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Beitrag #26, verfasst am 10.10.2010 - 20:07
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zuletzt bearbeitet am 10.10.2010 - 20:29
Lucie Sakurazukamori schrieb:
AU spekuliert für mich jedoch nicht nur, AU packt die Brechstange aus und macht, was es will.


DAS ist glaube ich der Kernpunkt: Was versteht man unter AU. Ich schrieb nach Episode 7x06 eine Fanfiction, die am "Ende der Staffel" spielte, die Staffel lief gerade erst auf Englisch, es gab also keine Möglichkeit zu wissen wie Folge 7x24 aussehen würde. Natürlich lag ich ... "leicht" daneben - großes Lob für die Serie die ein geniales Staffel und Serienfinale lieferte, auf das ich nicht ums Verrecken gekommen wäre. Meine FF wurde dadurch aber zu AU, obwohl sie vollstens kanonisch geschrieben wurde. Ich glaube nicht, dass AU macht was es will. Schlechtes AU macht was es will, aber das tun schlechte FFs allgemein, nur dass sie sich nicht AU nennen. Können wir schlechtes Schreiben und schlechtes Konzipieren aus der Diskussion ausschließen? (<- Das ist eine echte Frage, keine Rhetorik) Oder glaubt ihr, dass sich damit das Thema erledigt hat?

Gehen wir von einem Versuchsaufbau aus, man nehme 30 gute Autoren, also Leute die das Handwerk: also Sprache, Stil, Charakterdarstellung und Handlungsaufbau beherrschen und gebe ihnen ein und dasselbe Fandom. Lassen wir die Extreme die hier genannt wurden aus (StarWars schein sehr verständlicherweise problematisch zu sein, Harry Potter ist sehr bequem, das kann ich bestätigen) Ohm ... Aus meinem Fundus würde ich glatt zu Dr. House tendieren. Ist ein schwieriges Fandom, weil sehr fachlich anspruchsvoll, keine Fantasy/SF Aspekte, die logisches AU erlauben (a la Spiegeluniversen etc.). Lassen wir unsere 30 Autoren mit ihrem Können auf dieses Fandom los und lassen jeden 10 Kurzgeschichten schreiben also 2000 bis 10000 Wörter.

Ich stelle mir das Ergebnis nun so vor. Von den 300 Geschichten werden sich 50 bis 100 mit dem irgendwie geartetem Zusammenkommen von House und Cuddy beschäftigen, 100 werden irgendeine fehlende Szene oder einen Nebenplot aufgreifen, dessen Reiz man wahrscheinlich nur begreift, wenn man diese Szene a) noch im Kopf hat und/oder b) ähnlich davon angesprochen wurde wie der Autor. Weitere 50 bis 100 werden Reproduktionen sein, also neue Folgen mit eigenen Fällen und dem leichten Würfeln mit den Beziehungen im Hintergrund. Es bleibt ein Graubereich von 0 bis 100 Geschichten die irgendwie ausbrechen: in der Zeit weit zurück, nach vorne oder in eine ganz unbekannte Seitenschiene gehen. Sie würden ohne bestimmte Szenenkenntnisse funktiuonieren, weil sie internen Aufbau bräuchten, wenn ich House in seinem ersten Jahr an der Uni beschreiben will, kann ich ihn nicht IC schreiben, weil er noch nicht so ist wie in der Serie, wäre er das, wäre die Figur sehr schlecht, nämlich ohne Entwicklung, konzipiert, das haben wir ausgeschlossen. Ich muss ihn also "umrechnen" je nachdem wie ich das tue könnten zwei Autoren zu zwei unterschiedlichen Charakteren kommen.

Und das ist dann z.B. etwas was ich spannend finde:

Die ersten 50 bis 100 Storys, die ein Kernthema des Kanons behandeln, lassen Cuddy und House stark IC handeln, was dazu führt, dass sie zu ähnlichen Ergebnissen kommen, schon vor Staffel 6 gab es Dutzende FFs in denen Cuddy zu House und umgekehrt findet, indem sie ihm beim Entzug hilft, selbst die Serie greift das Motiv auf und jeder Zuschauer glaubt 45 min lang, dass House mit ihrer Hilfe über Nacht eine jahrelange Sucht überwindet, es ist Beziehungstechnisch eben logisch und naheliegend, ergibt sich sehr sauber aus dem Kanon. Als FF Autor würde man etwas ähnliches wählen, nur ggf. realistischer über mehrere Monate ziehen. Ein sehr enges Feld, sowohl Thematisch, als auch stilistisch, weil ein Zusammenkommen dieser Charalktere garantiert nicht als Romance durchgeht oder als etwas humoristisches, die IC-Figuren brauchen einen bestimmten Ton.

