem er die lange Zeit zwischen Erster Tag an der Uni und Infarkt mit noch weiteren Elementen füllt. Er kann House da geradezu kontaktfreudig und ausgelassen darstellen, immerhin ist er seinem problematischen Elternhaus gerade frisch entkommen und neugierig auf die Welt. Er kann aber auch beschreiben, dass es da schon für alles zu spät war. Gleiche Handlung völlig unterschiedliche Stile, anderer Aufbau, andere Geschichte. Welche Version würde man jetzt AU und welche Kanon nennen? Oder sind beide AU, beide Kanon?
Ich finde es wichtig, dass bei dem zweiten Muster mehr "drin" ist, bevor man in MarySues, OOC, Wunschdenken und Tagträume abdriftet, als bei der ersten Gruppe. Klar können beide Storys gut sein, aber wenn ich mir nun eine Gruppe zum komplett durchlesen aussuchen müsste, würde ich eher die letzte nehmen, obwohl ich als Autor wohl eher etwas aus der mittleren Schiene schreiben würde, also eine Detailaufnahme.
Wie gesagt, bei diesem Aufbau, lassen wir einfach schlechte Geschichten aus.
Ich lebe in einer Welt, in der Vampire STERBEN wenn sie in die Sonne treten.