Jemand der aber hingeht und House' ersten Tag an der Uni beschreibt, muss das Kanon umrechnen, für diese Rechnung kann er unterschiedliche Filter verwenden, indem er die lange Zeit zwischen Erster Tag an der Uni und Infarkt mit noch weiteren Elementen füllt. Er kann House da geradezu kontaktfreudig und ausgelassen darstellen, immerhin ist er seinem problematischen Elternhaus gerade frisch entkommen und neugierig auf die Welt. Er kann aber auch beschreiben, dass es da schon für alles zu spät war. Gleiche Handlung völlig unterschiedliche Stile, anderer Aufbau, andere Geschichte. Welche Version würde man jetzt AU und welche Kanon nennen? Oder sind beide AU, beide Kanon?

Ich finde es wichtig, dass bei dem zweiten Muster mehr "drin" ist, bevor man in MarySues, OOC, Wunschdenken und Tagträume abdriftet, als bei der ersten Gruppe. Klar können beide Storys gut sein, aber wenn ich mir nun eine Gruppe zum komplett durchlesen aussuchen müsste, würde ich eher die letzte nehmen, obwohl ich als Autor wohl eher etwas aus der mittleren Schiene schreiben würde, also eine Detailaufnahme.

Wie gesagt, bei diesem Aufbau, lassen wir einfach schlechte Geschichten aus.
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Beitrag #27, verfasst am 10.10.2010 - 20:29
Lucie Sakurazukamori schrieb:

Gegen Spekulation habe ich nichts. Man kann mit dem Kanon jonglieren und, darauf aufbauend, spekulieren. Jede Füllung für Plotlöcher ist reine Spekulation. AU spekuliert für mich jedoch nicht nur, AU packt die Brechstange aus und macht, was es will. Ohne Rücksicht auf Verluste. Auf Konsequenzen, Charaktere, innere Logik der betreffenden Welt. Daran denke ich, wenn ich sage "versauen." Das ist weniger Spekulation als Egotrip.
(-> wieder einmal meine persönliche Empfindung bei manchen Geschichten.) .


Ich glaube nicht, dass ein Egotrip DIE Motivation ist, soetwas zu schreiben. Es macht den Autoren wahrscheinlich einfach Spaß und gefällt ihnen so, fertig. Was daran jetzt ein Egotrip sein soll, weiß ich nicht. Wie gesagt, die richten damit schließlich keinen Schaden an, auch wenn sie Lupin und diesen anderen Werwolf miteinander verslashen.
Ich habe selber mal die "Konzeption" des Originals stark verändert und stattdessen eine Märchengeschichte geschrieben. Dabei wurden sowohl Charaktere, Grundstimmung, Logik usw. verändert. Warum? Erstens als Herausforderung (funktioniert das?), und zweitens, weil mich die Idee einfach angesprochen hat. Natürlich hat das einige Leser befremdet, aber anderen hat es sehr gut gefallen (auch welche von den richtig guten Autoren im Fandom, wie Sol Deande). Ich habe aber auch zu keinem Punkt behauptet, dass die Story "realistisch" sein soll. Sie war von Anfang an als schrille Phantasie, als Traumgeschichte konzipiert.
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Beitrag #28, verfasst am 10.10.2010 - 20:49
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zuletzt bearbeitet am 10.10.2010 - 20:49
Egotripp ist es in dem Moment, in dem der Autor sich den Canon zurecht biegen muss, damit die Geschichte noch was mit dem Fandom zu tun hat. Wenn in der 'AU' von Dr. House (ich weiß NICHTS über House) plötzlich Nekogirls rumspringen, "weil das in diesem Universum halt so ist", kann da noch so oft der Name Dr. House drinstehen, es wird dadurch nicht sinnvoll (als House-FF). Genauso ist es nur noch seeehr bedingt Harry Potter, wenn es um ein achtjähriges Mädchen auf Hawaii geht, die Perlenfischerin ist, um sich mit dem Geld die Reise nach Hogwarts zu leisten.

Eine AU/AR/AT-Awhatever ist völlig ok und würde mich auch als Leser interessieren, wenn es grundlegende Dinge unverändert lässt. Beispiel: Eine was-wäre-wenn-AT, in der Charakter A nicht gestorben ist, aber in der die Gesetze und anderen Figuren canontreu bleiben. Ganz simpel: Was, wenn Jadzia Dax nicht von Gul Dukat getötet worden wäre? Resultat: Es hätte nie eine Ezri Dax gegeben, Jadzia hätte vermutlich ein Kind mit Worf bekommen, aber der Dominionkrieg wäre dadurch nicht anders verlaufen, Sisko wäre trotzdem am Ende mit den Propheten gegangen und Nog hätte trotzdem sein Bein verloren. Nachvollziehbare Konsequenzen, wie das Kind, damit verbundene Nebenhandlungen, dass Bashir Single bleibt oder eine andere Freundin bekommt - das ist alles AU/AR/AT, aber das Universum wird nicht komplett umgekrempelt, bis es nicht mehr als solches zu erkennen ist.
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Beitrag #29, verfasst am 10.10.2010 - 21:23
ok, ich musste jetzt nachschlagen was Nekogirls sind, aber das ist genau das was ich meine, DAS wäre einfach eine schlechte FF. Außer man nimmt als Patienten einen Anime/Manga Fan der abgedrehte Halluzinationen schiebt und verwendet Nekogirls um sein Kindheitstrauma, das zu einem ungünstigen Medikamentenmissbrauch geführt hat, der wiederum sein Krankheitsbild bestimmte, dar zu stellen und dann würdest du wieder nichts dagegen haben, weil es dann zum Fandom Dr. House (Mediziner der abgedrehte Krankheitsfälle diagnostiziert) passt.
OT: Mist, der Gedankengang hat mir einen rosa-grün karierten Plottbunny verpasst, na danke auch *grummel*

Es geht also nicht um das was, sondern um das wie. Wenn man schlechte Autoren/Geschichten einfach ausblendet, existiert dann die Kanonproblematik noch? Oder halten wir uns deswegen so sehr an Kanonschlagworten, weil es uns hilft schlechte Autoren zu selektieren?
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Beitrag #30, verfasst am 10.10.2010 - 21:29
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zuletzt bearbeitet am 10.10.2010 - 21:40
Den Post über mir von EchoTracer kann ich so nur unterschreiben.

@DarthPevra: Es ist alles erlaubt. Ich sage nur, wie ich es sehe und versuche zu begründen, warum ich es nicht mag. Auch wenn es den Autoren Spaß macht, - was es darf und sehr schön für sie ist und ich bin die Letzte, die es ihnen verbietet -, sehe ich es eben, ähnlich wie EchoTracer.
Jack Sparrow als Hund im Tierheim, der von dem kleinen Mädchen namens Will gerettet wird, um ihn mit auf die Luxusyacht ihres Vaters nehmen zu können hat nichts mehr mit FdK zu tun und ist für mich der Egotrip eines Autoren, der unbedingt die Namen der Charaktere verunstalten will, weil er einerseits zu faul ist, sich was eigenes auszudenken und andererseits zu faul, sich an den Kanon zu halten.

@Vistin: Filtere ich schlechtes AU heraus, bleibt gutes AU, bleibt AU mit Kanon.
Denn "gutes AU" hat für mich Kanon - Anteil. Sprich, es baut auf dem Kanon auf oder spiegelt den Kanon, ist irgendwie mit ihm verknüpft.  Behält gewisse Fixpunkte im Auge. Es gibt kein gutes AU ohne den Kanon, denn ansonsten macht die Story in dem Fandom wie gesagt keinen Sinn mehr.
Wenn AU, dann so.
Allerdings sehe ich noch immer nicht wirklich den Sinn darin, die Handlung von ... House in die sibirische Taiga zu verlegen oder Sauruman den Ring im ersten Krieg behalten zu lassen, damit er das Land von Anfang an in Dunkelheit stürzt,  sodass der ganze Herr der Ringe völlig sinnlos wird.

Ich glaube, wer mit dem Kanon ein so tief gehendes Problem hat, dass er ihn komplett ändern will, der könnte im falschen Fandom sein. (Star Wars aus oben genannten Gründen mal ausgeklammert.) Wenn ich den Kanon nicht mag, mag ich das Original nicht.
Was bitte ist der Sinn davon eine FF zu schreiben, wenn ich die Charaktere nicht mag, die Orte nicht mag, die Pairings nicht mag und alles ändern möchte?

Aber wir kommen vom Thema ab.

FAZIT:
AU gilt im allgemeinen als kreativer. Weil ... ja, warum eigentlich. Weil man etwas "eigenes" erfindet. (Wobei sich die Frage stellt, warum man in einer fremden Welt schreibt, wenn man etwas eigenes erfinden möchte.) Man kann damit aber zu sehr abdriften. Ich sehe in "kreativer" nicht zwingend einen Pluspunkt für das Lesevergnügen. Aus bereits genannten Gründen.

Kanon kann langweilig sein, weil alles bekannt ist und weil alles schon einmal erzählt wurde, was es zu erzählen gibt. Von letzterem bin ich nicht überzeugt, ganz und gar nicht, und ersteres ist für mich der Punkt von FFs.
Ich lese etwas über eine mir bekannte Welt. Keine neu erfundene Geschichte eines neuen Autors. Sondern FF eben. Fände ich den Kanon langweilig, würde ich das Fandom verlassen. Langweile im Fandom verspüre ich mehr über die zehnte Klischee-FF, die meistens AU und OOC sind, als aufgrund der Kanon-FFs, die man wirklich m.E.n suchen muss.

Die Kanon-Problematik bleibt für mich insofern stehen, als das ich gerne einen Grund für das AU habe. Warum muss der Kanon für die Geschichte unbedingt geändert werden?
- Weil der Kanon langweilig ist?
- Weil keine kompatiblen Ideen mehr da sind?
- Weil du eine Geschichte erzählen willst, die leider gar nicht in das Fandom passt?
Warum ist man dann in dem Fandom, warum sind völlig aus der Luft gegriffene Ideen automatisch kreativer und warum packt man eine unpassende Story in das Fandom?

Weil ich Charaktereigenschaften genauer beleuchten oder Situationen hervorrufen möchte, wie es mir im Kanon nicht möglich ist. Aber um etwas bestehendes im Kanon zu unterstützen. -> Das wäre für mich eine akzeptable Erklärung für ein AU. Zum Beispiel.
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zuojenn
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Beitrag #31, verfasst am 10.10.2010 - 21:37
Lucie Sakurazukamori schrieb:

Was bitte ist der Sinn davon eine FF zu schreiben, wenn ich die Charaktere nicht mag, die Orte nicht mag, die Pairings nicht mag und alles ändern möchte?


Hm, es gibt eine Buchreihe, an der ich mich wirklich gerne mal austoben würde, weil ich die Grundidee cool finde. Die Figuren finde ich allerdings hohl. Sie sind schrecklich flach und klischeehaft; die Plots dröge und/ oder total absurd - sowas mag selbst ich nicht schreiben.
Ich habe tatsächlich mal darüber nachgedacht, eine Kanon-abweichende FF zu schreiben, einfach nur, um die Grundidee besser zu verwerten. Aber der Sinn von FF sollte ein anderer sein, daher habe ich es gelassen.

Ich habe aber großes Verständnis, wenn jemand FF nutzt, um den Kanon zu verbessern
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Beitrag #32, verfasst am 10.10.2010 - 21:41
zuojenn schrieb:

Ich habe aber großes Verständnis, wenn jemand FF nutzt, um den Kanon zu verbessern


Das ist der Hauptgrund, aus dem ich manchmal das Bedürfnis verspüre, Fanfiktion zu schreiben.
Meist beschränke ich mich aber darauf, den entsprechenden Autoren zu schreiben, wie ich ihre Geschichte lieber hätte. (So etwas passiert mir hauptsächlich bei Originalgeschichten auf Fanfiktion.de)
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Beitrag #33, verfasst am 10.10.2010 - 21:58
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zuletzt bearbeitet am 10.10.2010 - 22:00
Lucie Sakurazukamori schrieb:

Weil ich Charaktereigenschaften genauer beleuchten oder Situationen hervorrufen möchte, wie es mir im Kanon nicht möglich ist. Aber um etwas bestehendes im Kanon zu unterstützen. -> Das wäre für mich eine akzeptable Erklärung für ein AU. Zum Beispiel.


Oder die Kanon-Geschichte so viele Möglichkeiten bietet, die nicht ausreichend ausgeschöpft werden - entweder weil die Autoren das wollten, damit der Leser/Zuschauer/Spieler etc., sich selbst etwas überlegt oder weil sie selbst keine wirklichen Ideen hatten und Thematiken und Storyelemente zumeist nur des Effektes Willen eingebaut wurde.

Bei meinem aktuellen Projekt erlebe ich das in zweierei Hinsicht: Den Spielern wurde für Zuhause das Werkzeug, welches die Jungs von Bioware nutzen, zum Gebrauch zur Verfügung gestellt, damit sie selbst Figuren, Items, Skripts, Szenen, ja ganze Kampagnen selber erstellen können - nach nem halben Jahr Versorgung von Zusatzinhalten seitens Bioware(2 Jahre hatte man dem Spieler versichert), stellt man dies ein. Vermutlich aus zweierlei Gründen: Die Arbeit am Nachfolgeprojekt und weil vielleicht einige der sogenannten Mods (die man teils auch als interaktive Fanfiction bezeichnen kann, wie Echo Tracer das in nem andern Thread sagte) noch besser waren, als das was Bioware ablieferte. Vermutlich weil der Fan mehr Herzblut hineinsteckt.

Andererseits erscheint die Originalstory auch ziemlich, nunja, flach - sie hat einige gute Elemente und Wendungen, aber das letzte Quentchen, um den Titel episch zu erlangen, dies fehlt ihr noch. Man hat in bestimmten Punkten das Gefühl, als wären die Autoren selbst unschlüssig gewesen, ob sie vertiefen sollten oder weil EA Sabber geifernd hinter denen stand und sagte "Nicht zu ausgefallen, MAINSTREAM!" dies dementsprechend unberührt ließen.

Wie dem auch sei, dieses Beispiel bietet die Möglichkeit vieles umzudeuten, zu interpretieren, sofern man den Kanon nur am Hauptspiel festmacht und gewisse Addons außen vorlässt. Dabei bietet eben dieser Kanon die Möglichkeit, ähnlich wie im Spiel selbst -ob man gut ist oder böse oder einen gewissen Mittelweg beschreitet, wie das Ende aussehen kann etc. - dies selbst zu bestimmen.
Unbefriedigend für das Spielerherz irgendwie, aber für die Schreiberseele ideal.
Und dabei driftet man dann nicht mal zu sehr ins AU ab...
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Beitrag #34, verfasst am 10.10.2010 - 22:33
@zujenn: Ja, solche Fälle kenne ich auch. ;)
Man kann aber einen Canon verbessern, indem man Plotlöcher füllt. Wenn man ihn aber komplett umändern will, weil einem nur die Grundidee gefällt, was spricht dann dagegen die Grundidee zu nehmen und etwas eigenes daraus zu machen? Mit kleinem Hinweis am Anfang.

@jack1603: Ein Beispiel, dass mir gerade einfällt, ist die unendliche Geschichte von Michael Ende. Dort legt der Autor viele, viele Pfade für neue Geschichten. Immer schön mit dem Satz eingeleitet: Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Eine direkte Einladung für Autoren um sich auszutoben.^^
Diese losen Enden aufzunehmen wäre, streng genommen, auch AU, bleibt aber nah am Kanon, da es eine direkte Fortführung wäre. Ein Kanon getreues ausweiten des Originals.
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Beitrag #35, verfasst am 10.10.2010 - 23:39
Lucie Sakurazukamori schrieb:

@jack1603: Ein Beispiel, dass mir gerade einfällt, ist die unendliche Geschichte von Michael Ende. Dort legt der Autor viele, viele Pfade für neue Geschichten. Immer schön mit dem Satz eingeleitet: Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Eine direkte Einladung für Autoren um sich auszutoben.^^
Diese losen Enden aufzunehmen wäre, streng genommen, auch AU, bleibt aber nah am Kanon, da es eine direkte Fortführung wäre. Ein Kanon getreues ausweiten des Originals.


Tja, der hat's wenig subtil gemacht, wobei ich an Ende nicht so richtig rankann.

Howard Philips Lovecraft fällt mir noch ein - man muss es mögen und den xenophoben Charakter seiner Geschichten "ignorieren" (ich höre ja wahnsinnig gerne die Hörbücher und dabei kann ich mit Hörbüchern nix anfangen), aber der vertrat den Standpunkt: Nehmt euch meine Geschichten, meine Idee des Cthulhu-Mythos und macht damit was ihr wollt, des passt schoo.
Er hat ja viel als Ghostwriter gearbeitet -ich möcht gar nicht wissen was, sonst könnte man bestimmte Autoren bestimmt in die Tonne kloppen, also deren Namen- einzig deswegen, weil ihm am Schreiben selbst lag, weniger an dem Gedanken: Dies ist meins! Das hab ich erfunden! Nun zahlt mal ordentlich, wenn ihr es verwenden wollt. Bei lautete das Motto auch: Geld? Was ist das?
Da kann man nicht mal von seinem Gesamtwerk als Kanon sprechen.
Also, sieht man mal davon ab, dass er ein Rassist war, der durch seine Zeit und Lebensumstände geprägt wurde (was es nicht unbedingt besser macht), ein Autor, den ich nur bzgl. der Theorie und der Arbeit des Schreibens als solcher gerne kennengelernt hätte.
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Beitrag #36, verfasst am 11.10.2010 - 00:03
Wie ich schon anmerkte - ich weiß NICHTS über House, außer dass Dr. House Mediziner ist. So wie oben geschildert - Nekogirls als Halluzinationen, würde das sicher funktionieren. Aber eben in einem so speziellen Fall. Nekogirls in Herr der Ringe, Fluch der Karibik oder Law & Order sind da schon schwieriger unterzubringen, maximal als Thematik/auf Fans bezogen, aber nicht als reale, existierende Charaktere eben.
AU ist eine 'tolle' Ausrede dafür, Elfen und sonstige Fantasy-Wesen ins heutige Amerika zu versetzen und CSI trifft Legolas zu schreiben, aber darin sehe ich auch nicht den Sinn. Das ist weder Fleisch noch Fisch, weder Fantasy noch Krimi. Nur irgendein Murks, bei dem zwei Fandoms einfach so zusammen gematscht werden. Und das gilt nicht nur für Crossover mit sehr gegensätzlichen Fandoms, sondern eben auch für wahllose Elfen, Vampire, Werwölfe und sonstwas, die sich zu NCIS, Law & Order, CSI oder anderen in der realen Welt von heute spielenden Fandoms.

Das Argument "ja aber in dem Fandom kann man - mit Kanonbeachtung - nichts schreiben, was nicht schon zigmal geschrieben wurde", kann ich nicht nachvollziehen. Meine Fandoms sind erstmal sehr komplex, da ist es kaum möglich, wirklich jeden Faden aufzugreifen und jedes offene Ende fortzuführen. Und dann verstehe ich nicht, wie ein Fan - Fan genug, um überhaupt FF zu schreiben, statt nur so mal nebenbei eine Serie zu gucken/lesen - keine Ideen mehr haben kann. Dann ist vielleicht der kreative Horizont zu eingeschränkt, oder die Ausrichtung der FF-Thematik zu limitiert (Stichwort: OTP und es wird konsequent über nix anderes geschrieben, als dass und wie X und Y sich kriegen und ähnliche Fälle).
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Beitrag #37, verfasst am 11.10.2010 - 15:01
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zuletzt bearbeitet am 11.10.2010 - 15:25
@EchoTracer:
Yep. Wenn jemand nun eine spezielle Idee hat, die sich erst bei einem AU austesten lässt, dann klar, gerne. Aber wenn man nur diese eine hat und sich von der Originalfiktion gezwungen fühlt, AU zu schreiben - dann ist man ein ulkiger Geschichtenerzähler. Nicht schlecht. Aber im wahrsten Sinne des Wortes ideenlos.

Das gleiche gilt für Geschichten, die ein AU überhaupt nicht erfordern. Eine Kollegin meinte da mal sehr schön, dass sie in Reviews keine Abzüge für AU gibt - nur für unnötiges AU. Was dann natürlich wieder so eine Sache ist, "Wann ist etwas unnötig?", aber generell würd ich mich da anschließen.

Das Argument, der Canon sei schlecht und müsse korrigiert/ignoriert werden... Ich kann da für Star Wars als Fiktion sprechen und sagen: Man sollte nicht den größten Müll herausfiltern, den das EU anzubieten hat und dann darüber schreiben. Ich schreib doch bei einer Geschichte, die in unserer Welt spielt, auch nicht über Dinge, die mich nicht interessieren. Und bei Star Wars halte ich es genau so. Wenn man mich fragt, ob der Imperator nun wiederauferstanden ist, dann zucke ich mit den Schultern. In meinen Fanfictions werd ich es weder widerlegen (weil C-Canon), noch werde ich es bestätigen (weil... dumm.)
"Start telling the stories that only you can tell, because there’ll always be better writers than you and there’ll always be smarter writers than you - but you are the only you."
- Neil Gaiman
 
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